Vielleicht denken sie nun, schon wieder jemand, der mit dem Thema Stress, stresst.

Ich finde, es lohnt sich immer über Stress zu reden. Stress ist nach wie vor ein Gesellschaftsphänomen. Stress und Burn-out kosten die Krankenkassen jedes Jahr Unsummen an Leistungen. Hinter diesen Unsummen verstecken sich menschliche Schicksale. Stress und Burn-out können im wahrsten Sinne des Wortes tödlich sein.

Deshalb können wir nicht genügend darüber reden. Reden über die Entstehung, die Vorbeugung aber auch der Bewältigung des Phänomens Stress.

Ich möchte in diesem Beitrag auf den Wirkmechanismus von Stress eingehen

Meine Klienten berichten mir oft, dass Sie im Stress sind. Sie fühlen sich in Bezug auf Ihre Aufgaben überfordert. Einige von Ihnen erleben sogar den Urlaub als Anspannung und Erschöpfung. Ja, es gibt auch welche unter Ihnen, bei denen ist Stress gewissermaßen ein Statussymbol. Sie werden gebraucht, ohne sie geht nichts.

Niemand ist von diesem Phänomen gefeilt, es betrifft Manager, Angestellte, Hausfrauen und andere gleichermaßen. Aber wieso, der Manager und der Angestellte haben doch eine viel größere Verantwortung als etwa die Hausfrau. Wer so denkt, unterliegt dem Schubladendenken und hat diesbezüglich Vorurteile.

Stress hat nichts mit Positionen zu tun. Stress entsteht, wenn wir aus dem Gleichgewicht geraten, wenn die selbstregulierenden Feedbackschleifen unser Gleichgewicht, die Stabilität unseres Systems durcheinander bringen. Der Fachbegriff hierfür ist Homöostase.

„Solange wir also einen Ausgleich zwischen Spannung und Entspannung haben, verspüren wir keinen Stress.“

Natürlich gibt es diesbezüglich eine Schwankungstoleranz. Aber, wenn wir uns überfordert oder die Herausforderungen an uns enorm sind, wir uns dadurch gereizt und ängstlich fühlen, dann ist ein Zustand der Abweichung der Homöostase erreicht.

Aus biologischer Sicht bezeichnet der Stressbegriff einen psychophysischen Zustand, bei dem Abweichungen von der Homöostase vorliegen. Diese Abweichungen können durch die verfügbaren routinemäßigen Reaktionen nicht mehr kompensiert werden. Wir Menschen streben danach, einen Ausgleich zwischen Spannung und Entspannung aufrechtzuerhalten.

Die verfügbaren routinemäßigen Reaktionen versuchen Sollwerte unseres physiologischen Systems durch ständiges Anpassen einzuhalten. Unser Körper verfügt über raffinierte Systeme (endokrine und autonom nervöser), Regelkreise und Steuerungsvorgänge anzugleichen und den Ist-Zustand mit dem Sollzustand zu vergleichen.

Zwischen dem Ist-Zustand und dem Sollzustand kommt es zu einer Schwingungstoleranz, das bedeutet, dass Schwankungen beider Zustände völlig normal sind. Solange die Lebensbedingungen und Lebensumstände konstant bleiben, funktioniert die Homöostatische Selbstregulation.

Jedoch sind wir alltäglichen Belastungen ausgesetzt. Sei es durch die Erfüllung von Aufgaben oder psychosozialen Konflikten. Die Überflutung mit Informationen, die ständige Erreichbarkeit durch soziale Medien, sorgen dafür, dass unsere Selbstregulation aus den Fugen gerät.

„Auch unsere Gedanken, welche sich immer wieder aufdrängen, können eine Belastung darstellen.“

Die genannten Belastungen haben alle einen Impakt auf unseren Körper. Dieser reagiert auf Belastungen unter anderem durch, die Aktivierung und Durchblutung des Gehirns. Atembeschleunigung, erhöhte Muskelspannung. Energie in Form von Zucker wird bereitgestellt. Erhöhter Blutdruck, die Herzfrequenz steigt, die Schmerztoleranz sinkt, wir schwitzen. Unser Körper ist alarmiert.

