Mutige Anbieter mit wilden, kühnen Ideen schieben sich immer weiter nach vorn. Sie erwirtschaften Megaumsätze mit Technologien, die es vor wenigen Jahren nicht einmal gab. Anderswo werden frische, neue, bessere Ideen hingegen blockiert. Wie man sich vor den Totschlagargumenten solcher Geht-Nicht-Sager schützt, zeigt dieser Beitrag.

Es braucht Mut, Leidenschaft und Überzeugungskraft, um neue Denk- und Handlungsmuster in die Welt zu bringen und andere von seinen Vorhaben zu überzeugen. Internen Querdenkern und ihren Ideen weht oft eine steife Brise entgegen. Deshalb dürfen sie sich nicht isolieren. Außerdem müssen sie „trommeln“ und ihre Sache gut präsentieren: durchdacht, nachdrücklich und zugleich geduldig.

Ein Querdenker ist kein einsamer Wolf. Er rennt auch nicht mit dem Kopf durch die Wand. Er umgibt sich vielmehr mit Vertrauten, schart Multiplikatoren um sich und schmiedet Allianzen. Wer Verbündete, Gleichgesinnte und Mitstreiter hat, ist nie auf verlorenem Posten. Geradezu ideal ist die Situation, wenn man als Querdenker einen aktiven Förderer und Fürsprecher, sozusagen einen Schutzpatron hat.

Weshalb der Sprung ins Neue oft nicht gelingt

Warum bloß reagiert man in den Unternehmen auf interne Querdenker oft so allergisch? Weil sie stichhaltige Fragen stellen, Vertrautes in Zweifel ziehen, Untätigkeit schonungslos attackieren, ideenreich um die Ecke denken und scheinbar unumstößliche Mindsets ins Wanken bringen, sind sie von vielen wenig gelitten.

Sie werden als „Unruhestifter“ und „Gefährder des Bestehenden“ apostrophiert. Anstatt von ihnen zu profitieren, werden sie abgelehnt, angefeindet und ausgegrenzt, gar zum Verräter an der gemeinsamen Sache erklärt. Denn Etablierte sehen bei Querdenker-Vorstößen vor allem das, was sie verlieren.

In konservativen Managementkreisen stützt man seine Entscheidungen auf „bewährtes“ Wissen und die „üblichen“ Tools aus der Werkzeugkiste des letzten Jahrhunderts. Dort haben die Bestandsverwalter, die Scheuklappenträger und Geht-nicht-Sager die Macht. Damit am Ende aber Neues entsteht und der Sprung in die Zukunft gelingt, muss Altes beiseitetreten.

Die Taktik der Totschlagargumente durchschauen

Es gibt viele taktische Vorgehensweisen, einen Querdenker und seine Initiativen loszuwerden oder seine Vorstöße ins Nirvana zu schicken. Zum Beispiel? Euer Ansprechpartner sagt, er kümmere sich darum und prüfe das, tut es aber dann doch nicht. Er „vergisst“, den Vorschlag oder schiebt ein „Nein“ von oberster Stelle vor.

Oder er erklärt, dass die Idee nicht in die zukünftigen Planungen der Firma passt. Oder er behauptet, dass man genau das schon einmal erfolglos versucht hat. Ziel ist es, den Ideengeber zu verunsichern, einzuschüchtern und mundtot zu machen. Geschieht das öffentlich, soll derjenige herabgewürdigt, diskriminiert und isoliert werden.

Auch innerhalb eines Teams kann es passieren, dass versucht wird, Vorstöße mit sogenannten Totschlagargumenten abzuwiegeln oder zu Fall zu bringen. Davon gibt es viele. Diese haben meist damit zu tun, dass der andere aus welchen Gründen auch immer sein derzeitiges Verhalten nicht ändern will.

Wie man auf Totschlagargumente gut reagiert

Auf manche Entgegnungen fällt man auch schon mal schnell herein. „Das machen wir doch schon“, ist eine solche. Da muss nachgefragt werden: Wie denn genau? Wie früher? Wie immer? Wie alle? Wer das neue am Neuen nicht sieht, ist besonders gefährdet. Oft wird das neue am Neuen auch überhört, weil unser Hirn das Vertraute so liebt.

