Die Corona-Pandemie wirft lange Schatten voraus. Viele Unternehmen werden sich neu erfinden müssen. Andere müssen schneller und adaptiver, wieder andere noch digitaler werden. Für all das braucht es originelle, mutige, unverbrauchte Initiativen – von Menschen, die als unkonventionelle Ideengeber fungieren.

Überall auf der Welt definieren Visionäre gerade das Mögliche neu. Vor allem die technologischen Innovateure sind wie auf Speed. Über alle Grenzen hinweg entwickeln sie Initiativen, die Ideen, Wissen und Können neu miteinander verknüpfen – und so unser Leben verbessern. Disruptiv kombinieren sie Technologien und vernetzen die virtuelle mit der realen Welt auf immer andere, neue, kühne, bahnbrechende Weise.

Neuerungen können aber nur dort entstehen, wo es den passenden Nährboden gibt: die Erlaubnis zum Widerspruch, eine ergebnisoffene Lernkultur und Freiraum zum Experimentieren. Zudem braucht es Menschen, die sich als Vorreiter und Pioniere mit Mut, Biss und Tatendrang ins Neuland wagen. Dort, wo noch niemand vor ihnen war, sehen sie vor allem die Chancen, weniger das Risiko und die Gefahr.

Solche Menschen werden Quer- und Weiterdenker oder bisweilen auch Game Changer und Organisationsrebellen genannt. Sie sind Wachrüttler, Kundschafter, Wegbereiter, Andersmacher, Vorwärtsbringer, Übermorgengestalter. Sie sprühen vor Ideen, wie man das, was in die Jahre gekommen ist, besser machen könnte, sollte und müsste. Sie sind Helfershelfer auf dem Weg in die Zukunft, Lotsen in die kommende Zeit.

Lässt dein Unternehmen das laterale Denken überhaupt zu?

Der Kognitionsforscher Edward de Bono hat schon vor Jahren die Begriffe des vertikalen und des lateralen Denkens geprägt. Das vertikale Denken ist typisch für pyramidal strukturierte Organisationen, auch Silo-Organisationen oder Old-School-Unternehmen genannt. Sie agieren Top-down: Oben wird gedacht, unten wird gemacht. Nach unten gehen Vorgaben, Anweisungen und Befehle, nach oben Berichte.

Das laterale Denken finden wir vor allem in jungen Unternehmen, auch New-School-Unternehmen genannt, in denen die Mitarbeiter ihr Wissen und Können quer, also über Abteilungsgrenzen hinweg, miteinander entwickeln. Ihr Handeln ist jenseits der Norm, um die Ecke, über den Tellerrand und „out of the box“. Solche „Lateral Thinker“, also interne Querdenker, werden in großen Konzernen oft Organisationsrebellen genannt.

Ausgeprägte Querdenker sind Generalisten. Neben ihrer eigentlichen Expertise haben sie weitreichende fachübergreifende Interessen, so dass sie ganzheitlicher handeln und deshalb vielseitig einsetzbar sind. Sie haben Kompetenzen in mehreren Arbeitsfeldern und denken in großen Zusammenhängen. Dort, wo ein Experte nur Ausschnitte sieht, bringen sie als interne „Brückenbauer“ das Beste aus vielen Bereichen zusammen.

Querdenken im Kleinen und Großen, sporadisch oder als Rolle

Ob man eher ein sporadischer oder quasi ein professioneller Querdenker ist, ist einerseits Einstellungssache und andererseits eine Frage des Typs. Also: Siehst Du dich als aktiver Gestalter – oder schlüpfst Du lieber in eine passive Rolle? Willst Du nur gelegentliche Veränderungsinitiativen starten? Oder traust Du dir, wie ein echter Game Changer, Großes zu? Wartest Du auf Gelegenheiten? Oder suchst Du dir diese gezielt?

Sporadische Querdenker gibt es in jedem Team und in jedem Unternehmensbereich. Sie wirken an vielen Stellen im Kleinen, ohne dass es groß auffällt. Doch manchmal geschieht quasi ein Wunder. Das, was in einer Ecke des Unternehmens beginnt, wird zu einer formidablen Bewegung. Solche Initiativen, die man zu den Graswurzel-Bewegungen zählt, und ihre Initiatoren sollte ein Unternehmen unbedingt schützen.

