Es gibt eine interessante Geschichte vom US-Schriftsteller Kurt Vonnegut über die Frage nach dem Sinn im Leben.

Ich möchte sie kurz erzählen.

Am Anfang schuf Gott die Erde und betrachtete sie in seiner kosmischen Einsamkeit.

„Lasst uns nun lebendige Kreaturen aus dieser Erde erschaffen“, sagte Gott.

Er hauchte jeder Kreatur, die es heute gibt, Leben ein. Und so entstand der Mensch.

Nur dieser konnte sprechen, also hörte Gott genau hin, als der Mensch aufsaß und begann: „Was ist der Sinn des Ganzen?“, fragte der Mensch höflich.

„Muss denn alles einen Sinn haben?“, erwiderte Gott.

„Natürlich.“ antwortete der Mensch.

„Na wenn das so ist, überlasse ich es euch, einen zu finden!“, sprach Gott und ging davon.

Kurt Vonnegut zeigt uns mit dieser Geschichte eine wichtigen Punkt:

Es gibt nicht den einen Lebenssinn.

Der Duden definiert das Wort „Sinn“ als „Ziel und Zweck, Wert, der einer Sache innewohnt“.

Nüchtern betrachtet hat das Leben an sich jedoch weder Ziel noch Zweck noch Wert. Das Leben ist einfach nur.

Wir Menschen sind es, die in allem einen Sinn suchen. So ist unsere evolutionäre Natur. Dagegen können wir gar nichts tun.

Und bis vor ein paar Jahrzehnten war die Sache mit dem Sinn auch ziemlich einfach.

Man musste lediglich zur Kirche gehen und bekam einen bis einen minuziös ausgearbeiteten Lebenssinn in Form eines religiösen Weltbildes präsentiert. Prima.

Aber wie viele von uns sind heute noch wirklich religiös?

Aus dem Grund sind die meisten von uns dazu angehalten, dem eigenen Leben einen vollkommen individuellen Sinn zu verleihen. Aus dem einen Lebenssinn wird demnach MEIN Sinn des Lebens.

Wieso ein Sinn Sinn ergibt

Vielleicht fragst du dich jetzt, wieso du überhaupt nach einem Sinn in deinem Leben suchen solltest.

Hier sind ein paar Gründe:

  • Mit einem Lebenssinn bekommt dein Leben eine Richtung. Auf einmal merkst du, dass du klarer denken und schneller Entscheidungen treffen kannst. Viele Dinge, die dir vorher Zeit und Energie geraubt haben, entfernst du nun aus deinem Leben, weil du weißt, dass es am besten ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  • Du begegnest den stürmischen Momenten deines Lebens mit größerer Gelassenheit. Wenn es mal schwierig wird, gibt dir die ein Lebenssinn Kraft und Selbstbewusstsein.
  • Du richtest deinen Fokus ab jetzt auf das, was wirklich wichtig ist. Anstatt nur an deine eigenen (oft lächerlichen) Probleme zu denken, kümmerst dich um eine Sache, die das Kümmern wirklich verdient hast.

In einer 2014 im Rehabilitation Psychology Journal veröffentlichten psychologischen Studie fand man heraus, dass chronisch kranke Patienten, die in ihrem Leben einen Sinn, ein signifikant höheres Wohlbefinden aufwiesen als jene, die dies nicht taten.

Aber du musst weder mir noch irgendwelchen Studien glauben.

Schau doch einfach mal in deiner eigenen Vergangenheit, ob es Momente gab, in denen du das Gefühl hattest, Teil einer größeren Sache gewesen zu sein.

Falls ja, wirst du rückblickend feststellen, wie gut dieses Gefühl tat. Es steht also außer Frage – ein Lebenssinn ist eine feine Sache.

Aber was hat das Ganze jetzt mit deiner Arbeit zu tun?

Im Durchschnitt 70 000 Stunden

Das ist die Zeit, die wir in unserem Leben mit Arbeiten verbringen. Auch wenn sich dies in Zukunft ändern mag:

In unserer gegenwärtigen Gesellschaft ist die Arbeit ein essenzieller Bestandteil des Lebens.

