Wenn wir versonnen an einem Fenster sitzen oder in einer anderen Situation unseren Gedanken nachhängen, können wir später oft nicht mehr sagen, was genau wir gedacht haben. Solange es Tagträume sind, ist es wie Peeling für unseren Verstand.

Anders aber ist es, wenn wir aus Sorgen und Angst vor der Zukunft nicht mehr klar denken können. Wenn wir aus Verzweiflung und Trauer über einen herben Verlust nachdenken. Oder wenn wir über verpasste Chancen hadern.

Oft genug streiten wir uns mit anderen Menschen – aber nur im Kopf. Oder rechtfertigen in einem stillen inneren Dialog unser Verhalten. Wir erklären anderen gegenüber unser Verhalten.

“Der Denkapparat kommt überhaupt nicht zur Ruhe und macht uns an manchen Tagen das Leben zur Hölle.”

Wir stehen nicht selbstbewusst mitten im Leben, sondern befinden uns im Klammergriff des Lebens. Ein Leben, an dem wir nicht teilnehmen, weil wir in Gedanken ganz woanders stehen. Was aber denken wir wirklich?

Wie oft wissen wir, dass es uns nicht gut geht, ohne sagen zu können, warum. „Irgendwie“ halt nicht gut. Oder wir ahnen und fühlen, dass in bestimmten Situationen irgendetwas nicht richtig ist, weil … weil …, ja, wir wissen es nicht. Weil wir verlernt haben, auf uns zu hören. Ganz genau hinzuhören oder hinzusehen, was wir tatsächlich denken. Und letzten Endes auch zu fühlen und zu empfinden.

Es ist paradox: Echtes Fühlen und Gefühle haben wir mit dem Verstand wegrationalisiert, wie man so schön sagt. Aber mit welchen Gedanken? Das wissen wir nicht, solange wir sie ignorieren.

Sich hinter Ungenauigkeit verschanzen

Mit dieser Ungenauigkeit im Denken und Fühlen ist man quasi auf der sicheren Seite. Man muss nicht für seine Gedanken gerade stehen, weil man sich jederzeit rausreden kann. Beispielsweise nach einem Tritt ins Fettnäpfchen. Wir haben „aus Versehen“ einen Menschen verletzt. Der protestiert und wir sagen:

„War nicht so gemeint!“.

„Wie war’s denn gemeint?“

„Ja, irgendwie anders! Du weißt schon.“

Tolles Gespräch. Danke für nichts. Der andere soll wissen, was wir selbst nicht wissen.

Im spirituell-philosophischen Sinne ist Unwissenheit ein Vorzeige-Gedanke: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ – der kommt immer gut –, im Sinne der alltäglichen Kommunikation eine Zumutung.

Alles passt, nichts ist richtig.

Mit einem Irgendwie-Menschen zu reden ist wie gegen einen Luftballon fighten.

Alles passt – irgendwie. Nichts ist richtig – irgendwie. Wird schon werden – irgendwie. Wann? Irgendwann!

Sich klar und unmissverständlich auszudrücken riecht nach Deutschlehrer – und wer will das schon sein? Im Alltag? Dann lieber drauflos schwadronieren. Das fühlt sich lebendig und normal an.

Natürlich übertreibe ich. Auch will ich auf gar keinen Fall nur noch von Deutschlehrern umgeben sein! Und noch weniger will ich als oberkluger Heini dastehen. Aber mehr Bewusstheit über unser eigenes Denken würde vielen gut tun.

Es geht nicht darum, auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Mir geht es eher um den einzelnen, der nachts nicht mehr schlafen kann, weil der Kopf Amok läuft. Ich denke an diejenigen, die immer wieder „falsche Bemerkungen“ machen und gar nicht verstehen, wie ihnen das passieren konnte. Die es ‘irgendwie’ anders gemeint haben. Ich denke an die, die gar nicht wissen, was ihnen passiert und die das Gefühl haben, Leben passiert – ohne sie.

Natürlich muss man spätestens an dieser Stelle sagen, dass wir uns sowieso nie richtig und klar ausdrücken können, weil Kommunikation nicht allein vom Sender bestimmt wird. Der Empfänger mischt mit. Aber für wen schreibe ich das!? Das weiß ja mittlerweile jeder.

Ein Vergleich: Der Sender ist das Mehl, der Empfänger das Wasser. Und zusammen wird es Teig. Eben ein Gespräch oder „Kommunikation“.

Oder: Der Empfänger ist eine Leinwand, der Sender eine Farbpalette. Und zusammen wird es ein Bild. Eben wie ein Gespräch oder „Kommunikation“

Aufgrund dieser Tatsache gibt es kein Gespräch, bei dem am Ende alles so verstanden worden ist, wie der Sender es versteht. Die Frage: „Hast du das verstanden?“ oder ruppiger „Kapiert?“ ist total überflüssig, weil der Empfänger „Ja“ sagen wird, solange er glaubt, alles verstanden zu haben.

Viel sinnvoller ist die Frage: Wie hast du es denn verstanden? Kannst du es wiederholen, mit deinen Worten? Sieht man einmal davon ab, dass diese Art der Kommunikation sehr hölzern ist und keiner dabei erwischt werden will, ist sie zumindest sehr erhellend und voller Überraschungen. Es hilft zumindest nach einem Streit, wenn man versucht, die Wogen zu glätten und Missverständnisse aufzudecken.