In fortschrittlichen Unternehmen werden professionelle Querdenker als Rolle definiert. Sie können gezielt in Innovations- und Transformationsprojekten mitarbeiten oder sich mit bislang ungelösten Aufgaben befassen. Mit ihrem queren Denken und Tun können sie zudem all die unterstützen, die normalerweise eher geradlinig handeln, damit deren Vorgehen mehr Pepp bekommt und außergewöhnlicher wird.

Hast Du Querdenker-Potenzial? Ein kleiner Schnelltest

„Den“ Querdenker, Game Changer und Organisationsrebellen gibt es nicht. Die mit ihnen verbundenen Persönlichkeitsmerkmale sind bei den Menschen unterschiedlich verteilt. Die jeweilige Ausprägung ist teils angeboren, teils kulturell geprägt und zudem kontextgebunden. Der jeweilige Grad lässt sich auf einer Skala verorten. Mit dem folgenden Test kannst Du ermitteln, ob Du das Zeug zum Querdenker hast.

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Und so geht’s: Bestimme anhand der Fragen zunächst selbst, wo Du dich jeweils siehst. Errechne aus den Einzelwerten dann den Mittelwert. Solche Elferskalen visualisieren einen gefühlten Zustand ziemlich präzise, ohne dass er lang und breit erklärt werden muss. Statt eines kategorischen Gut oder Schlecht werden Grauzonen sichtbar.

gering ausgeprägt – hoch ausgeprägt

Gehst Du überschaubare Risiken ein, wenn Du es für wichtig hältst?

Machst Du dir oft Gedanken, wie man etwas verbessern könnte?

Bist Du konfliktfähig – in einem konstruktiven Sinn?

Bist Du neugierig, wissensdurstig und jederzeit lernbereit?

Bist Du experimentierfreudig, was Neues betrifft?

Hast Du öfter unkonventionelle Ideen?

Hast Du Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen?

Bist Du bereit, für deine Überzeugung Nachteile in Kauf zu nehmen?

Hast Du persönliche Werte, die Du leidenschaftlich vertrittst?

Veränderst Du gern Dinge, auch wenn sie gut laufen und noch passen?

 

Sowohl Selbstbild als auch Fremdbild ermitteln

Nachdem Du die Selbstbewertung gemacht hast, wähle etwa fünf Personen aus, die eine Meinung über dich abgeben können. Entscheide dich für eine gute Mischung aus Fans, neutralen Personen und Kritikern. Je nach Situation können auch Kollegen, Mitarbeiter und unmittelbare Vorgesetzte dabei sein. Erläutere den Sinn und Zweck deiner Vorgehensweise und bitte um eine pointierte Bewertung auf der linken oder rechten Seite der Skala. Mittelwerte sind uninteressant, sie sagen rein gar nichts.

Weshalb eine Fremdbewertung wertvoll ist? Jeder Mensch hat Persönlichkeitsanteile, die sich der eigenen Wahrnehmung entziehen, von Dritten aber gut erkannt werden können. Diese aus welchen Gründen auch immer für einen selbst verborgenen Eigenheiten haben den Namen „blinde Flecken“ erhalten. Doch sie können sichtbar gemacht werden. Übergebe also denen, die dich bewerten sollen, ein Blatt mit den Fragen. Jeder soll seine Bewertung auf der Skala markieren und den Mittelwert bilden.

Und dann? Auch wenn es womöglich wehtut oder erschreckt: Ermittle die Abweichungen zwischen deiner eigenen Bewertung und derjenigen Dritter. Dort, wo dies möglich ist, kannst Du dein Umfeld nach Begründungen oder Erklärungen fragen – und auch um Hilfe bitten. Ein Dank an alle Beteiligten, verbunden mit dem Hinweis, dass Du Nützliches über dich gelernt hast, rundet das Vorgehen ab.

Das Buch zum Thema

Anne M. Schüller
Querdenker verzweifelt gesucht
Warum die Zukunft der Unternehmen
in den Händen unkonventioneller Ideengeber liegt

Mit einem Vorwort von Gunter Dueck
Gabal Verlag 2020, 240 Seiten, 29,90 Euro
ISBN: 978-3-86936-998-3

 

Die Autorin

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenzentrierte Unternehmensführung. Zu diesen Themen hält sie Impulsvorträge auf Veranstaltungen und Fachkongressen. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Vom Business-Netzwerk LinkedIn wurde sie zur Top-Voice 2017/2018 und vom Business-Netzwerk Xing zum Spitzenwriter 2018 gekürt. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager sowie zertifizierte Orbit-Organisationsentwickler aus. www.anneschueller.de

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