In einer Welt, die sich immer schneller wandelt und uns vor immer zahlreichere Herausforderungen stellt, zählen Entlernen, Neulernen und Weiterlernen zu unseren wichtigsten Skills. Das neue Lernen findet zunehmend eigeninitiativ statt. Über Learning Nuggets arbeiten wir uns schrittweise in aktuelle Themen ein.

Die Berufsbilder ändern sich heutzutage rasch. Zudem werden ständig ganz und gar neue Expertisen gebraucht, weil sich die fortschreitende Digitalisierung immer stärker mit Nachhaltigkeitsthemen verknüpft. All dies erfordert eine lebenslange, selbstgesteuerte Lernbereitschaft, um die eigenen Kompetenzen zu aktualisieren, zu erweitern, zu verbreitern und auf Höchststand zu halten. Man sorgt eigenhändig für persönliches Wachstum – und damit auch für seine Employability.

Wer einen „Beruf fürs Leben“ ergriffen hat, wird arbeitslos, sobald dieser automatisiert oder nicht mehr gebraucht wird. Das einmal Gelernte altert schneller als jemals zuvor. Fortan geht es um onlinebasieren Zugriff auf Wissen dann, wenn wir es brauchen. Entscheidend dabei ist, die guten von den schlechten Lernquellen zu unterscheiden, und in der Fülle der guten Quellen so effizient zu navigieren, dass sich die eigenen Handlungskompetenzen erhöhen.

Nein zu Standardprogrammen und Vorratslernen

Starre Trainingsangebote und standardisierte Weiterbildungsprogramme bringen einen fortan nicht weit. Umfängliches Vorratslernen ist – wenn überhaupt – nur noch marginal sinnvoll. Damit rennt man der Entwicklung bloß hinterher, weil Vorratslernen die Bedarfe der Zukunft nicht antizipiert. So kommt es, dass in vielen Unternehmen große Teile der Belegschaft den Anforderungen der rasant voranschreitenden Digitalökonomie nicht mehr gewachsen sind.

Wer sein Qualifizierungsniveau nicht ständig durch eigenen Antrieb erhöht, entsorgt sich in Zukunft selbst. Ambitionierten Talenten kann das nicht passieren. Werden Informationen benötigt, um an ein neues Thema heranzugehen, dann warten sie nicht bis zum nächsten Lehrgang. Sie starten flugs eine Online-Recherche. Wer die klügsten Fragen ans Internet stellt und weiß, wo man die besten Antworten findet, dem sind die entscheidenden Vorsprünge sicher.

Auch das selbstbestimmte Lernen muss man üben

Wie alles andere auch muss der Einzelne das selbstbestimmte Lernen erst lernen. Dazu gehört folgendes Wissen:

Lernen braucht ein entspanntes Gehirn, Muße und ein stressfreies Umfeld.
Lernen braucht Wiederholungen, Üben, Ausprobieren und Selbermachen.
Lernen braucht die richtige Zeit. Vormittage eignen sich vielfach besonders.
Lernen braucht ein lerntypgerechtes Vorgehen und möglichst alle Sinne.
Lernen braucht eine offene Haltung. Mit Begeisterung klappt es am besten.
Lernen braucht die Bereitschaft, veraltetes Wissen und Können aufzugeben.

Nicht immer wird das selbstorganisierte Lernen auf Anhieb gelingen. Sofern es diese gibt, können firmeninterne Lerncoaches eine große Hilfe sein.

