AMS News - Lektionen aus der Krise: Auf dem Weg in eine neue Normalität
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Länderkrise: Die Welt wird immer schneller und volatiler: Wie sich Unternehmen und Arbeitnehmer/innen darauf vorbereiten
(Wien. 8.6.2010) - Die enormen ökonomischen und auch gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben sich natürlich auch am Arbeitsmarkt gezeigt. Eine stark steigende Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse hat zur wachsenden Dynamik am Arbeitsmarkt geführt. Waren etwa im Jahr 1992 noch 627.000 Personen mindestens einen Tag im Jahr von Arbeitslosigkeit betroffen, so kletterte dieser Wert im Vorjahr bereits auf 852.000. Gleichzeitig stieg aber auch die Beschäftigtenzahl von jahresdurchschnittlich 3.056.000 auf 3.374.000 Personen, das heißt um 318.000 Personen. „Der stark steigende Wechsel zwischen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit zeigt nicht nur, dass viele zusätzliche Jobs entstanden sind, sondern auch, dass viele Betriebe ihre Personalstände auch flexibler an sich oftmals rasch wechselnden Auftragslagen anpassen”, erklärte Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice, heute, Dienstag, auf der Pressekonferenz der Firma Manpower AG.
Immer mehr Unternehmen verlagern im Rahmen der globalen Arbeitsteilung „einfache” Tätigkeiten, wie die Herstellung von Massenprodukten ins Ausland, während immer mehr wissensbasierte, konzeptive und hochspezialisierte Arbeit bei uns verrichtet wird. Das heißt, Österreich muss auch in Zukunft massiv in Aus- und Weiterbildung investieren, denn ungelernte Kräfte werden es bei uns immer schwerer haben, Arbeit zu finden. Diese Entwicklung zeigt sich auch deutlich in den Daten des AMS: Das mit Abstand höchste Arbeitslosenrisiko haben jene Personen, die keine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung aufweisen. Pflichtschulabsolvent/inn/en haben mit einer Arbeitslosenquote(2009) von 17,7 Prozent ein mehr als sieben mal höheres Risiko arbeitslos zu werden, als Akademiker/innen mit einer Quote von 2,4 Prozent.
Und trotzdem ist die gestiegene Dynamik nicht nur Herausforderung sondern auch Chance zu verhindern, dass sich Arbeitslosigkeit bei den betroffenen Personen verfestigt. Es gilt arbeitssuchenden Menschen durch Vermittlung und wo notwendig Qualifizierung zu helfen möglichst rasch wieder einen Job zu finden. 2009 hat trotz Wirtschaftskrise jede/r zweite Jobsuchende, die/der an einer Schulung des Arbeitsmarktservice teilgenommen hat, bereits innerhalb von drei Monaten nach Ende der Schulung ein neues Beschäftigungsverhältnis gefunden. Seit Jahresanfang bis Ende Mai 2010 haben insgesamt bereits mehr als 305.000 Personen mit Unterstützung des Arbeitsmarktservice wieder oder erstmals eine Arbeit aufgenommen und tausende Unternehmen zur Besetzung von rund 170.000 offenen Stellen die Hilfe des AMS in Anspruch genommen.
Starke Arbeitskräftenachfrage bei Zeitarbeitsfirmen: 7.100 freie Jobs Ende Mai
Der nun vorliegende leichte Wirtschaftsaufschwung zeigt sich bereits an der steigenden Arbeitskräftenachfrage von Österreichs Unternehmen. Seit Jahreswechsel verzeichnet das AMS einen Anstieg bei der Zahl der gemeldeten Stellen. Ende Mai lag die Zahl der gemeldeten Stellen mit insgesamt rund 32.000 um rund 4.600 oder 16,5 Prozent über dem Niveau von Mai 2009. Für 2010 wird ein deutlicher Stellenzugang in den Branchen Gesundheit und Soziales, Erziehung und Unterricht sowie Tourismus und Energiewirtschaft erwartet. Eine starke Arbeitskräftenachfrage verzeichnet aber auch die Branche der Zeitarbeitsfirmen. Ende Mai gab es dort mit insgesamt knapp 7.100 freien Stellen um rund 2.600 oder knapp 53 Prozent mehr freie Stellen als noch im Mai des Vorjahres. Die Zeitarbeitsbranche gehört damit sicherlich zu den Gewinnern der Wirtschaftserholung. Das AMS arbeitet seit Jahren intensiv mit der Branche zusammen. Der Anteil der von Zeitarbeitsfirmen gemeldeten Stellen an allen dem AMS gemeldeten Stellen betrug im Vorjahr 16 %. Im Jahr 1998 lag dieser Anteil noch bei etwa 4,1 %.
Für den Erfolg eines Unternehmens sind qualifizierte Mitarbeiter/innen in Zukunft mehr den je Voraussetzung. Es werden zunehmend Arbeitskräfte mit Mehrfachqualifikationen (z.B. technische und kaufmännische Ausbildung, oft auch noch kombiniert mit Sprachkenntnissen) und mit sozialen Kompetenzen gesucht. Vor allem Teamfähigkeit, Verhandlungsgeschick, Präsentationsstärke, Flexibilität und Lernbereitschaft werden gefragt sein. Erfolgreiche Arbeitgeber/innen bieten ihren Mitarbeiter/innen große Entscheidungsspielräume, flexible Arbeitszeiten, Telearbeit und projektorientierte Arbeitsfelder. Unternehmen der Zukunft setzen auf flache Hierarchien, netzwerkartige Unternehmensstrukturen und auf ein hochentwickeltes Wissens- und Informationsmanagement im Unternehmen.
(Quelle: www.ams.at)



