Nicht Tatsachen, sondern Gedanken loslassen.

Wenn man sich in einer stressigen Situation befindet, gibt es die Option diese zu verändern oder man kann versuchen mit ihr umzugehen. Worin liegt dann aber der Unterschied?

Beim Loslassen handelt es sich um einen internen Zustand, den man verändern möchte. Eine Situation zu verändern würde bedeuten, die Verantwortung im Äußeren zu sehen. Also versuchen wir die äußeren Umstände – andere Menschen und Gegebenheiten – zu unserem Vorteil zu beeinflussen, anstatt die Situation so zu nehmen wie sie ist.

Es fühlt sich an, als wären die zwei Dinge völlig verschieden. Wenn man versucht die Situation zu ändern in der Hoffnung, dass man sich anschließend besser fühlt, hat man schlechte Karten und wird konstant Stress haben. Denn kaum eine Situation lässt sich wirklich unter Kontrolle bringen.

Der Energieaufwand ist enorm und ebenso die Unzufriedenheit. Selten macht uns das Leben den Gefallen und verändert sich zu unseren Gunsten. Oder wie ist es bei dir? Bist du in der glücklichen Situation, dass sich die Dinge zu deinem Glück verändern? Oder ist es eher so, dass du oft mit dem Leben haderst, weil es dir nicht das gibt, was du gern hättest?

Wie fühlt es sich für dich an, wenn du versuchst die Situationen und andere Menschen um dich herum zu ändern, damit es dir irgendwann einmal gut gehen könnte?

Ganz ehrlich. Wenn du dein Leben, deine Mitmenschen und deine Alltagssituationen ändern willst, wirst du immer wieder an einem Punkt ankommen, an dem alles Kampf ist. Am Ende deines Lebens wirst du dann zurückblicken und feststellen, dass dein Leben ein einziger Krampf war.

Veränderung beginnt bei dir

Wenn du möchtest, dass sich etwas in deinem Leben oder deiner Beziehung ändert, musst du dich zuerst selbst ändern. Alles beginnt im Kopf, weil unser Leben quasi dort beginnt. Die Gedanken, die wir haben, treiben uns an und lassen uns handeln.

Wir betrachten und beobachten die Welt um uns herum und bilden uns eine Meinung. Zum Beispiel sehen wir eine Socke auf dem Boden liegen und denken uns dabei nichts oder finden es einfach unordentlich. Entweder heben wir sie auf oder bereiten uns innerlich auf ein Gespräch mit dem Verursacher vor.

Wenn wir loslassen lernen wollen, müssen wir verstehen, dass die Ursache unseres Stresses nicht die Umwelt ist, in der wir leben, sondern unsere Einstellung. Unsere Gedanken über die Dinge und unsere Beurteilungen. Kurz: Unsere Glaubenssätze.

Viele Menschen, die loslassen wollen, glauben, dass sie eine Sache oder eine Person loslassen müssen. Wenn sie unglücklicherweise von ihrem Partner verlassen worden sind, dann wissen und spüren sie: „Ich muss ihn loslassen!“ oder „Ich muss all meine Verletzungen loslassen, um wieder glücklich zu werden!“

Doch wie lässt man nun jemanden oder oder wie lässt man Verletzungen los? Wie lässt man Erinnerungen an bestimmte Situationen aus unserer Vergangenheit los?

Die Schwierigkeit besteht darin, dass ein Mensch oder eine Situation mit vielen anderen Dingen verknüpft und verflochten sind. Viele Menschen wollen etwas verändern, doch versuchen sie gleichzeitig die geistigen wie emotionalen Stränge, die mit der Situation verbunden sind, festzuhalten.

Wenn man jemanden loslassen will, muss man gleichzeitig viele andere Dinge loszulassen. Und wenn man nicht erkennt, dass man nur die Gedanken an eine Person oder über bestimmte Situationen der Vergangenheit verändern kann, hat man fast schon verloren.