Die zwölf Stationen des eigeninitiativen Lernens

Future Learning zeichnet sich dadurch aus, dass der Lernende die Auswahl und Kombination der Lernformate situativ an seine jeweiligen Anforderungen anpassen kann. Wer seinen eigenen Lernprozess steuert, durchläuft folgende Schritte:

1. Die eigenen Defizite ehrlich erkennen
2. Ein Lernzielbild für sich definieren
3. Zukünftige Kompetenzbedarfe ermitteln
4. Persönlichen Lernplan entwickeln
5. Geeignete Lernquellen identifizieren
6. Passende Lernmethoden bestimmen
7. Ressourcen (Budget, Zeit) organisieren
8. Dosieren, durchhalten, nicht verzetteln
9. Erlerntes in der Praxis erproben/anwenden
10. Gelerntes teilen/mit anderen weiterlernen
11. Erfolge bewerten und stetig optimieren
12. Erfolge feiern, um Motivation zu steigern

Der Fortgang der eigenen Lernaktivitäten kann auf einem Kanban Board sichtbar gemacht werden. Dies sorgt für Transparenz und motiviert, zügig in die Umsetzung zu gehen, weil der Verlauf nicht nur für einen selbst, sondern auch für andere sichtbar ist.

Das neue Lernen: individueller und digitaler

Symptomatisch für neue Formen der Selbstlernkompetenz sind Learning Communitys, in denen man voneinander und miteinander lernt. Planvorgaben von x Weiterbildungstagen pro Jahr gehören der Vergangenheit an. In Zukunft lernen wir in kleinen Einheiten quasi jeden Tag. In virtuellen Experimentierlabs und auf Lernplattformen vernetzen wir uns eigeninitiativ mit Forschungseinrichtungen, Lernpartnern und KI-gestützten Lernsystemen.

Das selbstgesteuerte Lernen läuft „near the job“, verknüpft sich also mit der täglichen Arbeit. Dazu gehört die ganze Palette der E-Learning-Programme, zudem Learning Games, Lern-Podcasts, Webinare, Lern-Apps, Erklärfilme auf YouTube & Co. sowie Videos von Ted Talks auf der ganzen Welt. Statt Schulungen abzusitzen, werden relevante Lerneinheiten „on demand“ zeit- und ortsunabhängig in den Arbeitsalltag integriert. So eignen wir uns neues Wissen im eigenen Lerntempo ganz genau dann an, wenn wir es brauchen.

Passend dazu:  „Kill a stupid rule“ (Fun Tool aus der Serie: Werkzeuge für mehr Spaß bei der Arbeit)

Eine Auswahl fortschrittlicher Lernmethoden

Micro Learning: Dabei werden bei Bedarf oder regelmäßig kompakte Lernbausteine, auch Learning Nuggets genannt, in fünf bis zehn Minuten eigenständig durchgearbeitet. Dies kann zum Beispiel ein kleines Lernspiel, ein ausführlicher Fachtext oder ein Quiz zur Selbsteinschätzung sein. Ein „Learn more“-Knopf am Ende des Nuggets führt den User zu weiteren thematisch passenden Lernangeboten.

Lunch & Learn: Hierbei geben Kollegen ihr Wissen im Rahmen eines Mittagessens weiter. Die Themen werden in eine interne Lernplattform eingestellt. Wer interessiert ist, meldet sich freiwillig an. Eine Intervention dauert maximal 15 Minuten. Sie sollte möglichst lebendig und frei von Fachjargon sein. Danach ist fünf Minuten Zeit für Fragen. Im Anschluss können bilaterale Gespräche für eine weitere Vertiefung sorgen.

Interne Ted Talks: Hier stellen Mitarbeitende ihre Lern- oder Innovationsprojekte in Anlehnung an das Ted-Talk-Format vor, zum Beispiel einmal pro Woche im Team oder einmal im Monat vor der gesamten Firma. Die Themenangebote für solche Lernevents werden auf der Lernplattform vorgestellt. Per Voting wird entschieden, welche davon breites Interesse finden und folglich auf die Bühne kommen.

Smart Learning: Hierbei lernt man mittels Künstlicher Intelligenz (KI). Beim Einsatz von Augmented Reality (AR) geht es um Informationen, die einem in eine Datenbrille eingeblendet werden. Bei der Virtual Reality (VR) taucht man komplett in eine virtuelle Wirklichkeit ein (Immersion). Mithilfe digitaler Gesprächspartner (Chatbots) und Tools wie ChatGPT lernen wir interaktiv. Persönliche KI-Assistenten können in die Tiefen des Web geschickt werden, um nach Erkenntnistrüffeln zu fahnden.