Stressreaktionen sind gewissermaßen ein Bereitstellungsbefehl zum Kampf oder Flucht (Fight or Flight). Das Modell von Kampf und Flucht wurde erweitert um die Aspekte (Tend and Befriend), diese stellen soziale Motive in den Vordergrund: die Sorge um Nachwuchs (Tend) und den Aufbau eines sozialen Netzwerkes (Befriend).

Gert Kaluza, bezeichnet die oben genannten alltäglichen Belastungen als Stressoren, die körperlichen Reaktionen als Stressreaktionen.

Eine dritte Komponente nennt Kaluza: Unsere Persönliche Stressverstärker.

Passend dazu:  9 Anti-Stress-Therapie-Tipps - So reduzierst du Stress in nur wenigen Minuten

Persönliche Stressverstärker sind unter anderem:

Ungeduld, Perfektionismus, Einzelkämpfertum, Kontrollstreben, Selbstüberforderung. Sie beruhen auf unseren Sichtweisen, unseren Normen, Werten und unseren Bewertungen, welche den Stress verstärken.

Die drei Ebenen des Stressgeschehens

Stressoren: Ich gerate in Stress, wenn…
• Leistungsanforderung,
• zu viel Arbeit,
• Soziale Konflikte,
• Zeitdruck,
• Störungen.

Persönlichen Stressverstärker: Ich setze mich unter Stress, wenn…
• Ungeduld,
• Perfektionismus,
• Kontrollstreben,
• Einzelkämpfertum,
• Selbstüberforderung.

Stressreaktion: Wenn ich gestresst bin, dann…
• Körperliche Aktivierung,
• Emotionale Aktivierung,
• Mentale Aktivierung,
• Verhaltens-Aktivierung.
(Stressampel nach Gert Kaluza)

Abschließend, möchte ich auf das Transaktionale Stressmodell eingehen.

Dieses Model verdeutlicht uns, wie wir eine Situation bewerten.

Situation: Ich möchte einen Blog schreiben.

Erste Einschätzung der Situation (Situationale Bewertung).

Irrelevant:
• Ich schreibe einen Blog, ob der perfekt ist oder nicht und ob der von vielen gelesen wird, ist für mich nicht von Bedeutung.
Stressbezogen:
• Bedrohung: „Wenn ich das nicht schaffe, bin ich vielleicht doch nicht so gut, wie ich dachte“.
• Schaden / Verlust: „Ich werde mich mit meinem Geschreibe bestimmt blamieren“.
• Herausforderung: „Es ist zwar anstrengen und nimmt viel Zeit in Anspruch. Manchmal ist es echt frustrierend. Doch je mehr ich schreibe, desto leichter fällt es mir“.
Positiv/günstig:
• Schreiben macht echt Spaß.
Einschätzung der eigenen Kompetenzen (Kompetenzbewertung).

„Ich glaube, einen Blog zu schreiben, fällt mir sehr leicht. Ich beherrsche die Sprache sehr gut und verstehe eine Menge von dem Fach, über das ich schreibe“.

„Das ist so anstrengend, dauernd muss ich etwas Unbekanntes recherchieren. Tippen kann ich ohnehin nur mit zwei Finger“. (Quelle: eigene Darstellung, nach Kaluza 2013, S44)

„Wir werden unser ganzes Leben Stressoren ausgesetzt sein. Werden körperliche Reaktionen verspüren. Die Stressverstärker allerdings können wir uns bewusst machen und durch unsere Bewertungen verändern. Diese Veränderung werden auch einen Impakt auf unsere Stressreaktionen haben.“

Bereits vor 2000 Jahren wussten die Stoiker von der Bedeutung einer Bewertung:

„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinung, die wir von den Dingen haben“
Epiktet

Wenn sie mehr über Stress, Ihre Entstehung und Bewältigung erfahren wollen, lade ich sie hiermit sehr herzlich zu meinem Blog: www.germain-kirsch-blog.com ein.

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„Immer locker bleiben“.

Herzlichst Ihr

Germain Kirsch


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