Ein Beispiel soll veranschaulichen, wie physische Tatsachen und Gedanken zusammenhängen, und warum wir keine Tatsachen loslassen können, aber Gedanken.

Passend dazu:  Man kann keine Gefühle verletzen!

Tatsachen und Gedanken

Ein kleiner Junge von ungefähr 10 Jahren bekommt von seiner Mutter als Strafe eine Backpfeife. Als Strafe, wieso auch immer. Mit dem brennenden Schmerz auf der Backe kommt ihm der Gedanke, dass seine Mutter ihn nicht liebt.

Am nächsten Tag tut die Wange nicht mehr weh, aber der Gedanke, dass seine Mutter ihn nicht liebt. Und dieser Satz tut auch noch am nächsten Tag weh, eine Woche später, einen Monat später und ein Jahr usw.

Das, was ihm wirklich weh ist, ist also nicht die Backpfeife selbst, sondern der Gedanke bzw. der Glaubenssatz: „Meine Mutter liebt mich nicht.“

Die Backpfeife kann er nicht loslassen, aber den Gedanken, dass ihn seine Mutter nicht liebt. Diesen Gedanken kann er überprüfen und dabei stellt er vielleicht fest, dass ihn seine Mutter doch liebt und dass es sie vielleicht selbst schmerzt, ihn damals bestraft zu haben.

Dieses Beispiel zeigt auch, warum der Satz von Erich Kästner so wahr ist: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit!“.

Wenn der Junge, der in diesem Beispiel beschrieben wird, seine Vergangenheit später nochmal betrachtet und erkennt, dass seine Mutter ihn doch geliebt hat und immer noch liebt, wird er endlich all die schönen Augenblicke mit ihr sehen, die er einfach nicht wahrhaben wollte.

Ist das wahr?

Ist es wirklich so, dass alles, was wir denken, dass all unsere Gedanken über die Welt wahr sind? Wenn wir loslassen wollen, müssen wir akzeptieren, dass unsere Gedanken zunächst einmal neutral sind. Sie besitzen weder eine positive noch eine negative Konnotation.

Sie werden relevant und bekommen Bedeutung, erst wenn wir sie für wahr oder für eine Wahrheit halten.

Wenn wir sie für wahr halten, überlegen wir auch, ob diese Gedanken (die wir für Tatsachen halten) positiv oder negativ sind. Sind sie negativ, fühlt es sich nach Stress an. Wir wollen sie loswerden.

Um den Unterschied zwischen einem neutralen Gedanken und einem wahren Gedanken zu illustrieren, nehme ich den Satz:

„Es gibt einen Gott.“

Das ist zunächst einmal nur ein Gedanke, den wir als Mensch denken können.

Jeder Mensch bewertet diesen Gedanken: Für manche ist er relevant, für andere stimmt er nicht. Für die einen ist er wahr, für die anderen unwahr.

Gedanken loslassen

Wenn ich dieses Beispiel in meinen Kursen oder Webinaren erläutere, gibt es immer wieder Leute, die sofort antworten und sagen: „Nein nein nein, das stimmt. Es gibt einen Gott“ Durch diese schnelle Reaktion zeigen sie vor allem, wie wichtig der Satz für sie ist. Sie geben ihm eine Bedeutung und halten ihn für wahr.

Aber im Grunde genommen unterscheiden sie nicht zwischen einem Gedanken und der Bedeutung, die sie ihm geben. Wer aber lernen will loszulassen, muss diese Unterscheidung treffen können.

Neutrale Gedanken/Erinnerungen sind schnell vergessen. Bedeutsame und „wahre“ Gedanken bleiben so lange in uns, bis wir sie überprüfen und bearbeiten, ob sie wirklich wahr sind.

Ekke über sich: „Den Sinn meines Lebens sehe ich darin, die Lücke zu füllen, die ohne mich nicht wäre. Diese Lücke öffnet und schließt sich täglich neu.“

Mehr von Ekke Scholz auf seiner Homepage.

Photo by PhotographyPerspektives/Canva


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