Manche Erwiderungen sollen ganz einfach verletzen. Das klingt dann etwa so: „Du willst was ändern? Die Phase hat am Anfang hier jeder. Das geht vorbei.“ Oder auch subtiler: „Wäre es eine gute Idee, hätte es längst jemand gemacht.“ Auf solche Spielchen geht man besser nicht ein, weil man, wenn man in Plänkeleien abrutscht, nicht gewinnt.

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Oft kommt man mit einer smarten Gegenfrage zum Ziel. Jemand sagt: „Wie du dir das vorstellst, das klappt nie.“ Statt mit einem „Wieso?“ in ein Argumentationshinundher zu geraten, fragst du in die Runde: „Peter meint, bei ihm geht das nicht. Wie seht ihr das in Bezug auf euren Bereich? Wie könnte das bei euch funktionieren?“

Wie man einen Killerphrasen-Friedhof installiert

Wie bringt man Totschlagargumente auf Dauer aus der Welt? Zunächst braucht es eine gemeinsame Erkenntnis, dass man mit Totschlagargumenten nicht weiterkommt. Dann beginnt man, solche zu sammeln. Diese werden schließlich begraben, indem man einen Friedhof für Ideenkillerphrasen erschafft.

Damit solche Killerphrasen nicht wiederauferstehen und zu Untoten werden, visualisiert man sie in Form eines Posters, etwa so, wie es die Abbildung zeigt. Das hängt ihr an der Wand im Meetingraum auf. Hierbei lässt man Platz für neue Phrasen. Irgendjemandem fällt bestimmt noch was ein.

Wie man als Querdenker seine Sache voranbringt

Eines ist klar: Die, die nur meckern, klagen, jammern und destruktiv sind, die kann niemand brauchen. Die halten nur auf, bringen aber rein gar nichts voran. Auf echte Argumente hingegen lässt man sich ein. Manchmal sieht man die Dinge ja auch tatsächlich zu eng – oder man hat sich getäuscht. Holt deshalb in der Gruppe weitere Meinungen ein.

Dabei kann man zunächst den Anwesenden die Hand ausstrecken, etwa so: „Ich kann mich ja irren, wie seht ihr das denn?“ Einem einzelnen Opponenten kann man sagen: „Klasse, du hast ein Manko gesehen, einen Widerspruch gefunden, einen Fehler entdeckt. Sicher hast du gute Ideen, wie mein Vorschlag noch besser werden kann. Mach mit, damit es vorangeht.“

Wie man als Querdenker seine Sache gut voranbringt, wovon man besser die Finger lässt, wie man im gesamten Unternehmen eine Querdenkerkultur etabliert, all das und 14 weitere Querdenker-Hacks habe ich in „Querdenker verzweifelt gesucht“ ausführlich beschrieben.

Das Buch zum Thema

Anne M. Schüller
Querdenker verzweifelt gesucht
Warum die Zukunft der Unternehmen
in den Händen unkonventioneller Ideengeber liegt
Mit einem Vorwort von Gunter Dueck
Gabal Verlag 2020, 240 Seiten, 29,90 Euro
ISBN: 978-3-86936-998-3 Zur Bestellung: https://blog.anneschueller.de/shop-querdenker-verzweifelt-gesucht/

Die Autorin

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Zu diesen Themen hält sie Impulsvorträge auf Veranstaltungen und Fachkongressen. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Vom Business-Netzwerk LinkedIn wurde sie zur Top-Voice 2017/2018 und von Xing zum Spitzenwriter 2018 gekürt. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager und zertifizierte Orbit-Organisationsentwickler aus. www.anneschueller.de

Photo by Abhilash Sahoo from Pexels
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2 Kommentare

  1. Genau wegen solcher konservativer Denkweisen aus eingerosteten Managementpersonal bevorzuge ich die Arbeit in modernen Startups.

    Irgendwann wird altbewährtes nicht mehr klappen und dann hat man vielleicht schon den Sprung verpasst

  2. Der “Querdenker” gibt nur das Gleiche in verdrehter Weise wieder und meint das sei besonders originell.

    Darum investiert der kluge Geschäftsmann dann auch lieber gleich in die Kunst.

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