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Viele von uns denken, glücklich ist nur, wer sich freut und gut zu seinen Mitmenschen ist – doch das muss nicht immer so sein. Dies zeigt nun eine interessante Studie. Laut dieser ist glücklich, wer sich auch seinen negativen Emotionen hingibt.

Hatte Aristoteles also doch recht? Der griechische Philosoph und Vordenker ging nämlich in seiner „Nikomachischen Ethik“ davon aus, dass jene Menschen am glücklichsten sind, die ihren Gefühlen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort der richtigen Person gegenüber freien Lauf lassen. Die sich also dann freuen und ärgern, wenn ihnen danach ist.

Dass es sich tatsächlich so verhält, haben nun Psychologen aus Israel, den USA und Südkorea in einer gemeinsamen Studie herausgefunden. „Glücklich sein ist mehr, als nur ausschließlich Vergnügen zu empfinden bzw. Schmerz und andere negative Gefühle zu vermeiden“, sagt eine der Studienautorinnen.

Um herauszufinden, wann Menschen glücklich sind, hatten die Psychologin und ihre Kollegen über 2.000 Studierende in Brasilien, den USA, Deutschland, Ghana, Israel, Polen, China und Singapur nach deren Emotionen befragt – konkreter: welche Gefühle sie haben und welche sie gerne hätten. Darüber hinaus untersuchten die Forscher, inwieweit es bei den Teilnehmern Anzeichen für eine depressive Gemütslage gab bzw. wie zufrieden sie mit ihrem Leben waren.
Den Ärger nicht zurückhalten

Im Ergebnis zeigte sich: Was in einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Lebensumstand das „richtige“ Gefühl ist, variiert zwar von Person zu Person und wird auch von kulturellen Unterschieden beeinflusst. Der hauptverantwortliche Glücksmechanismus ist aber global derselbe: „Deckt sich der Wunsch nach einer bestimmten Emotion mit dem tatsächlich erlebten Gefühl, kann jede Emotion glücklich machen“, so die Psychologin Tamir.

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Hass, Feindseligkeit, Ärger und Geringschätzung sind demnach unter Umständen ebenso Glücksmotoren wie Empathie, Liebe, Vertrauen, Leidenschaft, Begeisterung und Zufriedenheit, heißt es in der Studie. „Eine Frau, die ihren Mann verlassen möchte, weil er sie sehr schlecht behandelt, wünscht sich vielleicht, sie würde ihn weniger lieben“, erklärt Tamir. Ein grundsätzlich gutes Gefühl, das man nicht haben möchte, macht demnach allein nicht glücklich.

Freilich waren diejenigen, die sich Ärger und Hass wünschten, in der Minderheit. Dennoch machten sie in der Untersuchung rund zehn Prozent aus, weitere zehn Prozent wünschten sich weniger gute Gefühle wie Liebe oder Empathie. „Natürlich wollen die meisten gute Gefühle wie Freude oder Liebe empfinden“, sagt Tamir. Manchmal sei das aber nicht förderlich. „Vor allem in der westlichen Welt haben wir übersteigerte Erwartungen an unsere Gefühle. Selbst wenn wir uns gut fühlen, wollen wir uns noch besser fühlen – das macht nicht glücklich.“

„The Secret to Happiness: Feeling Good or Feeling Right?“, Journal of Experimental Psychology: General, 14.8.2017

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