Randerscheinung: Festnetzwerken
Hier gibt es wieder mal amüsantes, das wir beim Zeitunglesen gefunden haben. Diesesmal aus der Rubrik “Randerscheinung” aus dem Schaufenster von “diepresse”.
Neulich wurde ich also nach meinen Social-Media-Kontaktdaten gefragt und konnte errötend nur auf meine eine dalkerte E-Mail-Adresse verweisen.
Neulich wurde ich also nach meinen Social-Media-Kontaktdaten gefragt (fragen Sie nicht von wem, fragen Sie nicht warum) und konnte errötend nur auf meine eine dalkerte E-Mail-Adresse verweisen. Meine Handynummer auch noch anzugeben, wäre mir dann doch zu peinlich gewesen. Ich erinnere mich, dass ein älterer Kollege damals beim Aufkommen der elektronischen Post hartnäckig von seiner E-Mail-Nummer gesprochen hat. Weit ist es dorthin für mich auch nicht mehr. Meine netzwerkliche Abstinenz speist sich aus mehreren Quellen: zum einen aus der Unfähigkeit zum Netzwerken an sich. Sie ist nicht der Arroganz geschuldet, sondern dem Umstand, Sozialkontakte an sich nicht adäquat filtern zu können. Vieles Zwischenmenschliche beschäftigt mich immer schon viel zu viel, anderes wieder deutlich zu wenig.
Zweitens könnte ich es wahrscheinlich schlecht verwinden, Ablehnung im Netz zu erfahren. Wie ich bei meinem ältesten Sohn täglich mitbekomme, spielt sich über die Zustimmung auf Facebook ein unglaublicher Selbstwertgefühltransfer ab. Oder das Gegenteil. Ich will mich dem schlicht nicht aussetzen. Zu sehr sitzt mir noch im Nacken, dass ich zu Tanzschulzeiten einmal bei einer Damenwahl übrig geblieben bin.
Dazu kommt noch diese Fotosache. Ich scheue mich davor, Bilder von mir online zu stellen. Zwar hätte ich diesen Handykamerastyle ganz gut drauf. Aber ich habe den Eindruck, wer etwas auf sich hält, der lädt seine Bilder dieser Tage nicht mehr hoch, sondern wartet, bis sein iPhone gehackt wird. Und geht dann zum FBI.
Viertens und letztens reicht das, was ich so erlebe, kaum, um auch nur getwittert zu werden (was erzähl ich Ihnen, Sie haben leidvolle Erfahrung damit). Immerhin habe ich Kabelfernsehen. Und eine Festnetznummer. Damit kann man sogar leidlich netzwerken. Nur für den Fall.
Quelle: Aus der Rubrik “Randerscheinung” von Florian Asamer