Wenn du also nach einem Sinn im Leben suchst, kommst du um die Frage nach einer sinnvollen Arbeit nicht herum.

In einer Studie aus dem Jahr 2016 fanden Findikli und Keles zudem heraus, dass die eigene Jobzufriedenheit im hohen Maße damit zusammenhängt, wie welche Bedeutsamkeit der täglich verrichteten Arbeit beigemessen wird.

Diejenigen Studienteilnehmer, die Aussagen wie „Die Arbeit, die ich ausübe, dient einem größeren Zweck“ oder „Ich hab eine bedeutungsvolle Karriere gefunden“ in höherem Maße zustimmten, waren im Beruf auch wesentlich zufriedener.

In der Theorie ist das ja alles schön und gut. Aber wie findest du denn jetzt mehr Sinn in deiner Arbeit?

1. Habe den Mut, neue Wege zu gehen

Der erste Tipp ist gleichzeitig auch der radikalste:

Suche dir einen anderen Job!

Nein im Ernst, das ist die Lösung. Wenn du eine wirklich sinnvolle Arbeit finden willst, dann mach dich einfach auf die Suche. Das einzige, was du dafür brauchst, ist Mut:

  • Mut, deine gegenwärtige Situation in Frage zu stellen und dich von der Sicherheit der Gewohnheit freizumachen.
  • Mut, neue Dinge auszuprobieren, die dich unter Umständen an die Grenzen deiner Komfortzone bringen.
  • Mut, in die Ungewissheit zu gehen. Und dir einzugestehen, dass du möglicherweise keine Ahnung hast, wie genau eine sinnvolle Arbeit für dich aussehen mag.

Anderen Menschen zu helfen und die Welt mit deinem einzigartigen Spektrum an Fähigkeiten und Gaben zu bereichern, ist ein wunderbares Gefühl. Wenn du dein Leben lang bei McDonalds Cheeseburger verkaufst oder im Büro einer riesigen Firma Akten sortierst, wirst du dieses Gefühl jedoch nie erleben.

Stattdessen wird ein Teil von dir immer unzufrieden sein. Tief in deinem Innern wirst du spüren, dass etwas fehlt.

Das möchtest du doch nicht, oder?

Dann sei ehrlich zu dir selbst:

Hast du das Gefühl, dass deine Arbeit die Welt positiv verändert? Glaubst du, dass sie dir Raum zur Entfaltung deiner Einzigartigkeit gibt? Bist du mit dem, was du tust, zufrieden?

Wenn du diese Fragen mit einem klaren Ja beantworten kannst, kannst du an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören. Wenn nicht, wird es Zeit zu handeln. Sei mutig und begib dich auf die Suche nach einer sinnvolleren Arbeit.

Ich selbst habe vor einigen Jahren mit dem Bloggen angefangen. Was wie ein umfangreiches Hobby anfing, endete in einer Lebensmission, die ich manchmal mehr und manchmal weniger motiviert verfolge. Am Ende des Tages habe ich jedoch immer die Gewissheit, das Richtige zu tun. Und jene positiven Rückmeldungen und Dankes-Mails, die mich täglich erreichen, beweisen mir, dass meine Arbeit anderen Menschen wirklich hilft.

Was also ist dein Geschenk an die Welt? Wie kannst du dich einer Sache hingeben, die größer ist, als du selbst? Was kannst du gut? Was fasziniert dich? Was wolltest du schon immer tun?

Du musst kein Blogger sein, um Sinn in deiner Arbeit zu finden. Genauso wenig musst du ein Unternehmen gründen oder in die Politik gehen. Das einzige, was du brauchst, ist eine gute Mischung aus Mut und Ehrlichkeit.

Sobald du nämlich anfängst, die obigen Fragen ernsthaft zu verfolgen, wirst du früher oder später eine Arbeit finden, die dir persönlich sinnvoll erscheint. Und dann kommst auch du in den Genuss dieses erhabenen Gefühls, mit einer größeren Sache verbunden zu sein.

2. Übe dich in Gegenwärtigkeit

Vielleicht weißt hast du im Moment noch gar keine Ahnung, wie deine sinnvolle Arbeit aussehen mag. Oder du steckst fest in einem Job, der dir das nötige Geld zum Leben beschafft.

