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„Ja, aber….“

2 Worte die ich in meiner Zeit als Manager schon sehr oft gehört habe. Es sind Worte, die im Nachhinein betrachtet, Situationen nur kompliziert und Prozesse langwierig machen. Wenn Personen keine Kritik akzeptieren, wird automatisch die Kommunikation gestört. Es entsteht sozusagen eine „lose-lose“ Situation.

Als Manager habe ich schon sehr oft gutes Feedback und Lob zu meinem Führungsstil, und die Art wie ich Mitarbeiter behandle, bekommen. Diese positiven Worte sind es, welche mich in meiner Arbeit immer wieder beflügeln und mich zu Höchstleistungen motivieren. Es gab aber, vor allem in meinen Anfangszeiten, auch hin und wieder negative Kritik. Vor allem durch meinen Chef in meiner ersten Firma, für den ich immer viel zu „menschlich“ und großzügig war. Schlimm war es natürlich immer dann, wenn ich für etwas kritisiert wurde, von dem ich persönlich zu 100% überzeugt war.

Am Anfang war es sehr hart für mich, diese Kritik zu akzeptieren. Besonders wenn man jung und unerfahren ist, und glaubt, man verändert jetzt die Welt. Aber ich habe lernen müssen, mit dieser Kritik umzugehen. Mir wurde mit der Zeit bewusst, dass ich mich nur so wirklich weiterentwickeln konnte.

Ich denke, die erste Reaktion der meisten Menschen auf Kritik ist, sich zu verteidigen, oder schlimmer noch, zurück zu maulen. Das ist aber in jeder Hinsicht nur destruktiv. Kritik wird von vielen sofort verletzend und demoralisierend gedeutet. Jedoch ist das nur sehr selten der Fall. Selbst wenn eine Kritik, die man bekommt, nicht konstruktiv ist, so kann man sie konstruktiv machen. Frage nach, warum du kritisiert wirst und wie du es besser machen kannst. Betrachte es in einer positiven Art und Weise. Kritik ist meistens ehrlich, und sollte uns anspornen, etwas besser zu machen. Man muss das Ganze als Chance betrachten.

Ich habe als Manager damals angefangen, bei den Monatsgesprächen mit meinen Filialleitern die Rubrik „Bitte um Kritik“ einzubauen. Natürlich kam am Anfang gar nichts. Nur Lob. Niemand fand etwas zum Kritisieren, oder hatte Angst davor es zu tun. So musste ich eben hart bleiben und teilte den Filialleitern mit, dass das Gespräch nicht beendet ist, bis ich mindestens eine konstruktive Kritik von jedem bekomme habe. Natürlich hat dann doch jeder etwas zu kritisieren gefunden. Was auch gut war, denn nichts auf dieser Welt ist perfekt. Ich habe die Kritik angenommen, mir Notizen gemacht und mich anschließend für die Kritik, und somit die Möglichkeit mich zu verbessern, bedankt.

Ich habe diese Liste dann in den darauf folgenden Tagen sofort aufgearbeitet, und im folgenden Monat beinhart versucht, mich zu verbessern. Das Ergebnis war grandios. Einerseits konnten es meine Mitarbeiter kaum glauben, wie ernst ich ihre Kritik nahm, und andererseits bin ich in meiner Persönlichkeit unglaublich gewachsen. Die Kommunikation zu meinen Filialleitern wurde dadurch sensationell. Vor allem da ich ihre Kritik sehr ernst nahm, waren sie auch viel offener gegenüber meiner.

Wie habe ich nun gelernt, kritikfähiger zu werden?

Kontrolliere deine erste Reaktion
Wenn es normalerweise deine erste Reaktion ist, dass du bei Kritik sofort zurück meckerst oder persönlich wirst, dann warte erst einmal ein paar Sekunden, bevor du überhaupt reagierst. Mache einen tiefen Atemzug, lasse die Worte auf dich wirken und denke nach.

Ich persönlich neigte immer dazu, ein wenig wütend zu werden, wenn mich jemand kritisiert hat. Ich habe aber gelernt, trotzdem nicht sofort negativ zu reagieren. Lasse das ganze erst einmal sitzen. Wenn du die Kritik absolut ungerechtfertigt findest, dann stelle Fragen, warum die Person das so sieht. Oder sage gar nichts und arbeite die Kritik in deinem Kopf auf, anstatt etwas zu sagen, was du später bereust.

