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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Sie sind schon einmal lieber in die Firma gegangen? Der Chef hat Ihre Freude an der Arbeit endgültig gekillt? Das ist schlecht. Denn Motivation für den Job erhöht für jeden für uns das Lebensglück und für das Unternehmen die Produktivität. Zum Glück kann Motivation zurückgewonnen werden. Schlaue Führungskräfte sorgen für engagierte Mitarbeiter. Aber jeder kann auch selbst zu seiner Zufriedenheit beitragen.

„Du schaffst es!“ Emil Ratelband brüllt und ballt die Fäuste, während die Seminarteilnehmer zu spektakulärer Lichtshow und wummernder Discomusik auf der großen Bühne Metallstangen verbiegen. „Ich bin ein Fan der 35-Stunden-Woche, ich mache sie gleich zweimal“, dröhnt Jürgen Höller seine Powermotivation ins Mikro und lässt Manager, Unternehmensberater und Verkäufer in Scharen über glühende Kohlen marschieren. „Du hast die Wahl: Willst Du eine Ameise bleiben oder fliegen wie ein Adler?“ So fragt Ulrich Strunz und verfüttert seinen Anhängern Powerpillen in 1000er-Packungen.

Es sind die 90er-Jahre, als der ehemalige Pommes-Buden-Besitzer Ratelband, der gelernte Speditionskaufmann Höller und der selbsternannte Fitness-Papst Strunz Scharen zu sogenannten Motivationstagen mit klingenden Namen wie „Life is changing“, „Gesetze der Gewinner“ oder „Power for you“ locken können. 3000 sind es im Wiener Austria Center, 15.000 in der Dortmunder Westfalenhalle. Sie alle erwarten, den ultimativen Kick ihres Lebens zu bekommen. Doch sobald sich die Massen verflüchtigt haben, sind sowohl ein paar 1000 Euro als auch die Motivation futsch.

Mittlerweile ist es um die sogenannten Motivationsstars sehr ruhig geworden. Mit Feuerlauf und Powerpillen bewegt heute keiner mehr die Massen, sondern macht sich maximal zur Lachnummer. Was aber nicht heißt, dass Motivation für den Job kein Thema mehr wäre. Ganz im Gegenteil: Jeder vierte Arbeitnehmer hat bereits innerlich gekündigt. Bei zwei Drittel ist die Identifikation mit dem Arbeitsplatz so gering, dass sie maximal Dienst nach Vorschrift machen. Und nur noch magere 15 Prozent sind tatsächlich voll engagiert. Der durch Globalisierung und Krise stark gestiegene Leistungsdruck ist – ohne flankierende Maßnahmen in Unternehmen – häufig ein Motivationskiller.

Die Unmotivierten liegen nicht so sehr auf dem Faulbett, viel eher im Krankenbett. Arbeit ohne Antrieb macht krank, zeigen uns die Statistiken. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten steigen bei Mitarbeitern ohne emotionale Bindung ans Unternehmen um 70 Prozent, die Produktivität hingegen sinkt dramatisch und beschert Österreichs Wirtschaft im Jahr Einbußen von rund 15 Milliarden Euro.

Gute, motivierte Mitarbeiter zählen daher zum größten Kapital, das ein Unternehmen haben kann, und sie werden heute so händeringend gesucht wie in den Sechzigern. Eigentlich sollte das Problem so schwer nicht zu lösen sein. Denn echte Motivation, Freude an der Arbeit, die Lust, etwas zu schaffen – darin sind sich Psychologen und Hirnforscher einig -, kommt von innen und ist dem Menschen grundsätzlich eigen. Führungskräfte brauchen demnach gar nicht großartig von außen zu motivieren. Es reicht schon, die Mitarbeiter nicht zu demotivieren!

Was frustriert Arbeitnehmer am meisten? „Es ist zunächst einmal die mangelnde Sichtbarkeit“, weiß die Psychologin Irene Kloimüller. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema Arbeitsfähigkeit und ist in das fit2work-Programm des Sozialministeriums eingebunden: „Die Menschen wollen für das, was sie tun, eine entsprechende Resonanz, ein Feedback. Stattdessen haben die Arbeitnehmer das Gefühl, dass die Regulierungen und Kontrollen immer stärker werden und der persönliche Spielraum, um eigenständig und kreativ zu handeln, immer kleiner.“

Schlechte Chefs vergessen oder verweigern Anerkennung und Wertschätzung, sind Kontrollfreaks und Stress-Macher, indem sie permanenten Druck erzeugen. Stress treibt den Ausstoß des Hormons Cortisol voran; hohe Cortisol-Werte schwächen das Immunsystem und schränken die Denkfähigkeit ein. Cortisol attackiert die Areale im Hirn, die dafür zuständig sind, Zusammenhänge herzustellen, Informationen zu archivieren und abzurufen, zu planen und zu entscheiden. Stressende Chefs schwächen somit die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter. Sie killen deren Engagement und machen zuweilen tatsächlich krank.

Emotionales Gehalt

Aber Arbeitnehmer werden für ihre Tätigkeit bezahlt. Sollte das nicht Motivation genug sein – besonders in wirtschaftlich schlechteren Zeiten, da die Angst um den Arbeitsplatz umgeht? Fehlanzeige! Die Tatsache, dass seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 mehr Menschen um ihre Jobs zittern, hat nicht zu einer Steigerung des Engagements geführt. Weder eine Verschlechterung noch eine Verbesserung der Konjunktur bringen eine nennenswerte Veränderung in Bezug auf die emotionale Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen.

Messbare Unterschiede hingegen machen ein gutes Betriebsklima, eine interessante Aufgabenstellung, Wertschätzung und ein großer Freiraum für selbständiges Arbeiten. Unter solchen Bedingungen wird gerne gearbeitet, die Produktivität steigt, die Unternehmen machen Gewinne. Aber dazu müssen sich oft die Rahmenbedingungen ändern. Das ist zwar mit einigem Aufwand verbunden, aber in den seltensten Fällen mit finanziellem. Am Ende läuft alles auf solides Führungshandwerk hinaus: Menschen beobachten, fördern und ihrem Potenzial entsprechend entwickeln. Dazu können Chefs einiges beitragen.

Aber auch als Mitarbeiter kann ich mir meine verloren geglaubte Motivation zurückholen. Das bedarf in erster Linie einer klaren Entscheidung zu einer positiveren Sichtweise und ein gutes Stück Arbeit an verinnerlichten Glaubenssätzen. Sie zu ändern, ist nicht ganz einfach, bringt aber den angenehmen Zusatznutzen, dass an die täglichen Herausforderungen wieder mit Freude herangegangen wird.

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