Wo es trotz Krise Arbeit gibt
Trotz hoher Arbeitslosigkeit suchen manche Branchen weiterhin Hände ringend nach Mitarbeitern. 30.000 offene Stellen sind zu besetzen.
Die Dynamik am heimischen Arbeitsmarkt ist auch in der Krise keineswegs zum Erliegen gekommen. Während in der Industrie derzeit Tausende Jobs abgebaut werden, herrscht in anderen Branchen Personalknappheit. Ende August gab es beim AMS mit knapp 30.000 offenen Stellen einen Jahreshöchststand. Der KURIER spürte die Branchen mit dem aktuell größten Bedarf an Mitarbeitern auf.
Die wohl besten Jobchancen bietet derzeit der Gesundheits- und Bildungsbereich. Im Bereich Alten- und Krankenpflege werden sich in den nächsten Jahren die größten Personal-Lücken auftun, sind sich Experten einig. Im Gesundheitssektor stieg die Beschäftigung im Jahresabstand um 13.000 Personen. Das AMS hat sich mit Ausbildungslehrgängen bereits darauf eingestellt.
Akuter Fachkräftemangel herrscht durch das verpflichtende Kindergartenjahr in der Kinderbetreuung. Allein die Stadt Wien nahm kürzlich 323 KindergartenpädagogInnen zusätzlich zu den bestehenden 3100 auf. “Es war nicht immer ganz leicht, die zusätzlichen Stellen zu besetzen”, sagt Monika Sperber, Sprecherin von Stadtrat Christian Oxonitsch. Beim AMS Wien sind derzeit mehr als 50 Stellen ausgeschrieben: “Wir bilden verstärkt Kindergartenpädagoginnen aus, alle in den Kursen haben bereits einen fixen Arbeitsplatz”, erläutert AMS-Wien-Sprecher Hans-Paul Nosko.
Generell gilt der Bildungssektor als krisenfest. Durch die Überalterung des Lehrkörpers werden bis 2013 österreichweitWeiterer Bericht auf Seite 10 mehr als 4000 junge Lehrerinnen und Lehrer benötigt. In technischen Gegenständen wie Physik gibt es - etwa in Niederösterreich - jetzt schon Nachwuchsmangel.
Hintergrund: Jeder Zehnte hat bereits im Job resigniert
Fluktuation
Den größten Arbeitskräftebedarf haben personalintensive Branchen wie der Einzelhandel und der Tourismus. Kein Wunder also, dass es die meisten offenen Stellen im Verkauf, insbesondere in Supermärkten, Baumärkten oder generell im Bereich Vertrieb gibt. Den aktuell 2900 offenen Stellen im Einzelhandel stehen allerdings 16.500 Arbeitslose gegenüber.
Als die Branche mit der höchsten Fluktuation gilt die Gastronomie, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. “Die Gastronomie sucht permanent Personal”, weiß Nosko. Die Jobchancen für Fachkräfte in der Küche und im Service haben durch die Krise kaum gelitten. Teils unattraktive Arbeitsbedingungen und Bezahlung haben zu Nachwuchsproblemen geführt. Gutes Personal wird Hände ringend gesucht.
Mit Nachwuchssorgen und Imageproblemen kämpft auch die Bauwirtschaft. Trotz gutem Einkommen fehlen viele Fachkräfte. Durch diverse Konjunkturprogramme geht es der Bauwirtschaft derzeit besser als der Industrie, weshalb auch die Arbeitsplatzsituation relativ stabil ist. Die Situation könnte sich aber bei einem sehr strengen Winter rasch wieder ändern.
Analyse: Die Jobs von morgen
Flexi-Jobs
Schon jede vierte offene Stelle beim AMS entfällt auf die Zeitarbeitsbranche. Ein Trend zur Flexibilisierung, der nach der Krise wohl noch zunehmen wird. Wie berichtet, sollen Leiharbeitsfirmen derzeit vor allem Personal-Lücken bei Betrieben decken, die kurzfristig Aufträge hereinbekommen haben. Gesucht wird querbeet, von speziellen Fachkräften in der Metallbearbeitung bis zum Büropersonal: “Wir suchen derzeit mindestens 100 Buchhalter”, sagt Trenkwalder-Prokuristin Irmgard Prosinger.
Nicht jede offene Stelle ist aber auch ein freier Job, wie KURIER-Leserin Carola W. frustriert feststellen musste. Sie hat sich auf 17 Stelleninserate als Büro-Assistentin beworben, aber gerade einmal zwei Antworten erhalten. “Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum die gar nicht reagiert haben”, erzählt sie. Ihr Verdacht: “Ich glaub’ nicht, dass die Firmen wirklich Leute suchen, die inserieren nur zu Marketing-Zwecken.”
Quelle: Kurier Anita Staudacher, Sebastian Paulick



