Ich habe immer zu meinem Vater aufgeschaut. Er ist ein großartiger Vater und einer jener Menschen, die meistens das Richtige zu sagen wissen. Im Laufe der Jahre hat er mir “Weisheiten” über alles mögliche erteilt, von der Geschäftswelt über Beziehungen, Eltern sein bis hin zur Entscheidungsfindung. Es gibt jedoch einen Ratschlag, auf den ich mich am meisten verlasse:

“Gib jeden Tag dein Bestes”

Ich kann euch nicht sagen, wie oft ich meinen Vater wegen etwas genervt habe, das mich verunsichert hat. Wegen eines Testergebnisses, wegen einer Entscheidung die ich getroffen habe, oder, etwas anderem das mich wieder einmal “mich selbst” hinterfragen lies. Und mein Vater antwortet erwartungsgemäß mit einer Frage.

“Hast du dein Bestes gegeben?”

Ja.

“Das ist alles, was du tun kannst”, sagte er. “Du kannst nicht kontrollieren, was dann passiert”.

Das ist es? Einfach, oder? Aber wenn du wirklich aufhörst, über “das Danach” nachzudenken, hat dieser vermeintlich einfache Ratschlag die Kraft, dir zu helfen, glücklicher, erfüllter und noch erfolgreicher zu sein.

Aber wie?

1. Wenn du jeden Tag dein Bestes gibst, fühlst du dich besser

Du kannst eigentlich ab jetzt beruhigt sein, da du weisst, dass du alles getan hast was du konntest. Dass du nichts bereuen musst, dich nicht schlecht oder schuldig fühlen musst. Wenn du dein Bestes gibst und dich dann jemand kritisiert oder nicht mag, was du getan hast, und dir das sagt, oder dir sogar das Leben schwer macht, ist es einfacher für dich, wenn du in deinem Herzen weißt, dass du das Beste getan hast, was du kannst. Darin liegt viel Frieden.

Außerdem, wenn du dein Bestes gegeben hast, und es funktioniert nicht so, wie du es erwartet hast, kannst du trotzdem mit dir im reinen sein, denn du hast vorerst einmal alles gegeben. Die Analyse deiner Leistung, um aus deinem Ergebnis zu lernen und dich weiterzuentwickeln ist ein anderes Thema.

Diese Dinge sind immer noch wichtig für unser Wachstum und unsere Entwicklung. Aber wenn du gerade dein Bestes gegeben habst, gibt es nichts mehr zu tun. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern, du kannst sie nur deine Zukunft beeinflussen lassen.

2. Wenn du jeden Tag dein Bestes gibst, erreichst du mehr

Das macht Sinn, oder? Tu dein Bestes, und es passiert Gutes. Sei mittelmäßig, und es passiert weniger.

Mein Vater erzählte mir eine Geschichte von meinem Großvater. Während der Wirtschaftskrise in den 30iger Jahren arbeiteten er und drei seiner Freunde für eine große Fabrik in der Steiermark. Gegen Ende des Sommers hatten sie keine Aufträge mehr. Also haben sie die Jungs gebeten, Fenster zu putzen.

Mein Großvater reinigte jeden Tag die Fenster als ob es seine eigenen wären, tat sein Bestes und arbeitete hart. Die anderen drei Jungen beklagten sich darüber, dass es keine andere Arbeit gab, waren frustriert und beschlossen, die Fenster langsamer zu putzen, damit die Arbeit den Rest des Sommers anhalten würde. Sie beschwerten sich bei meinem Opa, dass er langsamer arbeiten soll.

Aber mein Großvater machte mit dem selben Eifer weiter, dachte, wenn er mit den Fenstern fertig sei, würden sie einen anderen Job für ihn finden. Dabei ging es ihm nicht nur um die harte Arbeit, sondern darum, unabhängig von den Umständen seine beste Arbeit zu leisten.

Im folgenden Sommer reisten wieder alle in die Steiermark, um sich für eine Arbeit zu bewerben. Rate mal, was passiert ist? Genau, die drei Typen, die langsamer waren, wurden nicht eingestellt. Aber mein Großvater bekam einen Job. Sein Arbeitseifer hatte den Chef der Fabrik nachhaltig geprägt.

