Als ich meinen kleinen Welpen aus dem Rudel abholen durfte, wusste ich nicht, welche Abenteuer auf uns warteten.

Ein Welpe zieht ein

Alles war vorbereitet auf dieses kleine Hundewesen. Die Wohnung entsprechend eingerichtet, Vorsichtsmaßnahmen getroffen und der Lehrplan stand auch schon fest.

Es konnte also nichts schief gehen.

Das erste befremdliche Gefühl beschlich mich, als er sich in seiner Reisebox bei mir im Auto befand. Ein leises Wimmern kam aus der Tasche und ich hatte keine Ahnung, wie ich ihn beruhigen sollte.

Das hatte ich weder in der Fachliteratur nachgelesen, noch in der Arbeit mit Tierschutzhunden gelernt.

Es war eine erst unruhige Nacht, aber es spielte sich alles ein.

Wie sich heraus stellte, war er ein kleiner wissbegieriger Kamerad, der schnell lernte und viel Spaß in seiner neuen Welt hatte.

Alles lief gut – bis zu unserem Umzug und dem Zusammentreffen von ein paar ungünstigen Faktoren: Das Einsetzen des Junghundealters und eine Futterunverträglichkeit.

Hund verstehen lernen

Es war ein Kreislauf: Die Hormone spielten verrückt und er fühlte sich unwohl, da er kaum Nahrung aufnehmen konnte.

Ich war „Dauergast“ beim Tierarzt und die restliche Zeit saß ich traurig neben meinem verstörten Hund, der sichtlich litt.

An normale Spaziergänge war nicht mehr zu denken. Entweder hatte er Koliken, oder es kamen uns Hunde entgegen, die ihn völlig aus dem Häuschen brachten.

Als er wieder etwas gesünder war, suchte ich einen Hundetrainer, da das „Problem“ Begegnung mit anderen Hunden nicht besser wurde.

Es waren auch nicht nur andere Hunde, sondern alles was sich schneller bewegte als er: Fahrradfahrer, Läufer und Kinderwägen.

Es war kaum möglich entspannt spazieren zu gehen. Man glaubt es nicht, welche Kraft so ein kleiner Kerl entwickeln kann, wenn er sich angegriffen fühlt.

Mensch-Hund – Beziehung stärken

Ich hatte dann bald einen Hundetrainer gefunden und wir absolvierten einen Kurs.

Natürlich gab es auch hier Herausforderungen, denn schließlich gab es auf der Hundewiese schnell laufende Hunde und der Hundetrainer durfte sich uns auch nicht nähern.

Deshalb vereinbarten wir Einzelstunden, um das „Problem“ genauer beobachten zu können.

Der Hundetrainer ließ mich im Park auf und ab gehen und wies mich an, meinen Hund anzusprechen. Der reagierte überhaupt nicht auf meine Stimme.

Und so hatten wir die Wurzel des Problems recht schnell entdeckt, was mir der Hundetrainer auch sofort mitteilte:

„Du hast überhaupt keine Beziehung zu deinem Hund.“

Ich guckte verständnislos vom Hundetrainer zu meinem Hund und wieder zurück.

Was meinte er mit Beziehung? Ich kümmerte mich doch den ganzen Tag um meinen Hund, versorgte und spielte mit ihm.

Erst nach einigen Übungsstunden verstand ich den Hintergrund.

Es ging nicht um das Abhaken von Checklisten, was Hund schon alles kann und was zu den täglichen Pflichten eines Hundemenschen gehört, sondern um ein soziales Miteinander.

Was zur Mensch-Hund-Beziehung gehört:

Die Spaziergänge so zu gestalten, dass sie interessant für den Hund sind, aber auch ich für ihn interessant bleibe.

Im Notfall auch interessanter als ein fremder Hund, der gerade unseren Weg kreuzt.

Wenn sich aber mein Hund in absolut keinem Fall an mir orientiert, hat er „gelernt“ alles mit sich ausmachen zu müssen, da ich offensichtlich weder Schutz, noch Alternative anbiete.

