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Bildquelle: CC0 Public Domain - pixabay.com

Folgend ein Gastartikel für hafawo, von unserem Kollegen Markus Cerenak. Erst vor Kurzem war ich ein Monat in den USA. Ein Roadtrip durch Kalifornien war geplant. Nachdem ich im Tao lebe – also im Jetzt – nichts erzwinge und noch weniger plane wurde daraus ein Trip durch Kalifornien, Arizona, Nevada und Utah. 5000 Kilometer, 25 Hotels und unglaublich viele Eindrücke, die ich mit Planung und einem Reiseführer unter dem Arm niemals erlebt hätte.

Üblicherweise benutzt man so einen Trip heutzutage als „Auszeit“. Für ein „Sabbatical“ ist es natürlich zu kurz, aber ein Monat mit einem Ford Mustang Convertible von San Francisco über L.A., San Diego, Phoenix, Grand Canyon, Las Vegas etc. würden viele als tollen Urlaub bezeichnen. Sie wären froh, dass in der Mojave Wüste kein Handyempfang ist, und würden in den Motels nicht als Erstes nach dem WLAN fragen.

Ich sehe das völlig anders. Ich habe auf diesem Trip nicht nur mein neues eBook geschrieben, sondern 8 Blogbeiträge, ein Social Media-Konzept, habe Facebook Ads für Kunden geschaltet, einen Newsletter verfasst und ein neues Seminar zu entwickeln begonnen. Viele werden jetzt den Kopf schütteln. Das Wort „Workaholic“ liegt nahe. Ein Selbständiger hat eben nie Urlaub. Er arbeitet selbst und ständig. Work-Life-Balance gibt’s nicht einmal für Angestellte, geschweige denn für Selbstständige.

Du denkst dir sicher, warum schreibt er Blogartikel, Bücher, Konzepte etc., während er ein Monat durch Kalifornien fährt? Warum genießt er seinen Urlaub nicht und lässt MacBook und iPad zu Hause?

Die Antwort ist einfach. Weil es sich nicht wie Arbeit anfühlt. Diese ganze Work-Life-Balance Diskussion hängt mir ziemlich zum Halse heraus. Wenn ich davon ausgehe, dass ich eine Balance brauche zwischen „Gut“ (Life) und „Böse“ (Work) kann irgendetwas mit meinem „Work“ nicht stimmen. Für mich gibt es mein Leben. Darin kommen verschiedene Elemente vor, die mir Spaß machen und ich nicht in „Gut“ und „Böse“ kategorisieren will.

Also ist Work-Life-Balance ein Irrtum. Erdacht von Menschen, die im Hamsterrad-Schema denken. Warum? Weil es eine Vorannahme in sich trägt: Nämlich das ich eine Balance halten muss, zwischen Gutem und Bösem. Ausgleich muss nur geschaffen werden, wo es zuviel von einer Sache und zuwenig von der anderem gibt. Und gleichzeitig ist die Aufteilung auch wertend. Nämlich „Work“ ist das Böse, das Unangenehme, das eben sein muss, das aber durch „Life“ ausgeglichen werden soll. Niemand hat das jemals hinterfragt. Niemand hat jemals bemerkt, dass wir mit dieser Denkweise davon ausgehen, dass „Work“ etwas ist, das einen positiven Gegensatz, einen Ausgleich braucht.

Ich bin kein Fan von „Entweder-Oder“-Denken. Dieses Denken schränkt ein, hält uns davon ab Möglichkeiten zu sehen, lässt uns im alten „Das war doch immer schon so“ Fahrwasser vor uns herdümpeln. Ich bin ein überzeugter Verfechter des „Sowohl-Als auch“-Denkens. Ich habe jahrelang gleichzeitig als Opernkritiker und DJ gearbeitet. Manchmal habe ich nach der Premiere in der Wiener Staatsoper das Jackett ausgezogen, um in die Wiener Discothek U4 zu fahren und dort aufzulegen. Meine DJ-Kollegen haben den Kopf geschüttelt. Meine Journalistenkollegen auch. Für mich war es aber ganz normal. In meinen Trainings bemerke ich oft, dass ein „Sowohl-Als auch Denken“ viele Probleme löst, weil Grenzen aufgeweicht werden.

Und somit denke ich, dass „Work-Life-Balance“ nur bedeuten kann, dass ich entweder arbeite oder ein Leben habe. Alleine die Wortwahl ist schrecklich. Soll damit ausgedrückt werden, dass die ganze Zeit, die du in der Arbeit verbringst, nicht dein Leben ist? Wollen uns all die klugen Ratgeber, Trainer und Therapeuten tatsächlich damit sagen, dass das Leben erst beginnt, wenn du abends das Büro verlässt? Wollen sie dir wirklich weiß machen, dass du dann also in der „Freizeit“ (auch ein furchtbares Wort, das impliziert, dass wir sonst „unfrei“ sind) dich gefälligst um Ausgleich zu bemühen hast, dass dein Leben nur im Urlaub oder am Wochenende lebenswert ist?