Peer-to-Peer-Lernen: Mitarbeitende auf gleicher Ebene wissen meist sehr viel besser als Höhergestellte weit weg vom Schuss, welche Lerninhalte für die Kollegen hilfreich sein können und was alle gemeinsam weiterbringt. So wird auf firmeninternen P2P-Lernplattformen passender Lern-Content in Eigenregie erstellt und/oder kuratiert. Solche Plattformen sind für alle Beschäftigten zugänglich. Sie haben Like- und Kommentarfunktionen, fördern so die Interaktion, den Zuspruch und das Vernetzen.

Zunehmend performante KI-Tools heben die gesamte Weiterbildung auf eine neue Stufe. Zudem halten Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz weitläufig Einzug. Statt an Seminarorte zu reisen, werden wir uns in Online-Lernlandschaften und Lernökosystemen tummeln. Workshops finden künftig auch in virtuell begehbaren Räumen, in Hololandschaften und Metaversen statt, wo die digitalen Zwillinge der Teilnehmer:innen in Form selbstgestalteter Avatare, also virtueller Stellvertreter, zusammenkommen und sich gemeinsam weiterentwickeln.

Das neue Buch der Autorin

Anne M. Schüller,

Zukunft meistern – Das Trend- und Toolbook für Übermorgengestalter

Gabal Verlag 2024, 232 S., 29,90 €

ISBN: 978-3-96739-181-7

 

 

Wie Sie die Zukunft meistern

„Zukunft meistern“, das neue Buch der mehrfach preisgekrönten Bestsellerautorin Anne M. Schüller, ist eine Entdeckungsreise zu den wichtigsten Zukunftstrends der nächsten Dekade, zu Pionieren, Innovatoren und Übermorgengestaltern. Unterhaltsam geschrieben zeigt es anhand inspirierender Beispiele, in welche Richtungen sich Leben und Arbeit, Gesellschaft und Geschäftsmodelle künftig entwickeln. Verbunden damit präsentiert die Autorin praxiserprobte Lösungen und nützliche Vorgehensweisen, zusammengeführt in der Erfolgstriade der Zukunft: Nachhaltigkeit, Transformation und Innovation. Technologien, Digitalisierung und KI sind hierbei Mittel zum Zweck. Neben den dazugehörigen Umsetzungsschritten verrät die Autorin auch ihre Top-30-Erfolgstipps, so dass es jedem gelingen kann, zu einem Überflieger der Wirtschaft zu werden. Damit ist dieses Trend- und Toolbook ein perfekter Ratgeber für alle, die die Zukunftsstrategie ihres Unternehmens aktiv mitgestalten wollen.

Die Autorin

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, mehrfach preisgekrönte Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als führende Expertin für das Touchpoint Management und eine kundenfokussierte Unternehmensführung. Zu diesen Themen hält sie Impulsvorträge auf Tagungen, Fachkongressen und Online-Events. 2015 wurde sie für ihr Lebenswerk in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen. Beim Business-Netzwerk Linkedin wurde sie Top-Voice 2017 und 2018. Von Xing wurde sie zum Spitzenwriter 2018 und zum Top Mind 2020 gekürt. Ihr Touchpoint Institut bildet zertifizierte Touchpoint Manager und zertifizierte Orbit-Organisationsentwickler aus. www.anneschueller.de

Photo by Tim Mossholder on Unsplash

1 Kommentar

  1. Das ist ein großartiger Artikel für die Zukunft des lebenslangen Lernens. Ich bin gespannt, wie sich unsere Bildungssysteme weiterentwickeln. Für sie wäre es absolut wichtig, damit sie die motivierend bleiben.
    Vielen herzlichen Dank.

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