Beide Situationen sind vollkommen legitim.

Solange du dich auf der Suche nach einer sinnvolleren Arbeit befindest – solange du die nötigen Vorkehrungen triffst, um in dieser Arbeit Fuß zu fassen – kannst du nämlich Folgendes tun:

Du nutzt deinen aktuellen Job als Übung deiner Gegenwärtigkeit.

Was Gegenwärtigkeit ist?

Der Duden definiert diesen Begriff als „Anwesenheit“ oder „Bezug zur Gegenwart“. In spirituellen Kreisen meint versteht man unter Gegenwärtigkeit vor allem das Wahrnehmen und Akzeptieren dessen, was hier und jetzt mit dir und um dich herum passiert.

  • Gedanken.
  • Gefühle.
  • Sinneswahrnehmungen.

Sobald diese Dinge in den Raum deines Bewusstseins bringst, bist du gegenwärtig.

Je gegenwärtiger du bist, je mehr du die Dinge einfach annehmen und sein lassen kannst, ohne etwas verändern zu müssen, desto gelassener gehst du durchs Leben. Und dies zieht wiederum eine höhere Lebenszufriedenheit nach sich.

Denn wer ist schon gern gestresst?

Ein perfekter Ort, um dich in Gegenwärtigkeit zu üben

Einer der größten spirituellen Meister unserer Zeit, Eckhart Tolle, drückt es in seinem Buch „Eine neue Erde“ folgendermaßen aus:

„Wenn Arbeit nichts weiter als Mittel zum Zweck ist, kann sie keine hohe Qualität haben. Sobald Schwierigkeiten oder Hindernisse auftauchen, zum Beispiel nicht alles [deinen] Erwartungen gemäß läuft, andere nicht kooperativ und die Umstände nicht zweckdienlich sind, [stellst du dich] gegen die Situation, statt sofort eins mit ihr zu werden und auf die Erfordernisse des gegenwärtigen Augenblicks zu reagieren, und [trennst dich] davon ab.

[…] eine Riesenmenge Energie wird [dadurch] in nutzlosem Protest und fruchtloser Wut verpulvert, Energie, die zur Klärung der Situation verwendet werden könnte.“

Merkst du, welche Chance dir deine Arbeit bietet? Immer, wenn es dort mal nicht so gut läuft, kannst du dich in Annahme üben:

  • Wenn du gerade gar keine Lust zum Arbeiten hast, kannst du lernen, deine unangenehmen Gefühle zu akzeptieren, anstatt vor ihnen davon zu rennen.
  • Wenn du nervigen Kollegen begegnest, kannst du dich in Konfliktbewältigung, Mitgefühl und dem Aufbau enger zwischenmenschlicher Verbindungen üben.
  • Wenn du auf eine Schwierigkeit oder eine unvorhergesehen Herausforderung stößt, kannst du dich um eine Lösung dieser bemühen, anstatt hilflos in dir selbst zusammenzusacken.

Alles, was du für Reaktionen dieser Art brauchst, ist eine Form innerer Bereitschaft – der Wille, das, was ist, zu akzeptieren.

Bedeutet dies, dass du deine gegenwärtige Arbeit hinnehmen musst?

Natürlich nicht.

Über kurz oder lang solltest du immer eine Arbeit finden, die dich zufriedenstellt und die dir sinnvoll erscheint. Aber selbst bei einer solchen Arbeit wird es Momente geben, in denen die Dinge nicht so laufen, wie du es gern hättest.

Und genau diese Momente sind es, die du nutzen kannst, um dich in Gegenwärtigkeit zu üben. Denn wenn du eins mit dem Moment wirst, bekommt deine Arbeit (und dein Leben) einen völlig neuen Sinn.

3. Sieh deine Arbeit als Lernprozess

Jeder Mensch hat das intuitive Bedürfnis, zu lernen und zu wachsen. Im Grunde genommen machen wir das ganze Leben nichts anderes.

Und damit meine ich nicht die eindimensionale Definition des Lernens, die wir in der Schule vermittelt bekommen. Nein, Lernen ist viel etwas viel Aufregenderes und komplexeres.

