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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Das HaFAwo-Team liest gerne und viel. Nun, das dürfte für unsere Leser keine neue Nachricht sein. Gerade deshalb möchten wir euch wieder einmal ein echt unterhaltsames Buch empfehlen. Ute Lauterbach hat ein sehr gelungenes Werk über das alt bekannte Thema des Jammerns verfasst. Ein Thema das jeden von uns täglich umgiebt. Sehr gefallen hat mir ihr Intro, eine Einführung die jeder von uns versteht. Vielleicht gerade deshalb, weil uns so sehr beschäftigt.

Sie schreibt:

„Im Nachschlagwerk finden Sie: jammern (Verb, Tuwort), streng zu unterscheiden von weinen, wehklagen, Zähne knirschen und nölen. Der Jammeranlass ist ein Leid oder Missstand. Und dann geht sie los – die Jammerei. das gemeine Hausjammern wird als Ventil zwar gern genommen, aber die Nachteile überwiegen: das banale Jammern auf niedrigem oder hohem Niveau löst keine Not, sondern verfestigt sie.

Unterm Strich schwächt diese Art des Jammerns. Wer beharrlich jammert, wird irgendwann zum Jammerlappen (Nomen, Hauptwort). Jammerlappen brauchten bisher keine spezielle Qualifikation. Sie jammerten einfach – einerlei ob sich jemand für ihre Not interessierte oder nicht. Und je jammer, desto weniger attraktiv der Lappen. Irgendwann jammern sie ganz allein, so still oder weniger still vor sich hin. Wenn sich die Jammerlappen irgendwann ganz festgejammert haben, ist niemand mehr da, der sich für sie begeistert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie unqualifi ziert jammern. Sie könnten sich freijammern anstatt festzujammern. Jammern ist grundsätzlich weder für den Jammerer noch für sein Gegenüber besonders erquicklich. Es ist einerlei, ob du als Frau oder Mann jammerst. Unerotisch bleibt es auf alle Fälle. Tatsächlich ist es so, dass alle Geschlechter wild durcheinander jammern. Gelingt es, so richtig frisch zu jammern, dann kann das Jammern sogar einen Jammergewinn (Nomen, Hauptwort) abwerfen. Voraussetzung ist, dass wir das Jammern weder auf Biegen und Brechen vermeiden, noch darin aufquellen. Stattdessen lassen wir uns wahrhaftig darauf ein. Dann wirft es einen echten Jammergewinn ab.

Der unechte Jammergewinn sieht so aus: Die anderen trösten dich, sie fühlen mit und engagieren sich für dich. Meistens nur anfangs. Wenn sie dann deine Platte kennen und merken, dass sich nichts ändert, müssen sie schon ein handfestes Helfersyndrom haben, um bei der Stange zu bleiben. Eine gewisse sumpfige Gemütlichkeit im jammerigen Selbstmitleid ist nur ein vorübergehender Jammergewinn für besonders
Gestresste.

Der echte Jammergewinn liegt vor, wenn mich das Jammern mit mir selbst vertraut macht:

  • Es deckt Wünsche auf.
  • Es macht mir meine Werte bewusst.
  • Auch meine Grenzen.
  • Mein Kampf gegen die Realität wird aufgedeckt.

Ebenso der Kampf gegen mich selbst. Wenn wir diesen Jammergewinn nicht einsacken, wird alles schlimmer. Die seelische Weichenstellung geschieht von selbst – ohne Anstrengung -, wenn wir das Jammern als Türöffner zur eigenen Befindlichkeit erleben. Nicht mehr: Ich will so nicht sein (= hadern). Sondern: Ach so bin ich (= akzeptieren). Also Innehalten bei sich selbst. Nicht mehr blöd gegen sich ankämpfen, sondern eher Gas geben, damit der Jammergewinn schön reich ausfällt. Wie? So:

  • den Jammeranlass unmäßig übertreiben
  • das Selbstmitleid ebenfalls
  • schließlich den Vorteil am Nachteil sehen
  • Ansprüche und Werte ins Gegenteil kehren
  • sich ganz dem Gefühl der Missbefindlichkeit hingeben, anstatt es zu vertexten
  • diese Missbefindlichkeit so lang ganz genau beschreiben – bis sie sich auflöst.

Als Metaregel formuliert: Nicht wegschieben, nicht hadern, nicht verdrängen, sich nicht überspringen, sondern sich tiefer dem stellen, was im Innern passiert. Bleiben anstatt rennen. So laden wir die Paradoxie der Verwandlung ein. Veränderung geschieht von selbst, wenn wir sie NICHT forcieren, sondern uns einfach uns selbst so total wie möglich stellen und ausliefern.“

Wer mehr über die hohe Kunst des Jammerns lesen will, dem empfehlen wir …
Jammern mit Happy End: Mit Cartoons von Peter Gaymann

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