Passend dazu:  Wenn ein Hund dein Lehrer wäre (ein lustiges Gedankenspiel)

Mensch-Hund-Bindung vertiefen

Allein das Training von Sitz, Platz und Bleib reichte nicht aus.

Es musste richtige Beziehungsarbeit geleistet werden.

Passend dazu mein Blogartikel.

Ich bin heute davon überzeugt, dass eine gute, auf Vertrauen basierende Bindung zwischen Mensch & Hund nicht nur überlebensnotwendig für den Hund ist, sondern auch langwieriges Hundetraining ersetzt!

Denn bei einer richtigen Bindung erkenne ich als Hundemensch nicht nur sofort Konflikte, die mein Hund hat, sondern biete ihm auch eine Alternative, um in einer für ihn unsicheren Situation gut reagieren zu können.

Kein überflüssiges Bellen mehr, oder nerviges Ziehen an der Leine.

Also nicht nur die „Außenwirkung“ verbessert sich dadurch, sondern vor allem das Miteinander zwischen Mensch und Hund wird harmonischer.

Man versteht sich sozusagen blind, ohne große und vor allem ohne laute Worte.

Es ist möglich sich eventuell anbahnende Konflikte rechtzeitig zu erkennen, um so schlimmeres zu vermeiden.

Denn auch Hunde unter sich lösen Konflikte unterschiedlich.

Die einen ziehen sich zurück, andere Knurren, oder Bellen.

Bellen ist Kommunikation. Deshalb kein Drama daraus machen und statt dessen zügig umlenken, in dem man dem Hund eine Alternative anbietet.

Hundekommunikation lernen

Oft wird innerhalb Sekunden entschieden, ob Hunde sich mögen.

Da genügt ein kurzes Lefzen ziehen, oder ein Blick und alles ist entschieden.

Diese Art der Kommunikation bekommen wir als Mensch meist nicht mit. Erst das wirklich hörbare, wie zum Beispiel Knurren, oder Bellen.

Wenn dann das Gegenüber nicht versteht, ist die Eskalation vorprogrammiert.

Es liegt dann an uns, den Hund durch die Situation zu führen, mit der er vielleicht nicht umgehen kann.

Auch hier greift eine gute Beziehung zum Hund. Wenn ich nicht erkenne, dass mein Hund unsicher reagiert, verstehe ich auch sein darauf folgendes Verhalten nicht.

Also sich immer wieder auf Augenhöhe mit dem Hund begeben und die Dinge mit seinen Augen sehen.

Das ist nicht immer einfach, denn wir sprechen zwei unterschiedliche Sprachen und kommen aus unterschiedlichen Welten.

Manchmal hilft schon das Bewusstsein für diese Tatsache.

Es ist wie bei uns Menschen: Jeder hat eine andere Sichtweise, immer abhängig aus eigenen Erfahrungen und Sozialisierung.

Wie finde ich nun den richtigen Zugang zu meinem Hund?

4 Tipps um Konflikte zwischen Mensch & Hund zu erkennen und zu vermeiden:

1) Beobachten – einmal ohne Worte und Bewertungen den Hund beobachten.
Wie verhält er sich draußen und auch in der Wohnung:

Zieht er sich schnell zurück? Ist er schreckhaft? Ist er beim Spaziergang Typ „Einzelgänger“, der stundenlang herum schnuppern kann, oder eher immer auf der Suche nach anderen Hunden? Wandert er in der Wohnung unruhig hin und her? Läuft er ihnen kontinuierlich in jeden Raum nach, oder bleibt er für sich?

2) Natürliches Verhalten kennen lernen – Was macht ihr Hund gerne?
Spielt er gerne und wenn ja, was macht er am liebsten?

Gibt es Spielarten, die sie gemeinsam machen?
Wie könnte man die Beschäftigungsart in den täglichen Spaziergang mit einplanen?

3) Die individuellen Bedürfnisse des Hundes kennen lernen – Ist er ein eher unsicherer Hund und benötigt viel positiven Zuspruch in Form von Lob für Erfolgserlebnisse, die man gemeinsam mit ihm gestaltet.