  • Wir entwickeln neue Fähigkeiten, die uns im in Vielzahl verschiedener Situationen weiterhelfen.
  • Wir finden bessere Wege, in Harmonie mit uns selbst und anderen zu leben.
  • Wir lernen neue Perspektiven kennen, die Welt zu betrachten.
  • Wir überwinden die inneren und äußeren Hinderninisse unseres eigenen Lebens und wachsen daran.

Der Mensch ist zu einer Vielzahl an Lernprozessen in der Lage. Wie gut wir in der Lage sind zu lernen, hat einen starken Einfluss auf unsere Lebensqualität.

  • Jemand, der gelernt hat, mit Computern umzugehen, kann als Programmierer viel Geld verdienen.
  • Jemand, der trainiert hat, gute Beziehungen zu führen, empfindet mehr Verbundenheit in seinem Sozialleben.
  • Jemand, der es geübt hat, mit sich selbst zufrieden zu sein, ist einfach ein Stück zufriedener als der Rest.

Die Vorzüge lebenslangen Lernens sind unzählbar. Und das beste ist jedoch: Um zu lernen, brauchst du gar nicht extra etwas tun. Du machst es jeden Tag, meist ohne dass es dir bewusst ist.

Dennoch kannst du bewusst darauf Einfluss nehmen, wie effektiv du lernst. Und dieser Umstand führt uns zurück zum Thema der Arbeit.

Die meisten Menschen arbeiten nämlich lediglich, um Geld zu verdienen. Und das ist ok.

Dann gibt es einige, die die Welt außerdem zu einem besseren Ort machen wollen. Das ist schon ein gutes Stück besser.

Darüber hinaus gibt es allerdings noch eine andere Sorte Mensch. Diese Menschen nutzen jede Art von Arbeit als eine Möglichkeit der persönlichen Transformation.

Sie versuchen, an ihren Aufgaben zu wachsen und so viel wie möglich dazuzulernen. Egal, um welche Tätigkeit es sich handelt.

Welche Domäne deiner Arbeit hast du noch nicht gemeistert? Welche Dinge fallen dir noch schwer? Was kannst du verbessern? Wie kannst du während der Arbeit effektiver, entspannter oder fokussierter werden? Wie die Kommunikation zu deinen Kollegen verbessern? Welche wichtigen Lektionen oder Fähigkeiten dir deine Arbeit für das Leben mitgeben?

Sobald du dir Fragen wie diese stellst, kannst du sogar aus einem Job als Müllmann (oder Müllfrau) einen spannenden Lernprozess machen.

Wie viel du dazulernen kannst, hängt sicher auch davon ab, welchen Job du ausübst.

Ich möchte keineswegs behaupten, dass du im Callcenter von Vodafone ein genauso großes Wachstumspotenzial hast wie ein selbstständiger Künstler, der seine Kunst sowohl produzieren als auch vermarkten muss – und damit gleich zwei Jobs hat.

Dennoch: In jeder Arbeit steckt die Chance, zu lernen.

Und sobald du diese Chance siehst – und ergreifst – entdeckst du, dass in deiner Arbeit mehr Sinn steckt, als du dachtest

Über den Autor

5 Jahre lang ist Anchu durch die Welt gereist, nun lebt er auf Zypern. In seinen Texten verbindet Anchu praktische Erfahrung mit psychologischem Fachwissen.

Falls dir dieser Artikel gefallen hat, schaue doch einfach mal auf Anchus Blog vorbei.

Er schreibt dort unter anderem über seine Erfahrungen mit der Selbstständigkeit und regt mit interessanten Themen zum Nachdenken an.

Quellen

  • J. Dezutter et al. Meaning in Life: An Important Factor for the Psychological Well-Being of Chronically Ill Patients? Rehabilitation Psychology, 58(2013)4: S. 334-341
  • H. Keles und M. Findikli. The effect of the meaningfulness of work on job satisfaction, job stress and intention to leave. Global Journal of Business, Economics and Management, 06(2016)2: S. 61-69
  • K. Vonnegut. Cat’s Cradle. Dell Publishing (1998): S.265
  • E.Tolle. Eine neue Erde. Arkana (2005): S. 142-144

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