„Schreibe einen Aufsatz über deine Träume“

Diese Aufgabe haben viele Schüler gestellt bekommen, so auch Christian, der in den siebziger Jahren irgendwo in Salzburg eine kleine Dorfschule besuchte.

Für Christian gab es viel, wovon er träumen konnte, aber sehr wenig, worauf er seine Träume bauen konnte. Seine Familie war arm und hatte häufig umziehen müssen, da sie immer wider dorthin ziehen mussten, wo Christians Vater eine Arbeit finden konnte. Darum hatte Christian nur wenige richtige Freunde und war in der Schule hoffnungslos hintendran – Aber Träume hatte er!

Als er dann in der Schule eines Tages einen Aufsatz über seine Träume schreiben sollte, strengte Christian sich mächtig an. „Wenn ich groß bin, will ich Künstler werden und in einem Haus auf dem Land wohnen, das ich selbst gebaut habe.“ Ganz ausführlich beschrieb er seinen Traum und sorgfältig zeichnete Christian Skizzen, wie das Haus aussehen sollte, und er war mächtig stolz, als er am nächsten Tag seinen Aufsatz bei seinem Lehrer abgab.

Drei Tage später bekam er seinen Aufsatz zurück mit einer großen, roten 5 in der oberen Ecke. Die schlechtest mögliche Beurteilung! Als der Unterricht vorbei war, ging Christian nach vorne zum Lehrer und fragte, warum er eine Fünf auf seinen Aufsatz bekommen hatte.

„Das hier ist in völlig unrealistischer Traum für einen Jungen wie dich. Du bist arm, hast fast keine Schulbildung, du hast keinerlei künstlerische Begabung, und du weißt nichts darüber, wie man ein Haus baut. Wenn du einen Aufsatz über einen etwas realistischeren Traum schreibst, dann kann ich dir eine bessere Note darauf geben“ antwortete der Lehrer herablassend.

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Christian wusste nicht, was er tun sollte. Er dachte den ganzen Heimweg darüber nach, und am Abend beim Zubettgehen fragte er seinen Vater, was er tun sollte. Sein Vater setzte sich auf Christians Bettkante und schaute ihn ernst an.

„Das ist dein Traum, Christian“, sagte er. „Du musst entscheiden, wie wichtig er für dich ist.“ Am nächsten Tag gab Christian denselben Aufsatz noch einmal ab. „Sie können bei dieser Note bleiben, und ich bleibe bei meinem Traum“ sagte er voller Überzeugung zu seinem verdutzt schauenden Lehrer.

Dreißig Jahre später erzählte Christian diese Geschichte zwanzig Kindern, die zu ihm zu einem Malkurs gekommen waren.

„Das erzähle ich euch, nachdem ihr nun in einem Haus auf dem Land seid, das ich selbst gebaut habe. Und jetzt will ich euch die Ausstellung zeigen mit Bildern, die ich gemalt habe. Über dem offenen Kamin habe ich meinen Aufsatz eingerahmt aufgehängt. Das erinnert mich daran, dass ich meine Träume nicht aufgeben soll.“

Und ihr solltet euch auch von niemanden eure Träume stehen lassen!

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