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In einem meiner Artikel habe ich folgendes geschrieben: „Kreativität ist nun nie Selbstzweck, sondern immer Mittel zu dem Zweck, Probleme allgemein und bestimmte Problemarten im Besonderen besser, schneller und somit erfolgreicher zu lösen. Das Wort „Problem“ stammt vom griechischen „problêma“= der Auftrag, die Streitfrage, Vorgesehenes (verb. proballein = hinwerfen, vorschlagen) ab. Heute spricht man von einem Problem allgemein dann, wenn man etwas mehr oder weniger deutlich vor sich sieht, aber (noch) nicht weiss, wie man dahin gelangen kann.“

Ein Problem allgemein ist also gekennzeichnet durch eine definierte Ausgangssituation (Ist), eine definierte Zielsituation (Soll), den Wunsch oder Zwang von Ist zum Soll zu kommen und zunächst nicht vorhandenes Wissen, wie dies zu bewerkstelligen ist.

Probleme und Problemarten

Die Lösung von Problemen, die je nach Problemart und Wissenstand ein mehr oder minder großes Maß an Kreativität erfordert, ist dann nichts anderes als das Erkennen und die Herstellung von Verbindungsmöglichkeiten zwischen Ausgangs- und Zielsituationen. Die Tatsache, dass dies nicht ohne weiteres möglich ist, beinhaltet einen Hinweis auf die zweite Urbedeutung von Problem, nämlich „Streitfrage“. Die Wissenschaft sagt, jedes Problem beinhaltet eine antagonistische Tendenz. „Antagonistisch“ bedeutet „sich miteinander in Widerstreit befindend“, und das trifft in Problemsituationen auf das Verhältnis der jeweiligen Ausgangs- und Zielsituation zu.

Bei der Verbindung zwischen einer Ausgangssituation und einer Zielsituation als Lösung eines Problems ist nun deutlich zu differenzieren zwischen zwei Teilstrecken: Lösungsideen und Lösungsansätzen.

Wobei hier bei Lösungsideen ohnehin, aber auch bei Lösungsansätzen bewusst der Plural verwendet wird: Man wird allein schon dadurch, dass man nicht mehr in einzig möglichen Lösungen, sondern in verschiedenen Lösungsmöglichkeiten denkt, im Lösen von Problemen deutlich erfolgreicher und damit auch kreativer.

Hier geschieht nämlich folgendes: Wenn man zu einem Problem erst einmal eine Lösung hat, ist man beruhigt. Es kann einem ja nichts mehr passieren. Bei der Suche nach weiteren Lösungsmöglichkeiten ist man dann viel eher in der Lage und bereit, auch einmal gedankliche Risiken einzugehen. Diese Bereitschaft, gedankliche Risiken einzugehen, steht in einem direkten Zusammenhang mit Kreativität.

Genaue Problemanalyse

Viele Versuche, Probleme zu lösen, scheitern daran, dass das zu lösende Problem nicht sorgfältig analysiert und deswegen oft falsch definiert wird. Hier ein bewährtes Schema für die Analyse von Informations-, Entdeckungs- und Erfindungsproblemen.

Analyseschema:

a) Zielsituation (Wie kann man erreichen, dass ….?)

b) Ausgangssituation (Problemgegenstand und -umfeld)

c) Problemursachen (Warum ist das Problem entstanden? Warum soll es gelöst werden? Warum ist es bisher nicht gelöst worden?)

d) Problemkonsequenzen (Was geschieht, wenn das Problem nicht gelöst wird?)

e) Lösungskonsequenzen (Was geschieht, wenn das Problem gelöst wird?)

f) Problemanamnese (Welche Lösungsmöglichkeiten wurden bereits in Betracht gezogen, was war daran gut und warum haben sie mich nicht befriedigt)

g) Lösungskriterien (Was muss / soll / kann die Problemlösung tun / sein / haben, was muss / soll / sollte sie nicht tun / sein / haben?)

Hier ein amüsantes Beispiel:

a) Wie kann ich reich werden, und mein Leben in all seinen Facetten genießen, ohne viel dafür zu arbeiten?

b) Ich bin Student und habe wenig Geld. Ich will in Zukunft nicht viel arbeiten, aber trotzdem viel Geld verdienen. Ich werde nach dem Studium auch nicht viel Geld verdienen. Ich will mir aber Sachen leisten können, die mir gefallen, wozu mir aber bei weitem das Kleingeld fehlt. Ich möchte meine Träume verwirklichen können. Ich möchte im Luxus leben.

c) Ich war bereits mit Töchtern wohlhabender Familien zusammen und konnte bereits ein Leben in Luxus und Reichtum genießen. Leider konnte ich bis jetzt noch keine dieser Damen länger an mich binden.

d) Ich muss vermutlich mein ganzes Leben für einen überdurchschnittlichen Lohn hart schuften.

e) Ich wäre relaxed, glücklich und könnte mir alles leisten, was ich mir schon immer erträumt habe (cooles Auto, malerisches Traumhaus, Traumurlaub,….)

f) Vortäuschen was ich nicht bin = bringt Kontakte ist aber sehr kostenaufwändig. Arbeiten für Graf, Gräfin oder Herzog = bringt ebenfalls Kontakte, das  Adelsgeschlecht bleiben aber meist nur unter sich. Arbeiten im oberen Management einer Firma = kann Möglichkeiten schaffen, ist aber sehr stressig und arbeitsaufwendig.

g) Ich will mit wenig Aufwand viel erreichen. Es soll wenig Kosten verursachen. Schlussendlich soll viel Geld herauskommen. Es soll unkompliziert sein.

