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Er hat es wieder geschafft: Der Hund wurde ein weiteres Mal zu Österreichs beliebtestem Haustier erklärt, nachdem er lange Jahre einen zweiten Platz nach der Katze innehatte. Aber, das scheint bei solchen Umfragen auch immer wieder durch: Viele Menschen wünschen sich nur einen Hund, sie besitzen keinen. Meist ist das Arbeitsleben Schuld, denn acht oder mehr Stunden alleine bleiben, dass kann kein tierlieber Mensch dem anhänglichen Vierbeiner antun wollen. Doch wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss es doch umgekehrt gehen? Also kommt der Hund mit auf die Arbeit. Dabei muss man allerdings mehr bedenken, als Decke und Fressnapf. Auf den folgenden Zeilen liest Du, was genau.

Die Sache mit dem Recht

Kollege Wauwau soll also ganz selbstverständlich mitkommen und mit Herrchen oder Frauchen den Arbeitstag überstehen. Da gehört natürlich der erste Blick in Richtung Recht – das aber zeigt einem die kalte Schulter, denn vom Arbeitsplatz ist darin keine Rede. Kein Wunder, denn Bürohunde sind in Österreich eine rechtliche Grauzone. Das klingt aber nur auf den ersten Blick negativ, denn das bedeutet auch, dass es keine rechtlichen Einwände gibt.

Damit wird aber der Chef zum Ansprechpartner für das „Projekt Hundekollege“. Dort aber sollte man sich vorsichtig bewegen, denn ein guter Vorgesetzter wird über eine solche Idee nicht voreilig den Stab brechen. Wenn er zu einem Ja sagt, muss er es der Fairness halber bei allen tun – schließlich ist Gleichbehandlung die erste Vorgesetztenpflicht.
Bevor Du mit deinem Anliegen zum Vorgesetzten gehst, solltest Du demnach einen Strauß an guten Argumenten gesammelt haben – und auch die Kollegenschaft hinter dir wissen.

Die Kollegen

Die lieben Kollegen. Sie sind es im Endeffekt, die tagtäglich den Hund ebenso dicht um sich herumhaben, wie Du. Genau deshalb muss auch hier die allererste Anfrage starten, lange bevor Du dir beim Chef einen Termin geben lässt.

Keine Sorge, die allermeisten Menschen finden Hunde am Arbeitsplatz klasse. Du kannst also davon ausgehen, dass deine Kollegen der Sache zumindest mal nicht grundsätzlich negativ gegenüberstehen. Und dann muss Du nur noch die richtigen Karten ausspielen. Erzähle ihnen, wie gerne Du einen Hund hättest, dass das aber der Arbeit wegen nicht geht. Und wenn dann Empathie herrscht, kannst Du den Hund aus dem Sack lassen und sie fragen, ob sie sich grundsätzlich vorstellen könnten…

Nachteil Großraumbüro, denn wo alle in einem Raum sitzen, werden Menschen, die zu den Vierbeinern kein gutes Verhältnis haben, die stärkeren Argumente auf ihrer Seite haben, als wenn Du dich mit Bello allein im Büro einschließen kannst. Angst vor Hunden ist zwar nicht immer rational, sollte von dir aber als vollwertiges Argument angesehen werden. Und schließlich gibt es ja auch noch Menschen, die schlicht allergisch auf Tierhaare sind.

Gute Argumente

Natürlich, für dich als Hundebesitzer ist es schon ein gutes Argument, dass dein Bello nicht mehr zuhause oder beim Nachbarn auf dich warten muss. Für Kollegen und vor allem den Chef wird das jedoch nicht ausreichen. Da musst Du schwereres Argument-Geschütz auffahren und ihnen echte Vorteile servieren:

