Ideen umsetzen

Wer Verbesserungsinitiativen startet, kann für ein innovatives Vorankommen sorgen und seinem Unternehmen maßgebliche Vorsprünge sichern. Selbst die beste Idee kann aber nur dann wirksam werden, wenn sie in die Umsetzung geht. Dafür braucht es Taktik und Diplomatie.

Viele Unternehmen werden sich fortan neu aufstellen müssen, weil sie nicht mehr so weitermachen können wie bisher. Dazu brauchen sie neue Ideen. Andere Ideen. Bessere Ideen. Hier kommen die firmeninternen Weiterdenkenden, Vorwärtsbringer und Zukunftsgestalter ins Spiel. Sie sprühen vor Ideen, wie man das, was in die Jahre gekommen ist, besser machen könnte, sollte und müsste. Die entscheidende Hürde dabei: Sie brauchen ein Okay, um in die Umsetzung gehen zu können.

Die meisten Verbesserungsinitiativen, die ein Erneuerer startet, werden im eigenen Team entschieden. Andere Vorstöße wird man mit seinem Vorgesetzten besprechen. Wichtig zu wissen: Führungskräfte fühlen sich dann unterstützt, wenn man ihnen anlassbezogene, lösungsorientierte Vorschläge macht. Führende fühlen sich hingegen nicht unterstützt, wenn es Hinweise, aber keine konkreten Vorschläge gibt. Dies nehmen sie sogar als ein weiteres Problem wahr und reagieren darauf mit Abwehr.

Wie Höhergestellte über Veränderungsinitiativen entscheiden

Hat ein Einzelner das letzte Wort, empfiehlt sich eine taktische Vorbereitung. Überlege also zunächst, warum er/sie dir überhaupt seine/ihre kostbare Zeit schenken sollte, was das ganz Besondere an deinem Vorstoß gerade für ihn/sie ist, aus welchen Gründen er/sie deinem Lösungsansatz zustimmen könnte – oder aus welchen Gründen eher nicht. Dabei spielen nie allein sachliche, sondern immer auch emotionale Aspekte eine maßgebliche Rolle. Oft sind „politische“ Gründe oder persönliche Belange von großer Bedeutung – obwohl dies niemals offengelegt würde.

Läuft die Genehmigung von Veränderungsinitiativen über ein Entscheidungsgremium, braucht es Geduld. Meist tagen diese nur alle paar Wochen. Zunächst muss man es schaffen, auf die immer viel zu pralle Agenda zu kommen. Leider werden in solchen Gremien oft keine zeitnahen Entscheidungen getroffen, weil darin Leitende sitzen, die, pardon, selten Ahnung von den Details einer Sache haben. Zwecks Absicherung wird also ein Gutachten verlangt oder noch diese und jene Ergänzung gefordert. Das macht Entscheidungsprozesse langwierig und teuer, und die Zeit rennt einem davon.

Zahlen, Daten und gut präsentierte Fakten sind Pflicht

Wer seinen Vorschlag im Rahmen eines Toplevel-Meetings präsentiert, muss deshalb verstehen, wie das oberste Management tickt. Erstens ist es nicht an Details interessiert, sondern nur am „Big Picture“, dem großen Bild. Zudem fehlt immer Zeit. Also muss die Präsentation sitzen: prägnant, kurz und knapp auf den Punkt. Professionalität, Selbstsicherheit und Durchsetzungswille sind hier entscheidend. Arbeite strukturiert mit Zahlen, Daten und Fakten. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ist Pflicht. Wie ihr dabei ganz konkret vorgeht, erläutere ich in einem kommenden Beitrag.

Schon einmal vorweg: Zeige aufsteigende Kurven, fette Balken, große Stücke vom Kuchen, Studienergebnisse und Fallbeispiele. Sprich mögliche Risiken, vor allem aber die Chancen an. Idealerweise hast du die Sache im Kleinen schon getestet, es liegen also erste Erfahrungen vor. Zeige aber besser keine rudimentären Prototypen. Das würde auf das Top-Management nur dilettantisch wirken, weil es sich darunter nichts vorstellen kann. Alles muss so perfekt wie möglich wirken. Lege auch dar, wo die Konkurrenz steht. Zeige erzielbare Wettbewerbsvorsprünge.