Passend dazu:  Kein Terror am Arbeitsplatz - So kann man „Mobbing" entgegenwirken

Also warum nicht immer dein Bestes tun? Es kostet dich nichts mehr. Vermutlich benötigt es sogar weniger Zeit und Energie, als nach einer “Energiesparvariante” zu suchen. Seien wir ehrlich, wenn du nicht dein Bestes gibst, fühlt es sich nur halb so gut an. Natürlich, denn du kannst eventuell andere täuschen, aber niemals dich selbst!

Außerdem verschwendest du nur deine Zeit und Energie, und das Geld und die Ressourcen anderer.

Es spielt keine Rolle, wie viel man dir zahlt, oder wie wichtig der Job oder die Person ist. Du kannst dein Bestes jeden Tag tun, unabhängig von den Umständen. Natürlich meine ich damit nicht, einen Job zu tun, den du hasst, oder sogar gefährlich ist. In diesen Fällen ist es normalerweise die bessere Option, nach etwas anderem zu suchen.

3. Wenn du jeden Tag dein Bestes gibst, siehst du die Welt mit anderen Augen

Wenn du jeden Tag dein Bestes gibst, beginnst du dann zu glauben, dass andere auch alles geben? Dies ist eine Form von kognitiver Voreingenommenheit, in der wir Dinge sehen, die unsere eigenen bestehenden Meinungen bestätigen.

Ich mag den Gedanken, zu glauben, dass wir alle jeden Tag unser Bestes tun. Das Beste, was wir können mit dem, was uns zur Verfügung steht – in diesem Moment, in dieser Situation, mit unserem Portfolio an Fähigkeiten und Wissen.

Manchmal haben wir die Fähigkeiten oder Strategien, um etwas besser zu handhaben, und an manchen Tagen ist unser Bestes nicht so gut wie am Tag zuvor. Das ist ok. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass du gerade das Beste machst, was du kannst.

Wenn du die Welt durch diese Linse betrachtest, erkennst du, dass in den meisten Fällen wahrscheinlich auch alle anderen ihr Bestes geben. Wenn dir also dieser Kollege keine E-Mails beantwortet, solltest du nicht gleich annehmen, dass er ein inkompetenter Idiot ist.

Denke vielleicht zweimal darüber nach. Vielleicht ist er gerade dabei, mehr Informationen zu sammeln, damit er dir seine beste Antwort abliefern kann.

Woher weißt du, dass du dein Bestes getan hast?

Es ist entscheidend, wie du dein Bestes beurteilst. Manchmal werden Ergebnisse erzielt. Ich lief heute 20 Minuten, morgen kann ich 25 laufen. Dann der Check: “Habe ich mein Bestes gegeben? Ja wirklich?”

Zu erkennen, wann du dein Bestes gegeben hast (und wann nicht), gibt dir die Freiheit, dich auf das zu konzentrieren, was du beim nächsten Mal verbessern oder ändern kannst, und hindert dich daran, wertvolle Zeit, Energie und Ressourcen zu verschwenden. Die Vergangenheit kannst du nicht kontrollieren oder ändern.

Wir alle lernen, wachsen und entwickeln uns. Jeden Tag. So ist das Leben. Und meine Erfahrung mit Kunden und Freunden ist, dass wir uns dabei sehr schwer tun.

Also, ob du über einen Fehler nachdenkst, oder dir wünschst, du könntest etwas ändern, was bereits geschehen ist, oder dir Sorgen machst, was passieren könnte … Stelle dir diese Frage:  Habe ich mein Bestes gegeben?

Wenn die Antwort ein klares “JA” ist. Gib dir selbst die Erlaubnis loszulassen, gehe weiter und nutze deine Zeit und Energie um dich zu deiner nächsten Aufgabe zu widmen, wissend, dass du das Beste getan hast, was du konntest. Schließlich sagt mein Vater:

“Das ist alles, was du tun kannst. Du kannst nicht kontrollieren, was dann passiert”.

(Foto: Yuganov Konstantin/shutterstock.com)

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