Lerne dich selbst zu lieben

„Selbstliebe, Selbstachtung, Selbstwert: Es gibt einen Grund, warum sie alle mit „Selbst“ beginnen. Du kannst sie bei niemandem sonst finden.“

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen:

Es war vor 20 Jahren und eine dieser Nächte. Ich war in einer belebten Wiener Bar, hatte Spaß und amüsierte mich. Bis ich eine Frau kennen lernte, und sie mich nach einer Weile fragte: „Und, was machst du so?“

Innerhalb weniger Sekunden verschwand meine lustige, fröhliche Seite und ein Mann voller Zweifel und Unsicherheit kam zum Vorschein. Die Wahrheit war… ich hatte keine Ahnung, was ich tat! Ich hatte gerade gekündigt und befand mich nun auf einer Reise, um herauszufinden, was ich im Leben wirklich tun wollte.

Bei dieser Frage fühlte ich mich nackt und bloßgestellt. Denn ich hatte keine Berufsbezeichnung. (Es sei denn, „Ich-weiß-nicht-was-ich-mit-meinem-Leben-tue“ funktioniert?) Ich hatte nichts, womit ich meinen Wert nach außen hin „beweisen“ konnte.

Ich war schon immer ziemlich selbstbewusst. Ich hatte nie ein Problem damit, „Ja“ zu sagen, z. B. Jobangebote im Ausland anzunehmen und mich auf anspruchsvolle Positionen und Projekte einzulassen. Natürlich hatte ich auch Momente des Zweifels, aber sogar wenn ich an mir selbst gezweifelt habe, habe ich immer Ja gesagt und auf die eine oder andere Weise eine Lösung gefunden.

Bis zu diesem Moment in der Bar hatte ich (natürlich unbewusst) meinen Wert durch meine Leistungen bewiesen. Ich hatte mich für jemanden gehalten, der sich selbst wertschätzt, unabhängig von der Berufsbezeichnung, dem Beziehungsstatus oder dem Stand des Bankkontos.

Aber als ich meinen Job verließ und andere äußere Dinge auseinanderfielen, sank auch mein Wert. Zumindest fühlte es sich so an.

Kurz gesagt, ich hatte Selbstvertrauen mit Selbstwertgefühl verwechselt. Ups!

Was ich damit meine, ist Folgendes:

Selbstvertrauen bedeutet, dass man sich selbst und seinen Fähigkeiten vertraut. Man kann zum Beispiel in einem Bereich selbstbewusst sein, wie beim Kochen, Tanzen oder Kommunizieren, aber in einem anderen Bereich unsicher sein, wie beim Tanzen oder bei öffentlichen Auftritten.

Beim Selbstwertgefühl hingegen geht es darum, wie man sich selbst sieht. Es geht darum, wie man seinen Wert einschätzt. Egal, was äußerlich passiert, behandelt man sich selbst mit Liebe, Sorgfalt und Respekt oder nicht?

Als Leistungssportler ist es leicht, sich selbst zu betrügen und zu glauben, man habe Selbstwertgefühl. Ich meine, solange man Leistung bringt und gut abschneidet, ist doch alles gut, oder?

Ja, bis man es nicht tut. Das ist der Moment, in dem die Scheiße den Ventilator trifft…

Als ich erkannte, dass ich mich aufgrund meiner äußeren Umstände als weniger wertvoll, cool und interessant ansah, beschloss ich, dass das nicht gut genug für mich war. Und es sollte auch für dich nicht gut genug sein, wenn du das liest. Wie man so schön sagt, werden die größten Pannen oft zu den größten Durchbrüchen.

Also habe ich mich an die Arbeit gemacht. Diesmal nicht, um meinen Wert zu beweisen, sondern indem ich mich in Selbstliebe übe. Und was ich dabei entdeckt habe, möchte ich nun mit euch teilen:

1. Konzentriere dich darauf, jemand zu sein, der liebt

Wenn du dich nicht selbst liebst, ist es schwer, zu jemanden zu werden, der es tut. So wie man Muskeln aufbaut, braucht auch die Selbstliebe beständiges Training.

Konzentriere dich darauf, jemand zu sein, der liebt. Das heißt, lasse so oft wie möglich Liebe durch dich fließen. Konzentriere dich darauf, was du an gewissen Menschen in deinem Umfeld liebst. Konzentrieren dich auf das, was du am Leben schätzt, während du z.B. einkaufen gehst, in einer Besprechung sitzt oder mit jemandem sprichst. Stelle deinen Körper auf positive Emotionen ein, indem du so viele Dinge wie möglich findest, die du liebst und schätzt.