Zwecks Unterstützung: Erstelle ein straffes Handout

Am besten unterstützt du deine Präsentation durch ein Handout. So baust du es auf:

  • Ein Deckblatt (Executive Summary) mit allen Fakten kurz und knackig, die für den Entscheidenden wichtig sind. Die erwarteten Ergebnisse sind groß herausgehoben.
  • Eine kurze Darstellung, wie der Vorschlag die Ziele des Unternehmens unterstützt, den Purpose untermauert und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichert.
  • Eine strukturierte Übersicht mit den umzusetzenden Einzelmaßnahmen und dem dazugehörigen Zeitplan: Wer macht was mit wem ab oder bis wann.
  • Eine Übersicht über die benötigten Ressourcen: Arbeitsmittel, Mitarbeiter, Budget.
  • Eine Übersicht über die erwarteten kurz- und langfristigen Ergebnisse: Mehrumsatz, Kosteneinsparungen, Wachstum, Märkte, Wettbewerbsvorsprünge, Reputation.
  • Eine Versicherung, dass durch die vorgeschlagenen Vorgehensweisen alle im Unternehmen gültigen Compliance-Regeln eingehalten werden.
  • Ein Schlussblatt, auf dem steht in großer Schrift: MEIN VORSCHLAG: MACHEN!
Passend dazu:  Warum wir die besten Ideen unter der Dusche haben

Manager lieben es, wenn man ihnen das Entscheiden einfach macht. Außerdem kann man sie mithilfe wissenschaftlicher Statements und klingender Namen gut überzeugen.

Die besondere Situation des direkten Vorgesetzten beachten

Besonders zu berücksichtigen ist die Situation des direkten Vorgesetzten, sofern er im Meeting dabei ist. Idealerweise gewinnt man ihn schon im Vorfeld als Fürsprecher und Unterstützer. Zumindest sollte man vorab ein Gespräch initiieren, damit er/sie deinen Vorschlag in groben Zügen kennenlernt. Es ist überaus peinlich für eine Führungskraft, wenn sie von deiner Initiative vor aller Augen überrascht wird.

Übergehe deinen direkten Vorgesetzten also nie, man könnte dir mangelnde Loyalität vorwerfen. Obere wollen oft ganz einfach nur ihr Gesicht nicht verlieren, nicht in Frage gestellt oder vorgeführt werden, nicht als uninformiert oder inkompetent gelten. Sie fürchten um ihre Autorität, um ihren Status, um ihr Ansehen im Unternehmen. Das hat mit der Sache selbst wenig zu tun, kann aber die ersehnte Zustimmung kosten.

So verhält man sich bei einem glasklaren Nein

Manchmal gibt es selbst für den besten Vorschlag ein glasklares Nein. In dem Fall beende das Ganze sofort, das zeigt Größe und Stil. Zeige dich weder verärgert noch pampig noch als schlechter Verlierer. Allenfalls sagst du mit leichtem Bedauern: „Schade, ich hätte mir das wirklich gut vorstellen können.“ Nach einem solchen Satz sind bisweilen schon kleine Wunder geschehen: Plötzlich öffnete sich doch eine Tür.

Passiert das nicht, bedanke dich – und gib mit einem Lächeln auf. Ein Nein ist kein Nie. Du warst zumindest so mutig, es zu versuchen. Ein andermal wird es klappen. Was heißt ein Nein denn wirklich? Es ist ein Nein für diesen Vorstoß. In Zukunft kann das ganz anders, viel besser laufen. Also lautet deine Devise: Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen. Beim nächsten Mal bekommst du dein Ja.

Das Buch zum Thema

Mehr zum Thema in: Querdenker verzweifelt gesucht. Warum die Zukunft der Unternehmen in den Händen unkonventioneller Ideengeber liegt. (Mit einem Vorwort von Gunter Dueck)

Darin geht es nicht um die „Sogenannten“ auf der Straße, sondern um die wahren, echten, konstruktiven Ideengeber und Zukunftsgestalter, die der Menschheit zu allen Zeiten den Fortschritt brachten.

 

Die Autorin

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenzentrierte Unternehmensführung. Zu diesen Themen hält sie Impulsvorträge auf Tagungen, Fachkongressen und Online-Events. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Beim Business-Netzwerk Linkedin wurde sie Top-Voice 2017 und 2018. Von Xing wurde sie zum Spitzenwriter 2018 und zum Top Mind 2020 gekürt. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager und zertifizierte Orbit-Organisationsentwickler aus. www.anneschueller.de

Foto von fauxels von Pexels

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1 Kommentar

  1. Hi Anne,
    ich danke dir die vielen Tipps! Ich bin ziemlich klein für einen Mann (165), deshalb bin ich nicht wirklich durchsetzungsfähig. Weshalb eigentlich jeder Tipp für mich anwendbar ist.
    Liebe Grüße
    Hendrik

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