  • Mehrere Studien brachten hervor, dass Bürohunde nicht nur den Stress ihres Herrchens auf der Arbeit reduzierten, sondern tatsächlich den des gesamten Teams. Die Leute haben einen Grund, sich auf die Arbeit zu freuen und die Produktivität steigt deutlich. Das liegt am Hormon Oxytocin, das beim Kontakt mit Hunden ausgeschüttet wird und unter anderem beruhigend wirkt.
  • Hunde sind gut fürs Firmenimage. Viele Menschen lieben Tiere. Und wenn ein kuscheliger Hund sie freudig anschaut, wenn sie die Firma betreten, wird dieser Gute-Laune-Faktor auf das Ansehen des Unternehmens übertragen.
  • Hunde sind ein Schutzfaktor. Je nach Rasse können sie ziemlich respekteinflößend wirken und hemmen so nicht nur echte Kriminelle wie beispielsweise Diebe, sondern auch Kunden, die sich und ihren Ärger nicht im Griff haben.
  • Die meisten Wauwaus schlafen mehr als 15 Stunden täglich und liegen eh nur unter dem Schreibtisch. Man muss sich also kaum Gedanken machen, dass der Doggo durch die Firma streift, weil ihm langweilig ist.

Wichtige Bedingungen

Kein Kollege hat Einwände, die Sekretärin vom Chef hat dir gesteckt, dass er Vierbeiner mag. Es wird also Zeit, ihn zu fragen. Dabei solltest Du nüchtern und sachlich argumentieren. Biete eine Hunde-Probezeit an, in der dein Vierbeiner zeigen kann, dass er tatsächlich den Betriebsfrieden nicht stört. Lass dir die Erlaubnis schriftlich geben, denn so wie Du keine rechtliche Handhabe für den Hund hast, kann der Chef dir die Erlaubnis im Zweifelsfall auch wieder entziehen – allerdings nur dann, wenn Du kein Papier vorweisen kannst, auf dem ihr euch nicht beide auf verbindliche Regeln geeinigt habt.

Zudem müssen genau drei Dinge sichergestellt sein, die ein absolutes No-Go sind (von Beißen und Knurren wollen wir hier gar nicht erst anfangen):

  • Stelle sicher, dass der Hund niemanden anspringt. Wenn er das tut, musst Du ihm diese Unart erst wegerziehen. Das geht, indem Du den springenden Hund konsequent ignorierst und ihn nicht wegschiebst oder gar streichelst. Signalisiere auch den Kollegen, dass sie diese freudige Geste genauso quittieren müssen, dann wird der Hund von ganz alleine damit aufhören.
  • Der Hund darf nicht bellen, wenn andere Menschen in seine Nähe oder auch nur in die Firma hineinkommen. Auch das lässt sich trainieren, schon indem der Hund vor der Arbeit durch einen Spaziergang ausgepowert wird und währenddessen beschäftigt ist.
    Dein Hund muss keine Kunststückchen ausführen können, aber „Sitz“, „Bei Fuß“ und „Platz“ sollten in jeder Situation absolut wasserdichte Kommandos sein. Um das zu erzielen, hilft nur der klassische Trick: Training und Belohnung, Belohnung und Training.
  • Natürlich wird niemand erwarten, dass direkt an den ersten Tagen alles perfekt läuft. Aber wenn deine Kollegen und der Chef sehen, dass dein Hund kein unkontrollierbarer Chaot ist, der ohne jedes Gehorsam durch die Firma läuft, Unterlagen zerkaut und Kunden anbellt, solltet Ihr beide dieses Ziel auch erreichen können.
Zum Thema:  Selbstmanagement – sortiere dein Leben, sortiere dich selbst

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Und jetzt verraten wir dir ein paar Tricks, damit dein Hund schon während der Probezeit richtig punkten kann. Manche würden es Schummeln nennen, wir nennen es Vorbereitung.

Kleinere Hunde sind besser geeignet für das Büro

In der Woche vor der Probezeit nimmst Du dir zwei, drei Tage frei. An denen kommst Du mit dem Hund immer wieder in der Mittagspause für ein paar Minuten in die Firma, damit dein Hund diese vollkommen neue Umgebung schon mal betrachten kann. Gehe dabei ruhig (natürlich mit Leine) durch die Büros und lass ihn an allem schnüffeln und auch deine Kollegen mal live sehen, welcher Kaltschnauze sie da ihr Einverständnis gegeben haben. Das macht die Sache an seinem großen Tag weniger aufregend.