2. Lasse dich darauf ein, wie es aussieht und sich anfühlt, geliebt zu werden

Es ist leicht, uns selbst gegenüber liebevoll zu sein, wenn die Dinge wie geplant laufen. Wenn wir Erfolg haben und die Menschen uns mögen. Nicht so sehr, wenn etwas schiefläuft, wir etwas vermasseln oder zurückgewiesen werden. Wenn wir am meisten zu kämpfen haben, sind wir in der Regel auch am strengsten zu uns selbst.

Frage dich in solchen Momenten, wie jemand, der dich sehr liebt, handeln würde. Was würde er sagen? Was würde er tun? Wie würden sie sich verhalten? Die Chancen stehen gut, dass du nicht kritisiert, verurteilet oder beschimpft wirst. Ich denke, man würde dir Freundlichkeit, Mitgefühl und Akzeptanz entgegenbringen. Wenn du nicht an eine bestimmte Person denken kannst, stelle dir vor, wie der liebevollste Mensch auf unserem Planeten zu dir sein würde. Und dann probiere dich selbst gegenüber dir so zu verhalten.

3. Mehr Selbstliebe, durch weniger vergleichen

Vergleiche sind ein Killer für die Selbstliebe. Und wir sind normalerweise nicht sehr rücksichtsvoll, wenn es um Vergleiche geht, oder? Stattdessen nehmen wir unsere größten Schwächen und vergleichen sie mit dem größten Erfolg eines anderen. Kurz gesagt, man ist zum Scheitern verurteilt.

Mache dir stattdessen klar, dass du dein Leben nicht mit dem eines anderen vergleichen kannst, denn egal wie gut du den anderen kennst, du wirst nie wissen, wie er sich fühlt oder wie er sein Leben wahrnimmt. Verwende stattdessen deine Zeit und Energie darauf, deinen Weg zu nähren und auszubauen.

4. Mache kleine Schritte, um das Leben zu erschaffen, nach dem du dich sehnst

Wünsche sind mächtig. Wenn du etwas unternimmst, um diese Träume zu verwirklichen, bedeutet das, dass du dich selbst ehrst und für dich sorgst. Indem du täglich etwas unternimmst, signalisierst du, dass du es wert bist, das Leben zu leben, das du dir wünschst.

Es müssen keine großen Taten sein – nur kleine und konsequente Schritte in die Richtung, die Freude, Fürsorge oder Zufriedenheit auslösen. Damit zeigst du, dass du deine Träume und damit dich selbst achtest und respektierst. Gab es jemals einen besseren Zeitpunkt als jetzt, um das zu tun?

5. Bitte dein inneres Führungssystem um Hilfe

Konzentriere dich darauf, wie dich deine Gefühle leiten. Wenn du dich gut fühlst, bedeutet das, dass deine Gedanken mit dem übereinstimmen, was deine Seele/dein inneres Ich über dich denkt. Wenn du dich schlecht fühlst, ist das ein Zeichen, dass du die Perspektive wechseln musst.

Wenn du einen Gedanken denkst wie „Ich bin [etwas, das du an dir nicht magst]“, wie fühlt sich das an? Wahrscheinlich nicht so gut, oder? Dann ist das ein Zeichen, einen anderen Gedanken zu denken. Versuche, diesen Gedanken durch etwas Netteres zu ersetzen. Zum Beispiel: „Ich bin so verloren und verwirrt“ kann durch „Ich tue mein Bestes, um vorwärtszukommen“ ersetzt werden.

Passend dazu:  Alles beginnt in deinem Kopf - Anleitung zum Positiv Denken

6. Umgebe dich mit Menschen, die dir guttun

Ja, das ist ein wirklich wichtiger Punkt! Vielleicht hast du schon einmal das berühmte Zitat gehört: „Du bist der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst.“ Denke darüber nach, wer diese Menschen derzeit sind. Inspirieren sie dich, unterstützen sie dich und wollen sie wirklich das Beste für dich?

Nur weil ihr befreundet seid, müsst ihr nicht zwangsläufig Zeit miteinander verbringen. Nur weil du dich temporär von jemandem trennst, heißt das nicht, dass ihr euch nicht wieder näherkommen werdet. Sei wählerisch, mit wem du deine Zeit verbringst – verschenke sie nicht aus Barmherzigkeit. Sei ehrlich zu dir und zu der anderen Person. Sei da, weil du es willst. Ansonsten lass es.

7. Sei mitfühlend, wenn die Kacke am Dampfen ist

So viele von uns (mich eingeschlossen) neigen dazu, sich selbst niederzuschlagen, wenn wir unsere Liebe am meisten brauchen. Wenn wir versagen oder etwas vermasseln oder wenn uns jemand zurückweist, dann machen wir uns oft noch mehr fertig. Jemanden zu schlagen, der am Boden liegt, klingt das fair? Ähm, nein.