Ich denke, dass dieser Gedanke das große Schreckgespenst „Burn out“ nicht verjagt, sondern heraufbeschwört. Wenn ich weiß und davon ausgehe, dass mein „Life“ erst wieder in ein paar Stunden oder Tagen genießbar ist, dann läuft einiges schief.

Wenn du deiner Leidenschaft folgst, brauchst du keinen Ausgleich. Es gibt kein „jetzt muss ich mal entspannen“, weil es keine Verspannung gibt. Ich muss mich nicht bemühen auf andere Gedanken zu kommen, weil ich diese Gedanken liebe. Das Ganze hat für mich aber natürlich nichts mit „Workaholic“ sein zu tun. Es hat viel mehr damit zu tun, dass man das tut, was man liebt. Dass man seine Leidenschaft kennt und den Mut hat, ihr zu folgen. Damit wird man dann auch wie selbstverständlich erfolgreich. Machst du es gerne, machst du es gut. Machst du es gut, wirst du herausragend. Bist du herausragend, stellt sich der Erfolg ein. Mag esoterisch klingen, aber ich glaube fest an Business-Karma. Die Zeit der Ellbögen ist vorbei.

Ich mag den Gedanken erfolgreich zu sein, mit dem was man gerne tut. Mein Blogprojekt »MarkusCerenak.com – Lass es dir gut gehen« unterstützt Menschen dabei das berufliche und private Hamsterrad zu verlassen und ihre Leidenschaft zu finden.

Lass es dir gut gehen
Markus

P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ehrlichkeit das Leben einfach macht.
Markus Cerenak ist Trainer, Social Media Consultant, Online Marketer und Entrepreneur, wobei er die Bezeigung „Digitaler Vagabund“ bevorzugt. Er war Marketing-Leiter, Chefredakteur, Product- und Event-Manager, Werbetexter, DJ, Barkeeper, Opernkritiker und Flirttrainer u.v.m. Nachdem er das normale Arbeitsleben hinter sich gelassen hat, absolvierte er in den USA die NLP-Trainer Ausbildung bei Dr. Richard Bandler (Co-Erfinder des NLP), wurde Kommunikations-, Motivations- und Mentaltrainer sowie systematischer Coach. Markus Cerenak ist 39, empfindet seine Wurzeln in Wien, lebt und arbeitet jedoch auf der ganzen Welt.

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5 Kommentare

  1. Hey Markus,

    super Artikel. Kenne deinen Blog schon und lese immer fleissig mit.

    Auch ich bin kein Freund des „Entweder/Oder“, sondern des „Sowohl/als auch“

    Großartig.

    Vielen Dank für deine Impulse.

    Gruß, Michel

  2. Endlich spricht es mal einer aus.
    Wer seine Arbeit liebt, wird schnell als Workaholic bezeichnet und kommt in die Kranken-Ecke. Ich glaube, wer seine Arbeit mit Freude macht, fühlt, wann es Zeit ist zu entspannen. Er geht erst auch gar nicht davon aus, sie „perfekt“ machen zu wollen. Dieser Anspruch stresst natürlich enorm. „Perfekt“ ist nicht mit „liebevoll“ zu verwechseln.

  3. Hallo Markus,

    in einem muss ich Dir Recht geben: „Work-Life-Balance“ ist ein falscher Begriff – denn er impliziert, dass Arbeit außerhalb des Lebens stattfindet. ;)

    Allerdings halte ich es für gefährlich, die Arbeit (oder irgend eine andere Tätigkeit) als Form der „Anspannung“ mit in die „Entspannung“ zu nehmen. Natürlich kann Arbeit auch Leidenschaft sein – und wenn Du im Flow bist, wirst Du sie als „Anspannung“ gar nicht wahrnehmen. Übst Du sie zu häufig oder zu engagiert aus und missachtest Zeiten der Ruhe, wirst Du dennoch krank.

    Was denkst Du, wie viele Burnout-/ Depressions-Erkrankte es gibt, die ihre Arbeit lieben? Viel zu viele – denn die Erkrankung entsteht häufig dadurch, dass man seine Arbeit (oder andere Tätigkeiten) zu häufig und zu perfekt machen möchte und andere Dinge vernachlässigt.

    • hi mirko
      mir geht es nicht darum „Arbeit“ irgendwohin mitzunehmen. Mir geht es darum, dass ich die Trennung an sich komisch finde. Und den Gedanken dass „Arbeit“ Anspannung sein muss. Wie wäre der Gedanke, dass uns das was wir tun, also unsere „Arbeit“ entspannt. Warum kann es nicht so sein, dass Arbeit Eustress hervor ruft und nicht Distress.

      Ich denke die Burnoutfälle entwickeln sich nicht, weil Menschen ihre Arbeit lieben, sondern weil sie sie perfekt machen wollen. Meistens nicht für sich, sondern für andere.

      Ich mag den Gedanken etwas zu tun, was man nicht als Arbeit empfindet, damitz erfolgreich zu sein und auch damit gutes Geld zu verdienen.

      Ich denke, dass das Hamsterrad uns diese Gedanken nur allzu gerne verbieten möchte.
      Lass es dir gut gehen
      M

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