Wir verbringen in unserem Leben sehr viel Zeit damit, andere Menschen verändern zu wollen. Es ist schließlich so viel falsch mit ihnen: sie sind egoistisch, arrogant, neidisch, schwach, kaltherzig und so weiter. Wir versuchen, sie darauf hinzuweisen, und stoßen meist auf Widerstand, Ablehnung oder reine Gleichgültigkeit. Das kann sehr anstrengend sein. Warum nehmen die Menschen diese Lektion nicht an?

In unserem Verhalten neigen wir dazu, implizit zwischen zwei Dingen zu unterscheiden: andere Menschen dazu zu bringen, sich zu verändern – und uns selbst zu verändern. Wir wissen, dass wir uns vielleicht auf bestimmte Arten entwickeln müssen, aber meistens konzentrieren wir uns darauf, andere zu verändern. Wir machen eine Veränderung unseres eigenen Verhaltens abhängig von Entwicklungen anderer Menschen. Wir schwören, dass wir ruhiger werden, wenn sie ruhiger sind, dass wir vernünftiger sind, wenn sie endlich zur Vernunft kommen würden, etc.

Wir neigen jedoch dazu, eine wichtige Erkenntnis zu verpassen: Die der Vorbildwirkung. Das Ändern des eigenen Verhaltens gegenüber anderen kann der schnellste Weg sein, um zu ändern, wie andere sich dir gegenüber verhalten. Menschen neigen in einem bemerkenswerten Ausmaß dazu, Verhalten zu spiegeln. Wenn jemand in ihrem Umfeld aggressiv ist, werden auch sie oft aggressiv. Wenn jemand sanft ist, neigen sie dazu, selbst etwas weicher zu werden. Wenn jemand vernünftig handelt, wurde schon so manch leichtsinniger Mensch bekehrt.

Wir sind oft in der paradoxen Situation, eine Art von Verhalten zu vertreten, während wir etwas ganz anderes erreichen wollen. Wir können ziemlich zornig vorschlagen, dass sich jemand anderes beruhigt. Oder wir können schikanös von einer Person fordern, dass sie versuchen soll einfühlsamer zu sein.

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Im Grunde genommen wollen wir, und verdienen auch Sympathie. Es ist die Macht der Propaganda, der Beeinflussung, der Angst, die uns leicht von dem Verhalten, für das wir eintreten, wegführen kann. Die Macht, die Politiker so gerne nutzen. Aber dadurch kann man Menschen nur für eine gewisse Zeit unter Kontrolle halten, man schafft es nicht eine nachhaltige Veränderung herbeizuführen!

Das erinnert an ein sehr nützliches Sprichwort, welches oft fälschlicherweise Mahatma Gandhi zugeschrieben wird: “Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst”. Es birgt eine sehr wichtige Botschaft: “Wie sinnvoll es oft sein kann, das Belehren direkt aufzugeben, um zu versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen.”

Das hat einen großen Vorteil: Wir können uns selbst kontrollieren, während es außerordentlich schwierig ist, irgendeine direkte Kontrolle über andere auszuüben. Unsere Enttäuschung über andere Menschen sollte besser darauf gerichtet werden, Kontrolle über das zu haben, was wir zuverlässig beherrschen können: uns selbst.

Glaubhaft vorzuleben, dass wir bestimmte Tugenden aufweisen, hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, andere dazu zu inspirieren, uns nachzuahmen. Und selbst wenn der Wandel nicht unmittelbar bevorsteht, können wir zumindest stolz auf unsere Integrität sein, da wir wissen, dass wir bereits die Stärke und Würde haben, um die Veränderung zu werden, die wir selber sehen wollen.

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