Oder ein sehr aufgeregt/ nervöser Kandidat, dem Entspannungsübungen gut entgegen wirken.

Oder doch eher der „Lonesome Cowboy“, der gerne über die Felder zieht, immer auf der Suche nach Neuem. Dann lassen wir ihn an der langen Leine und bringen uns immer wieder, durch ein interessantes Spiel, in Erinnerung.

4) Rituale und Routinen – Beides vermittelt dem Hund Sicherheit und die Bindung zu seinem Mensch.

Routinen sind eine Abfolge von Handlungen, die meinem Hund zeigen, dass eine bestimmte Aktion nun ansteht.

Beispiel: Wenn ich zur Arbeit gehe und mein Hund bleibt zu Hause, vermittle ich durch dieses Ritual, dass er beruhigt zu Hause bleiben kann.

Denn wir müssen uns immer bewusst machen, dass in der Hundewelt ein Zurücklassen eine ganz andere Bedeutung hat!

Routinen und Rituale bedeutet nicht, dass sie immer zur gleichen Uhrzeit durchgeführt werden müssen.

Es muss lediglich für den Hund die Verknüpfung möglich sein, dass bei dem Ritual XY, die Situation AB eintritt.

Wenn das gut eingeübt ist, kann ich diese Routine zu jeder Zeit und an jedem Ort durchführen, ohne Probleme.

Alleine bleiben ist ein gutes Beispiel. Wenn ich zur Arbeit gehe, habe ich mit meinem Hund das Ritual, dass wir zunächst noch einmal spazieren gehen.

Dann bereite ich ihm verschiedene Spielzeuge, befüllt mit Futter, vor. Die verteile ich dann, kurz vor dem Verlassen der Wohnung, an unterschiedlichen Stellen.

Ich kann dann die Wohnung verlassen, ohne dass mein Hund mir folgt, oder aufgeregt bellt.

Das gleiche funktioniert am Urlaubsort, oder kurzfristigen Aufenthalten.

Das müssen auch keine großen Mengen an Futter sein. Einen Kong etwas mit Leberwurst ausstreichen, oder ein ähnliches Spielzeug mit Hüttenkäse befüllen.

Wie erkenne ich, dass überhaupt ein Konflikt in der Beziehung Mensch-Hund besteht?

  • Mein Hund reagiert nicht auf Zuruf
  • Mein Hund orientiert sich nicht an mir
  • Er nimmt keinen Blickkontakt zu mir auf

Häufig wird unser Einfluss auf den Hund unterschätzt.

Hunde spiegeln unser Verhalten.

Wenn wir hektisch durch die Straßen gehen gibt es zwei Reaktionen unseres Hundes:

Entweder er reagiert ebenfalls auf alles hektisch und gestresst, oder er lässt sich besonders viel Zeit, um zu signalisieren:

„Schalte mal einen Gang runter, dann geht alles einfacher.“

Wenn wir die bewusste Absicht ( = Intention) wählen, dass wir aufmerksam mit unserem Hund raus gehen, wird die Einstellung eine ganz andere sein, als wenn wir in „böser“ Vorahnung losgehen, was alles passieren könnte, oder was wir noch erledigen müssen.

Lieber einen kurzen achtsamen Spaziergang, als einen nervenaufreibenden, in die Länge gezogenen, Rundgang.

Die Realität, die wir mit unseren Gedanken schmieden, entsteht nur in unseren Gedanken.

Warum heute nicht einmal von der besten Version unseres Selbst ausgehen?

Zitat:„ Sein, was wir sind, und werden, was wir werden können, das ist das Ziel unseres Lebens.“ (Aristoteles)

Be balanced!

Eure Cornelia Braun

Die Autorin

Ich bin Cornelia Braun. Lifecoach & Hundefitnesstrainerin. Ich unterstütze Hundemenschen und ihre Hunde auf ihrem Weg zu einer harmonischen Beziehung und zu mehr mentaler & körperlicher Gesundheit

Mehr Informationen findest du auf meiner Seite: https://balancemithund.home.blog

 

Photo by Richard Brutyo on Unsplash


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