Diese „cool down“ Phase räumt dir etwas Bedenkzeit zu deiner ersten Reaktion ein. Es gibt der Logik die Chance vor der Emotion zu handeln. Ich habe nichts gegen Emotionen, aber sie sind schwer zu kontrollieren, und wenn es eine negative Emotion ist, kann es dazu führen, dass mehr Schaden als Nutzen entsteht. Also ruhig bleiben. Ganz, ganz ruhig bleiben. Lasse dich nicht von deinen Emotionen leiten, und reagiere erst dann, wenn du einen kühlen Kopf hast.

Aus Negativ mache Positiv
Einer der Schlüssel zum Erfolg in meinem Leben ist, die Fähigkeit Positives in Dingen oder Situationen zu sehen, in denen die meisten Menschen nur Negatives erkennen können. Eine Krankheit zwingt mich mein Fitness- oder Trainingsprogramm abzubrechen? Das ist der perfekte Zeitpunkt um zu Rasten und neue Kräfte zu sammeln. Mein Job ist langweilig und macht mich traurig? Ideal um etwas Neues zu entdecken, und mich um einen anderen Job umzusehen. Ein Hochwasser ruiniert alle meine Besitztümer? Das ist der Zeitpunkt darüber nachzudenken, dass Besitztümer nur Zeug sind, und freue mich, dass es mir und meinen Liebsten gut geht.

Du kannst das Gleiche mit Kritik tun: „finde das Positive heraus“. Natürlich kann es oft unhöflich und gemein klingen, aber in den meisten Kritiken, können wahre Goldnuggets versteckt sein: „ehrliches Feedback, Vorschläge für Verbesserungen oder Warnungen die man ernst nehmen sollte“. Oft würden Situationen im Leben positiver verlaufen, wenn man mehr auf Kritik hört. Auch wenn es zu Beginn manchmal weh tut.

Zum Beispiel diese Kritik: „Sie schreiben über die gleichen Dinge immer und immer wieder und ihre Beiträge sind farblos und fad.“

Tut natürlich beim ersten Mal lesen weh, aber vielleicht sagt sie mir folgendes: „Ich muss mehr Abwechslung in meine Artikel bringen und neue Wege finden, wie ich alt bewährte Lehren in einem neuen, frischen und lebendigen Stil präsentieren kann.“

Das ist natürlich nur ein Beispiel. Man kann das aber mit fast jeder Kritik so machen. Manchmal hat vielleicht jemand nur einen schlechten Tag erwischt, aber meistens steckt in jeder Kritik ein Körnchen Wahrheit. Betrachte es als Chance zur Verbesserung, denn ohne ständige Korrekturen in unserem Leben, würden wir still stehen. Stillstand bringt nichts auf dieser Welt weiter. Änderungen und Verbesserungen sind eine gute Sache.

Zum Thema:  Der Weg zum Stehaufmännchen – Fehlschläge mit Champagner feiern

Danke dem Kritiker
Selbst wenn jemand rau und grob ist, bedanke dich. Vielleicht ist die Person mit dem falschen Fuß aufgestanden, oder ist generell ein negativ gepolter Mensch. Wie auch immer, dein Ausdruck der Dankbarkeit wird ziemlich sicher Spuren hinterlassen. Selbst wenn diese Person dich mit dieser Kritik verletzen will, wenn du „Danke“ sagst, stehst du automatisch über den Dingen.

Und weißt du was? Die Angewohnheit meinen Kritikern zu danken, hat tatsächlich einige von ihnen geändert. Ein paar von ihnen wurde sogar zu meinen größten Befürwortern. Alles nur wegen ein paar einfachen Worten: „Ich danke ihnen für die Kritik.“ Es ist unerwartet, und wird mit Respekt geahndet.

Und selbst wenn der Kritiker deinem „Dankeschön“ nichts Gutes abgewinnen kann, gibt es einen Gewinner – nämlich dich. Es zeigt dir, wie schlimm es ist, wenn jemand Dankbarkeit nicht mehr schätzen kann, und lehrt dir, wie wichtig Bescheidenheit ist.

