Mann und Frau haben Spaß im Büro

Meine Excel-Kenntnisse waren miserabel. Es war wie verhext, es blieb einfach nichts hängen. Stundenlanges Üben, unzählige Excel-Tutorials und Nachhilfe brachten nichts – selbst eine auf Lernschwächen spezialisierte Kinesiologin konnte mir nicht helfen.

Das Unternehmen, für das ich damals als Führungskraft arbeitete, setzte auf Effizienz und Datenanalyse. Ich schämte mich für meinen Excel-Makel und versuchte ihn vor meinem Team, meinen Kollegen und meinem Vorgesetzten zu verbergen.

In einem Führungskräfte-Meeting erklärte der Geschäftsführer: „Wer kein Excel kann, hat in unserem Unternehmen nichts verloren.“

Boom, da war sie, die Gewissheit, dass ich nicht kompetent genug war. Ich fühlte mich minderwertig, machtlos und war kurz davor zu kündigen – dabei war ich gut in dem, was ich tat und liebte es, mit meinem Team zusammenzuarbeiten.

Irgendwann fragte mich meine beste Freundin, warum ich eigentlich Führungskraft geworden bin, was mir in dieser Rolle wichtig ist und wie relevant dafür Excel ist. Das war der Wendepunkt. Mein Credo war schon immer: „Kümmere dich um die Menschen, dann kümmern sich die Ergebnisse um sich selbst“ (Goetz Werner).

Mir war wichtig,

1. den nötigen Rahmen zu schaffen, damit mein Team produktiv zusammenarbeiten konnte,
2. dass jedes Teammitglied das einbrachte, was es am besten konnte – so erreichten wir gemeinsam auch unter schwierigen Bedingungen gute Ergebnisse,
3. dass wir uns im Team auf Augenhöhe begegneten und ein gemeinsames Verständnis von dem hatten, was wir schaffen wollten,
4. dass wir uns auf gemeinsame Spielregeln einigten, um im Arbeitsalltag respektvoll, tolerant und wertschätzend miteinander umzugehen,
5. die Mitarbeitenden da abzuholen, wo sie standen, sie einzubeziehen, ihnen zu vertrauen, sie zu befähigen und zu motivieren,
6. dass das Team mit Widerständen umgehen konnte und in der Lage war, Probleme aus eigener Kraft zu lösen,
7. Feedback zu geben und einzuholen,
8. mit den Mitarbeitenden an persönlichen Entwicklungszielen zu arbeiten – in ihrem Tempo,
9. Prioritäten zu setzen – mehr als die Hälfte meiner Zeit investierte ich ins Team, ein Viertel in strategische Themen und den Rest in administrative bzw. fachliche Themen und
10. mich regelmäßig bei meinen Mitarbeitenden zu bedanken und ihnen zu zeigen, wie sehr ich sie schätzte.

Ich war in meinem Element, wenn ich Ich war und es machte mich glücklich, wenn ich sah, wie Menschen über sich hinauswuchsen.

Auf einmal

• erkannte ich, dass es nicht darum ging, als Führungskraft alles zu können bzw. perfekt zu machen, sondern ehrlich zu sich selbst und authentisch zu sein.
• durchschaute ich, wie klein ich mich machte, wenn ich mich auf meine Excel-Schwäche reduzierte.
• begriff ich, dass es für meine Rolle und meine Aufgabe nicht wichtig war, ein Excel-Genie zu sein.
• wurde mir klar, dass es an der Zeit war, meine Schwäche als Teil von mir anzunehmen – und offen dazu zu stehen.

Passend dazu:  Ich brauche Arbeit und ich brauche Geld

Ich beschloss, dass es an der Zeit war, meinen Mitarbeitenden und meinem Chef zu offenbaren, dass ich in Excel ziemlich mies bin – Schluss mit dem Versteckspiel.
Was dann passierte, war einfach wunderbar.

Niemand hielt mich für eine schlechte Führungskraft, weil ich in Excel schlecht war und meine Offenheit hatte eine außergewöhnliche Wirkung:
• es stellte sich heraus, dass es in meinem Team Excel-Enthusiasten gab, die mir die Aufgaben gerne abnahmen und zig Mal schneller erledigten als ich.
• meine Mitarbeitenden fühlten sich ermutigt, über ihre eigenen Schwächen und Unsicherheiten zu sprechen, das schweißte uns enger zusammen.
• sie schuf eine vertrauensvolle Atmosphäre und hob die Zusammenarbeit auf ein neues Level – die Teammitglieder begannen, sich gegenseitig zu unterstützen und ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen zu kompensieren.

Fazit

Es ist völlig okay, nicht perfekt zu sein, und es lohnt sich, sich aus Schubladen zu befreien, in die man sich selbst gesteckt hat. Um das zu erreichen, musste ich lernen, auf meine innere Stimme zu hören und zu verstehen, warum ich das tue, was ich tue, und was mir dabei so wichtig ist.

Ich musste aufhören, zu sein, was ich nicht bin, und Dinge zu tun, die ich nicht mochte und in denen ich sowieso nicht gut war – Dinge, die letztendlich keine positiven Ergebnisse brachten. Lasst uns gemeinsam den Mut aufbringen, unsere individuellen Stärken anzuerkennen und eine Umgebung zu schaffen, in der jeder seine Einzigartigkeit einbringen kann.

Denn es sind gerade unsere Unterschiede, die uns zu einem unschlagbaren Team machen!

Über die Autorin

Ich bin Désirée und zeige Menschen und Organisationen wie sie menschlich, gelassen und erfolgreich mit Veränderungen umgehen, denn die Zeiten sind turbulent und Dauerchange ist das neue Normal – nie war Change-Fitness wichtiger.

 

Meine Mission:
• ein gemeinsames Verständnis für den Wandel zu haben und die Voraussetzungen für einen gangbaren Weg zu schaffen.
• die Beteiligten einzubeziehen und zu befähigen.
• proaktiv mit Emotionen, Widerständen und Konflikten umzugehen.
• Silodenken aufzubrechen und eine produktive Zusammenarbeit auf allen Ebenen zu fördern.

Mehr Informationen findest du auf meiner Seite https://schulungsmanufaktur.de/

Photo by krakenimages on Unsplash

1 Kommentar

  1. Super bewundernswerte persönliche Entwicklung! Darf man da Glückwunsch sagen? Ich mache es einfach mal. :) Mit den Führungskräften in der Arbeitswelt kommt es mir oftmals so vor, wie in der Schule früher. Statt einen Menschen (natrülich nebst den wichtigsten Grundkenntnissen) in den Bereichen zu fördern, worin er/sie gut ist, wird versucht alles über einen Kamm zu Scheren und auf ein „Wissens-Niveau“ zu bringen. Und dann wundern wir uns, warum so wenige Kinder gerne in die Schule gehen, wie viele Kinder durch das altbekannte „Raster“ fallen und abgehängt werden. Sowohl in der Schule, als auch in der Arbeitswelt wären wir um einiges besser dran, wenn mehr (wie du hier ja auch wunderbar in deinem Artikel schreibst) auf das Individuum eingehen und dieses in dem Fördern, was es ausmacht.

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