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Auf diesem Weg kann man erleben, wie man tatsächlich verstanden worden ist. Welche Details mal eben weggelassen worden sind. Welche Vermutungen zu Fakten mutierten. Welche präzise Beschreibung vernebelt wurde.

Je ungenauer wir uns ausdrücken, desto mehr dichtet der Empfänger unseren Worten seinen eigene Senf hinzu. Und keiner ist zu doof, etwas falsch zu verstehen. Wir verstehen alles im Rahmen unserer subjektiven Wahrnehmung – die immer von den Vorstellungen des Sprechers abweichen. Immer!

“Doof ist eigentlich nur der, der nicht genau sagen kann, was er meint.”

Übrigens finde ich es für ein Coaching mit hilfesuchenden Menschen gar nicht so wichtig, als Coach richtig verstanden zu werden. Wichtiger ist es, dass die Klienten einen mentalen „Wachstumsschub“ bekommen. Und wenn sie den bekommen, weil sie mich „falsch“ verstanden haben und genau dieses Missverständnis ein Aha-Erlebnis auslöst – bitte, besser geht es nicht.

Klare Gedanken und Selbstverantwortung

Wir merken zwar, dass wir denken, aber wissen nicht genau was. Wer sich seiner Gedanken bewusst ist und sich aus dem lauwarmen Bad vager Gefühle und gedanklicher Ungenauigkeiten befreit, ist klar im Vorteil.

Er kann Verantwortung für sein Denken und Tun übernehmen, weil seine Gedanken eindeutig sind. Weil das, was er sagt, auch so gemeint ist.

Es gibt einen einfachen Weg herauszufinden, was wir wirklich denken. Es handelt sich um kurze Übungen gegen Gedankenkarussells, die sich gut in den Alltag einstreuen lassen.

Es geht darum, sich selbst zu beobachten und dabei wie ein innerer Reporter sein Handeln und sein Denken zu beobachten.

Gedanken beobachten

Im besten Fall suche dir eine Situation aus, die ganz routiniert abläuft. Während also dein Körper alles von allein macht, begleitest du ihn und sagst dir selbst, was gerade passiert. Also beispielsweise: „Ich putze mir die Zähne. Ich spüre die Zahnbürste auf meinem Zahnfleisch. Links oben tut es weh. Ich drehe die Bürste und putze mir die unteren Zähne.“

Sobald die Übung gut läuft und du dich eingegroovt hast, schaffe noch mehr Distanz zu deinen Handlungen, indem du laut sagst, was du tust. Oder was du fühlst. Oder was du gerade hörst. Oder siehst. Und: Was du denkst. Es sollte natürlich etwas anderes sein als Essen oder Zähneputzen ; )

Die laut ausgesprochene Säzte haben den Vorteil, dass du merkst, ob und wann du mit deinen Gedanken abschweifst (plötzlich ist es still). Dann kannst du mit deiner Aufmerksamkeit zurückkehren zu dem, was im Hier und Jetzt passiert.

Am effektivsten ist die Übung dann, wenn du die Sätze mit deinem eigenen Namen beginnst. Zum Beispiel könnte du dich selbst so hören: „Laura sitzt auf dem Sofa. Sie fühlt das weiche Polster. Laura sieht sich im Wohnzimmer um und ihr Blick bleibt bei einem Bild hängen. Laura erinnert sich an den Kauf den Bildes. Laura denkt, dass das Bild ihr nicht mehr gefällt. Sie denkt, es müsste mal etwas Neues her. Laura wird es bei diesem Gedanken unwohl, weil ihr Mann sehr an dem Bild hängt …“

Der Vorteil dieser Art von Selbstbeobachtung liegt darin, dass wir Dinge wahrnehmen, die uns im flüchtigen Alltagsleben entgehen. Wir merken, was uns beschäftigt und was manchmal dieses vage Unwohlsein auslöst. Was uns rastlos macht. Welches Verhalten des Partners uns eifersüchtig macht. Was genau uns triggert, um einen Streit loszutreten oder was wir gemacht haben, dass unser Partner sich schmollend zurückzieht.

Wer lernt, sich genau zu beobachten, der lebt nicht mehr irgendwie, sondern bewusst. Und nur bewusst können wir Verantwortung für unser Handeln übernehmen.

Mehr Informationen von Ekke, wie man seine Gedanken beobachten lernt, findest du auf
www.ekke-scholz.de/gedankenkarussell-stoppen/

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1 Kommentar

  1. Die Fähigkeit, deine Gedanken zu kontrollieren, ist sehr schwierig. Ich habe gelesen, dass eine Person ihre Aufmerksamkeit maximal 10 Sekunden lang auf einen Gedanken richten kann. Sie haben Recht. Wenn Sie lernen, Gedanken zu kontrollieren oder zumindest zu verfolgen, können Sie nicht nur Ihr Leben, sondern auch das Leben anderer verändern. Meditation ist eine großartige Möglichkeit, um zu lernen, wie man seine Gedanken verfolgt, und sie beruhigt das Nervensystem erheblich. Ich meditiere 5 Minuten am Tag. Nur 5 Minuten erhöhten meine Konzentration. Ich habe gelernt, äußere Reize zu ignorieren.

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