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Bei meiner Rückkehr von Santiago de Compostela in Spanien habe ich noch mal eine kurze Strecke des Caminos in der deutschen Heimat zurückgelegt. Und habe als letzte Station halt gemacht im Benediktushof, dem Stillekloster, in dem ich im Jahr zuvor als Hausmönch gelebt hatte.

Als ich dort ankam, begegneten mir sofort Fernand Braun und Williges Jäger, beide Mönche, Kontemplationslehrer und mittlerweile gute Freunde.

Fernand fragte mich wie es war, und ich erwiderte spontan, „Das BESTE, was ich jemals gemacht habe!“

Er schaute mich ganz tief an und fragte: „Warum?“

Da war nur Stille. Ich konnte nix finden. Ein paar Tage später habe ich ihm ein E- Mail geschickt:

EINS

Der Camino ist eine Metapher oder ein Spiegel des Lebens: Für mich ist der Camino tatsächlich das Leben, und unser Leben ist unser Camino, in dem jeder Mensch seinen eigenen Weg bestimmen und finden darf.

Was für den einen richtig ist, muss nicht für den anderen das Richtige sein. Es gibt keinen einzigen richtigen Weg, den Camino zu machen oder das Leben zu leben.

Mein Jakobsweg begann am 1. Juli 1965. Mein Weg ist perfekt für mich. Dein Weg ist perfekt für dich. Und das gilt für alle Menschen.

ZWEI

Eine weitere Erkenntnis war, dass immer für mich gesorgt war. Ich habe immer genau das bekommen, was ich brauchte. Vielleicht nicht das, was ich wollte, aber auf jeden Fall das, was ich brauchte. Jedes einzelne Mal.

Ich wurde versorgt. Der Camino (das Leben) kümmert sich um mich. Ich lernte, 600 km ohne Führer oder Handbuch zu gehen. Und jetzt, nach fünf Jahrzehnten auf diesem Planeten, experimentiere ich immer noch damit und lerne, diesem „universellen Leit-, Navigations- und Versorgungssystem” in dieser “(un)realen” Welt zu vertrauen, der Welt des Bezahlens von Rechnungen und Steuern, des Verdienens von Geld usw.

DREI

Last but not least: Ich war “online”. Ich hatte viele Vorhersehungen, ich „fühlte“ es, bevor bestimmte Menschen kamen, ich “sah” Dinge, bevor sie auftauchten. Ich hatte ein stilles “Wissen” und ich fühlte mich mehr (super) natürlich und wahrhaft lebendig und (über)menschlich, mehr lebendig und normal als in einer Stadt zwischen Hunderten von Menschen und lärmendem Verkehr.

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Jetzt tue ich mein Bestes, mich anzupassen und die (innere) Camino-Magie, so wie sie in mir ist, in die Welt zu bringen. Ich liebe das, was ist. Stille, Lärm, Verkehr und Bäume gleichermaßen.

Meilenweit nur mit der Natur und nur mit den eigenen Gedanken außerhalb der Gesellschaft wandernd, ist ein Pilger gezwungen, aus den Komfortzonen herauszukommen. Man muss nach innen schauen, seine Ängste, Unsicherheiten und Vorurteile gegenüber dem Leben, sich selbst und anderen wahrnehmen und untersuchen.

Es ist wie eine Geh-Meditation, eine Entgiftung, eine Reinigung.

Aus einer solchen Selbstreflexion und Selbsterkenntnis kann ein neuer, schöner Zustand des Verzichts, ein offeneres Herz und innerer Frieden entstehen. Ich erlebte mich selbst achtsamer, aufgeschlossener und demütiger, zufriedener und glücklicher!

Und ich brauchte nicht viel: Essen. Wasser. Ein Dach über meinem Kopf. Eine Matratze und ein Kissen, und manchmal war es nur ein Teppich. Neue Freunde, alte Freunde, zusammen gehen, alleine gehen, Umarmungen, haltende Hände, Tabak rauchen, Wein trinken, weinen und lachen, Brüder und Schwestern, ~, die sich nicht kannten und vielleicht nie wieder treffen.

Der Camino ist ein großartiger Lehrer, ein großer Guru, wo ich mehr gelernt habe, als ich je gedacht hätte.

Schritt für Schritt.

Und diese innere Pilgerfahrt geht weiter und wird niemals enden.

Amen.

Liebe, Mirko

Über Mirko Betz

Mirko Betz ist Life Coach, Großstadtmönch, Unternehmensberater und Lebenskünstler. Er war DJ, Mode-Designer, Unternehmer, Obdachloser, Drehbuchautor und Wandermönch.

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