Entscheide dich stattdessen dafür, liebevoll und vergebend mit dir selbst umzugehen, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant. Wenn du stolperst und fällst. Wenn du die falschen Dinge sagst. Wenn dich jemand zurückweist oder ein Projekt in deinem Leben scheitert. Frage dich, was du in diesem Moment brauchst, und dann beschäftige dich damit.

8. Schaffe Platz für Gewohnheiten die dir guttun

Jawohl! Fang an, dich wirklich um dich selbst zu kümmern, indem du das in dem widerspiegelst, was du isst, wie du dich bewegst und womit du deine Zeit verbringst. Tu etwas, nicht um es „zu erledigen oder weil du es musst“, sondern weil du dich ernsthaft um dich selbst kümmerst.

Du hast keine Lust, ins Fitnessstudio zu gehen? Dann gehe einfach spazieren und beobachte die Natur. Du hast keine Lust ein Buch zu lesen? Dann entspanne dich und höre dir einen guten Podcast an. Schaffe dir Gewohnheiten, die nicht nur geistig, sondern auch emotional gesund sind.

9. Gönn dir eine „sorgenfreie Zeit“

Bist du bereit für einen wirklich tollen Tipp? Wenn ja, dann freu dich. Eine sehr wirksame Technik, die ich vor kurzem entdeckt habe, nennt sich „die sorgenfreie Woche“. Überleg einmal, wie viel von deinen Sorgen tatsächlich nützlich sind. Sicher, ein kleiner Teil deiner Sorgen hat einen Sinn, denn sie geben uns einen kleinen Anstoß, wenn wir uns zusammenreißen und handeln müssen.

Aber ich schätze, dass 90 Prozent deiner Sorgen nutzlos sind. Wann immer dir diese 90% in den Sinn kommen, sag dir: „Danke, aber darum kümmere ich mich nächste Woche“. Indem du deinen Verstand sagst, dass du dich ein andermal damit befassen wirst (und auch sagst, wann), minimierst du das Nähren deiner negativen Gedanken, und verringerst so ihre Dynamik.

10. Akzeptiere das, was du nicht lieben kannst

Das war vielleicht der größte Wendepunkt für mich. Denn seien wir mal ehrlich: Es ist leicht, das zu lieben, was man an sich selbst liebt, und nicht so leicht, wenn es um die Dinge geht, die man nicht liebt. Anstatt sich also um diese ungeliebten Dinge zu bemühen, sollte man sich darauf konzentrieren, sie zu akzeptieren.

Eine Sache, mit der ich mich schwergetan habe, ist, dass ich manchmal ohne wirklichen Grund sehr nervös werden kann. Einfache Dinge, können sich plötzlich sehr schwierig anfühlen. Aber anstatt diese nervöse Seite von mir abzulehnen oder zu versuchen, sie zu lieben, habe ich mich entschieden, sie zu akzeptieren. Wenn so eine Situation eintritt, denke ich mir in etwa: „Es ist in Ordnung, ich kann nervös sein, wenn ich heute diesen Termin habe. Das ist nicht das Ende der Welt.“

Du musst nicht alles an dir lieben, um Selbstliebe zu entwickeln. Alles, was du brauchst, ist Akzeptanz. Wenn das nächste Mal etwas passiert, das dich dazu bringt, dich selbst zu kritisieren, dann sehe das als Übung an. Lerne das Leben so zu akzeptieren wie es ist.

„Sorge für die Welt, indem du dich um dich selbst kümmerst“

Das Leben ist voll von Höhen und Tiefen. Gesundheit kann in Krankheit übergehen. Erfolge können sich in Zusammenbrüche verwandeln. Romantische Liebe kann sich in Kälte verwandeln. Aber egal, was um dich herum passiert, du kannst immer an diesem inneren Fundament festhalten, das auf Selbstliebe beruht.

Selbstliebe ist kein Luxus. Sie ist in der heutigen Gesellschaft eine Notwendigkeit. Fang also an, einige der oben genannten Praktiken anzuwenden, und haben vor allem Mitgefühl mit dir selbst, wenn mal was schiefläuft. Bring dich dann einfach wieder auf Trab und fang von vorne an. Wie man so schön sagt: Übung macht den Meister.


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3 Kommentare

  1. Ein wunderbarer Artikel… Viele Punkte davon kenne ich und Teile davon habe ich intuitiv bereits begonnen… Aber es ist ein schwerer Schritt nach den ersten positiven Effekten nicht nachlässig zu werden… Selbstmotivation und Energiehaushaltung ist ein wichtiger Bereich… Den Ball ins Rollen bringen ist eine Hürde,aber das geht…. Aber ihn im rollen zu halten ist nicht leicht…

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