leere Bank am Friedhof

Hast du dir schon darüber Gedanken gemacht, was deine Definition von Leben ist? Hast du für dich schon die Sinnhaftigkeit deines Lebens erspürt und kannst du sie in Worte fassen?

Warum stehst du jeden Tag auf? Weil der Wecker klingelt, haha. Lach, nein, so oberflächlich möchte ich das bitte nicht betrachten, auch wenn es bei manchen Menschen den Tatsachen entspricht.

Im Laufe des Lebens sterben wir 1000 Tode. Doch wie wollen wir die Kraft, die Macht und das Privileg des Lebens erfahren und spüren, wenn der Blick zum Tod noch so von Widerstand und Angst geprägt ist?

Das Leben beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod, das nennt sich auch „Der Lauf des Lebens“. Leider habe ich manchmal das Gefühl, dass immer mehr Menschen Statisten in ihrem eigenen Leben sind. Jeder sollte die Hauptrolle im eigenen Leben füllen.

Die Auseinandersetzung mit der Sinnfrage des eigenen Lebens ist wichtig

Wer sich mit der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens auseinandersetzt, minimiert die Wahrscheinlichkeit, depressiv zu werden. Wer sich kein Gedanken über seinen Alltag macht, keinen Raum für sich selbst, die eigenen Gedanken, die innigsten Gefühle und die persönlichen Bedürfnisse findet und quasi im Alltag „funktioniert“, kann nicht erleben, wie sich Glücksmomente oder auch die Erfüllung anfühlt.

Die Klärung der Frage fördert auch die Widerstandsfähigkeit und trägt dazu bei, stabiler zu werden. Diese Eigenschaften sind also unverzichtbar, um sich seinen ganz persönlichen und bereichernden Lebensweg zu gestalten und nicht nur den Stimmen von anderen Menschen zu folgen.

Lebensziele können motivieren

Der Sinn des eigenen Lebens oder die persönliche Lebensaufgabe kann für das Innenleben quasi sowas wie der Smoothie für den Körper sein. Wer sich mit der Frage beschäftigt, hat die Chance zu fühlen, wofür sein ganz persönliches Feuer brennt. Die Umsetzung und Erfüllung der Lebensaufgabe kann zur ganz persönlichen To-do-Liste werden und uns eine Motivation sein, auch in schwierigen Lebensphasen.

Wer sich mit der Sinnfrage auseinandersetzt, kann anderen Menschen eine Inspiration oder auch ein Vorbild sein. Es können ungeahnte Kräfte hervorkommen, die uns über uns selbst hinauswachsen lassen.

Mir ist bewusst, dass der Tod am Tag X kommt, doch bis dahin möchte ich täglich aufs Neue versuchen, mit mir und dem Hier und Jetzt im Reinen zu sein. Dazu ist es auch nötig, Prioritäten zu setzen, was auch mal die Zeit mit mir selbst sein kann. Mein Tod hat in meinem Leben viel Raum, denn ich reflektiere sehr gerne auf den Tod.

Auf den Tod hin reflektieren ist Bereicherung pur

Ich kann nachvollziehen, dass viele Menschen den Tod als Feind ansehen, denn die Gesellschaft spricht nicht so wertschätzend und liebevoll von ihm, wie von einer Geburt. Doch Widerstand, Angst oder was auch immer… Eines ist und bleibt klar: Der Tod wird sicher kommen, nur der Tag ist unklar. Daher erachtete ich es als meine persönliche Lebensaufgabe, die beste Version meines Selbst in diesem Leben zu werden. Ich sehe den Tod als einen freundlichen und treuen Wegbegleiter, der mich ermutigt in mein Leben einzutauchen, zu erforschen und zu erleben. Ich will nicht nur existieren oder mein Leben überleben. Das ist mir nicht genug.

Das Geschenk des Lebens ist mir durch das Bewusstsein und die Akzeptanz des Todes viel klarer und es würde mir grauen, wenn ich an meinem Sterbebett ein „hätte ich doch…“ von mir geben würde. Das ist auch eine Motivation, im Hier und Jetzt zu leben und meine Bedürfnisse wahrzunehmen.