Problemideen / Lösungsideen

Viele Probleme sind nur falsch gestellte Fragen. Stellt man die Frage richtig, ist es oft kein Problem mehr oder manchmal ein ganz anderes. Daher sollte man zu einem zu lösenden Problem zunächst einmal möglichst viele Fragen „Wie kann man erreichen, dass …?“ stellen (Problemideen) und erst dann zu einigen von ihnen Lösungsideen produzieren. Zu kreativen Problemideen findet man zwangsläufig auch kreative Lösungsideen.

Zum Thema:  Kreativitätstechniken Teil 2 - Brainwriting (Methode 635)

Unterscheidung zwischen Lösungsideen und Problemlösungen
Traditionell wird bei Problemlösungen (wenn überhaupt) zu wenig differenziert zwischen Lösungsideen und Lösungsansätzen bzw. Problemlösungen. Man meint, jede Lösungsidee müsse gleich eine mehr oder weniger perfekte Problemlösung sein. Da Problemlösungen aber kritisch-analytisches Denken erfordern, wird dadurch der Spielraum der für kreative Ideenfindung erforderlichen schöpferischen Phantasie zu früh und zu stark eingeengt.

Um dies zu verhindern, soll man die Problemstellung in Kurzform (Wie kann man erreichen, dass …?) vor Augen haben und unter Verwendung der Formulierung „Das bringt mich auf die Idee …“ oder auch „Das erinnert mich an …“ unkontrolliert in Stichworten alles aussprechen oder aufschreiben, was einem dazu durch den Kopf geht. Erst wenn keine solchen Einfälle mehr kommen, sollte man diesen Prozess abbrechen und die Stichworte zu Ideen ausformulieren (allerdings ohne hier schon zu bewerten).

Wenn man diese sehr einfache Technik der Ideenfindung, die man auch gut allein anwenden kann, beherrscht, kann man in vielen Fällen auf andere Kreativitätstechniken verzichten. Sie bringt mehr mit weniger Aufwand.

Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass die Problemstellung durch Problemanalyse und Problemideenfindung genügend in das Unterbewusstsein „integriert“ wird, so das es stark genug mit ihr „aufgeladen“ ist.

Auswahl erfolgversprechender Problem- und Lösungsideen
Hier orientiert man sich meist zu früh an der schnellen und guten Realisierbarkeit. Besser ist es, zunächst einmal zu fragen, welche Problem- oder Lösungsideen neu sind und welche davon attraktiv. Erst dann sollte man sie auf ihre Realisierbarkeit untersuchen.

„Jede Innovation muss einmal eine Utopie gewesen sein. Daher sollte man auch viel mehr Mut zur Utopie haben.“

Konstruktive Techniken

Konstruktiv steht für aufbauend und unterstützend, wird aber auch im Sinne von produktiv oder förderlich verwendet im Gegensatz zu destruktiv.

Konstruktives Zuhören
Der Mensch hört, sieht, empfindet (im weitesten Sinne des Wortes erlebt) das, was er hören, sehen, empfinden (im weitesten Sinn des Wortes erleben) will – entsprechend dem psychologischen Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Daher sollte man immer unter dem Aspekt zuhören, dass man das, was man gehört hat, anschließend mit eigenen Worten wiederholen muss, und das auch tun. Wenn man dann zunächst erlebt, wie häufig man einen Gesprächspartner ganz oder teilweise missverstanden hat, beginnt man zwangsläufig konstruktiver zuzuhören. Zunächst einmal in Richtung Verstehen und nicht sofort in Richtung (zu frühes) Bewerten = Prinzip der verzögerten Kritik.

Konstruktives Bewerten
Westliche Kulturen und Erziehung führen dazu, dass man auf Vorschläge, Ideen anderer meist sofort negativ reagiert, oft aus der unterbewussten Verärgerung darüber, dass man nicht selbst auf diesen Vorschlag, diese Idee gekommen ist. Das hat zur Folge, dass die positiven Aspekte immer negativer „aufgeladen“ werden, bis man sie nicht mehr als positiv erkennt. Kreativität förderndes, konstruktives Bewerten beruht auf der Tatsache, dass es keinen Schatten ohne Licht gibt. Wo man also glaubt, einen Schatten zu haben, sucht man zunächst einmal nach der Lichtquelle, die ihn erzeugt, und wendet sich erst dann, wenn überhaupt noch erforderlich, dem Schatten zu.

Bei der Anwendung konstruktiven Bewertens formuliert man zunächst das, was man bewerten will oder muss, mit eigenen Worten, um Missverständnisse auszuschließen (Konstruktives Zuhören). Dann stellt man sich vor, das richtig Verstandene sei möglich, und sucht mindestens drei Vorteile, die sich daraus ergeben würden, was zwangsläufig zu einer Veränderung des Standpunkts, der Betrachtung führt. Wenn man dann immer noch Bedenken hat, denkt oder sagt man nicht „Aber es geht nicht, weil …“ sondern formuliert „Wie kann man (jetzt noch) erreichen, dass …?“.

Ideen sind gewissermaßen Babies. An menschliche Babies legt man im Allgemeinen nicht die Maßstäbe Erwachsener an. Bei den Ideen-Babies tut man das aber fast immer, und das ist der Grund für eine sehr hohe „Säuglingssterblichkeit“ in diesem Bereich.

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