Abends übst Du dann mit dem Hund ein intensives Boxentraining. Warum? Ganz einfach: Die Box wird für ihn in der Firma ein sicherer Rückzugsort – und kann nebenbei auch mal für ein paar Minuten geschlossen werden, falls mal jemand ins Büro kommt, der gar nicht mit Hunden kann. Am Abend, bevor es losgeht, bringst Du die Box dann in dein Büro. Sieh zu, dass sie in einer ähnlichen Position steht, wo auch zuhause dein Hund am liebsten ist. Wenn Du also zuhause am Schreibtisch immer den Bello fast auf den Füßen liegen hast, sollte es auf der Arbeit ebenso aussehen.

Morgens fütterst Du das Tier mit seinem Lieblingsessen und gehst ausgiebig mit ihm Gassi. So kommt er satt und „leer“ ins Büro. Sorge dafür, dass dort weitere Leckereien auf ihn warten und natürlich auch genug Spielzeug (aber keines, das nervig quietscht). Wichtig: Deine Kollegen sollten dann schon wissen, dass sie nicht alle auf einmal zum Hund stürmen sollten, um ihn zu betrachten.

Wenn es gut läuft, wird dein Hund damit von Anfang an das Büro als erweitertes Revier ansehen – die Chancen dafür stehen gut, denn die meisten Hunde sind eigentlich schon zufrieden, wenn sie in der Nähe ihres Bezugspartners sind. Alles andere ist ihnen dann relativ egal. Wenn er typische Unzufriedenheits-Gesten wie Gähnen oder Kratzen zeigt, nicht nervös werden. Dann kraulst Du ihn ausgiebig und gibst ihm ein paar Leckerlis. Das sollte reichen, um ihm etwaige Ängste zu nehmen.

Übrigens solltest Du dir in diesen Tagen die Arbeit so zurechtlegen, dass Du den Schreibtisch und somit deinen Vierbeiner nicht allzu oft verlassen musst. Nutze aber die Pausen wieder, um mit ihm um den Block zu gehen und lobe ihn dabei ausgiebig.

Der Hund ist für alle da

Wenn Du diese genannten Punkte beachtest, sollte jeder normale Hund die Probezeit mit Bravour bestehen. Doch auch danach musst Du noch etwas beachten. Denn obschon es dein Hund ist, musst Du dir darüber im Klaren sein, dass er, zumindest während der Arbeitszeit, in seiner Eigenschaft als Bürohund ein bisschen auch deinen Kollegen gehört.

Das bedeutet: Reagiere nicht eifersüchtig, wenn Bello auch mal bei deiner Kollegin unter dem Schreibtisch ein Nickerchen hält oder sich in der Mittagspause lieber vom Azubi den Ball werfen lässt, als von dir. Sieh es lieber als positiven Effekt an, der zeigt, dass dein Hund tatsächlich ein richtig gutes Bürotier ist, das mit allen klar kommt und mit dem auch alle klar kommen. Denn das ist es doch, was Du im Endeffekt bezweckst, oder?

Fazit

Wenn man nicht gerade aus medizinischen Gründen oder schlechten Erfahrungen ein echter Hundehasser ist, muss man zugeben, dass ein Hund im Unternehmen praktisch nur Vorteile hat. Natürlich besonders für seinen Besitzer, der eine große Sorge weniger hat. Tatsächlich profitiert das ganze Team und auch wenn der Hund keine Kalkulationen erstellen oder Präsentationen halten kann, ist er, wenn er sich einmal eingelebt hat, doch ein so wertvolles Mitglied wie jeder menschliche Kollege – denn gutes Betriebsklima ist so wichtig wie qualifiziertes Personal.

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