Passend dazu:  Besser Tränen als Entschuldigungen: Warum es okay ist, menschlich zu sein

Ich möchte nicht, dass Menschen aus vergangenen Lebensabschnitten in meinem Sterbeprozess als „Geister der Vergangenheit“ auftauchen. Ich möchte mit meinem Innersten im Frieden sein können. Zufrieden heißt für mich, dass ich alles, was ich beeinflussen kann, so gestalte, dass ich damit im Frieden bin.

Unabhängig in welchem Alter ich sterben werde, mein Geist und meine Seele durften mein ganzes Leben in meinem Tempel namens Körper leben. Da wird es sicherlich einen Abschiedsschmerz geben und auch die Trauer darüber darf ihren Raum bekommen.

Wir haben in unserer Gesellschaft immer noch zahlreiche Menschen, die den Krieg, Zerstörung und andere erschütternde Erfahrungen überlebt haben. Ebenso wie Momente der Freude, der Leichtigkeit und anderen Gefühlen, die wir gerne in unserem Leben haben. Beides darf sein. Doch beides ist nur dort möglich, wo wirklich hingesehen und nachgespürt wird.

Werte können den Rahmen bilden

Mir persönlich sind Werte sehr wichtig, denn sie bilden für mich den Rahmen.  Ein Rahmen kann Halt geben, egal ob für das zwischenmenschliche Miteinander oder für einen selbst. Deshalb ist mir so wichtig, dass meine Freunde, meine Familie und auch Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe, meine Grundwerte kennen.

Es mag Mut erfordern, Dinge immer sofort anzusprechen und zu klären. Doch wenn ich den Mut einer verpassten Chance durch den Tod gegenüberstelle, dann sind ich und mein Gegenüber es wert, die Klarheit zu leben und mutig zu sein. Denn im Hier und Jetzt leben ist auch einer meiner Werte und daher ist es auch dem einzelnen Tag gegenüber nicht fair, Themen mitzuschleppen und neue Tage mit Altlasten zu belasten.

Natürlich gibt es auch Themen und Gedanken, die erstmal einen Raum zum Reifen benötigen. Manchmal dauert es auch, bis die Worte gefunden werden, doch dann ist der Zeitpunkt da und Handlung ist gefragt.

Ja, es gibt auch Menschen, mit denen reden keinen Sinn macht und Lebenszeit verschwenden würde. Doch da sollte sich dann jeder die innere Klärung wert sein, damit die Vergebung eingeladen werden kann. Nicht für das Gegenüber, sondern für einen selbst, um den inneren Frieden wieder Raum zu geben.

Der Friedhof kann ein Kraftplatz sein

Wenn ich richtig große Krisen habe, hart mit mir ins Gericht gehe und mein Urvertrauen sich hinter den Gedankenwolken versteckt, spätestens dann ist es Zeit für mich, um auf den Friedhof zu gehen.

Ich betrete das Friedhofsgelände und spüre eine tiefe Ruhe und während ich zwischen den Gräbern spaziere, auf der Suche nach einem einladenden Bänkchen bin, beginne ich schon die Leichtigkeit zu spüren, denn ich habe immerhin die Möglichkeit der Wahl. Ich kann mir einen Weg und eine Bank wählen, weil ich im Leben bin und mein Leben mitgestalten darf und kann.

Möge dir „nur existieren“ nicht genug sein. Mögest  du die Augen für die Fülle in deinem Leben öffnen. Möge dich das Gefühl des Urvertrauens durchströmen. Möge dir das Geschenk des Lebens bewusst sein. Mögest du die Schönheit des Lebens erkennen und die Dankbarkeit fühlen.

Die Autorin

Jessica Ehrlicher

Ich bin Jessica Ehrlicher und unterstütze Menschen dabei sich selbst zu begegnen und kennenzulernen. Die Begleitung, Beratung und Coaching für kleine und große Menschen erfüllt mein Leben.

Mehr Informationen über mich und was ich so mache, findest du auf meiner Seite: https://www.jessica-ehrlicher.de

 

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