Lerne aus der Kritik
Nachdem du die Kritik aus einem positiven Blickwinkel betrachtet und dem Kritiker dafür gedankt hast, ist das Ding aber noch nicht durch. Denn eigentlich solltest du versuchen, dich zu verbessern. Das ist ein schwieriger Schritt für die meisten Menschen, weil sie oft denken: „egal was ist, ich habe Recht“.

Aber niemand hat immer Recht. In der Tat, könntest du oft falsch liegen, und der Kritiker hat Recht. Also achte immer darauf, vielleicht gibt es ja doch etwas, was du ändern könntest, um dich zu verbessern. Und dann mache auch diesen Wandel.

Wenn ich früher als Chef Kritik von meinen Mitarbeitern erhalten habe, dass meine Anordnungen oft zu ungenau waren, habe ich Fragen gestellt, wie ich es besser machen könnte. Natürlich musste ich zu Beginn oft über meinen Schatten springen. Vor allem da ich immer öfter „freiwillig“ Kritik gefordert habe. Aber ich habe wirklich schwer daran gearbeitet, mich zu verbessern. Ich wusste, nur so kann eine 1A Zusammenarbeit entstehen.

Habe ich dadurch mein Ziel erreicht? Nun, die Mehrheit meiner Mitarbeiter war begeistert, doch ein kleiner Teil fand es natürlich vorher besser. Bei einer großen Anzahl von Menschen wird man mit speziellen Aktionen selten 100% Zufriedenheit erreichen. Ich jedoch habe festgestellt, dass wir mit der Zeit immer effizienter und produktiver wurden. Die Kommunikation war ausgezeichnet. Aber nicht nur das Team hat dadurch Fortschritte gemacht. Ich persönlich habe gemerkt, wie ich als Mensch „gewachsen“ bin und das machte mich stolz.

Sei einfach der bessere Mensch
Viel zu oft deuten wir Kritik sofort als persönlichen Angriff, als eine Beleidigung unserer Person. Das ist es aber nicht. Nun, vielleicht in manchen Ausnahmefällen, aber wir müssen es ja nicht auf diese Art und Weise deuten. Verstehe es immer als Kritik deiner Taten und niemals deiner Person. Wenn du das schaffst, kannst du dich immer von der Kritik emotional entfernen, und überlegen, was du anders machen könntest.

Leider ist die Antwort von vielen Mensch, welche kritisiert werden, und dies als persönlichen Angriff deuten, einen sofortiger Gegenangriff zu starten. „Ich erlaube niemanden in dieser Art und Weise mit mir zu sprechen.“ Schon gar nicht, wenn diese Kritik in der Öffentlichkeit gemacht wird. Man muss sich doch wehren, richtig?

Falsch. Sollte eine Kritik wirklich als persönlicher Angriff gedacht sein, begibst du dich mit einem Gegenangriff nur auf dasselbe niedrige Niveau. Beweise Klasse, und sei der bessere Mensch! Wenn du es schaffst, selbst bei einer negativen Kritik, ruhig und sachlich zu bleiben, dann zeigst du wahre Größe. Zurückmaulen kann jeder Depp!

Wenn man Kritikfähigkeit beweist, hat das auch noch 2 vorteilhafte Nebeneffekte:

1.   Andere werden dich dafür schätzen und respektieren, wie offen du mit Kritik umgehen kannst. Besonders wenn du dich für die Kritik bedankst, wirst du oft  Worte des Lobes und der Bewunderung ernten. Und demjenigen, welcher dich mit seiner Kritik tatsächlich verletzen will, wird die Lust daran vergehen, denn es wird ihm keinen Spaß machen, wenn du dich nicht verletzen lässt.

2.   Du fühlst dich besser und gewinnst an Selbstachtung. Durch das Beteiligen an persönlichen Angriffen, beschmutzen wir uns nur selbst. Wer Böses mit Bösem bekämpft, kann nichts Gutes tun. Aber wenn man über den Dingen steht, gibt es einem das Gefühl der Überlegenheit (im positiven Sinn).

Fassen wir also noch einmal kurz zusammen, wie man mit Kritik umgehen soll:

  • Entferne dich emotional von der Kritik, und beurteile nur die Taten welche kritisiert werden
  • Suche und sehe das Positive in jeder Kritik, und versuche dich zu verbessern
  • Bedanke dich für die Kritik, und bitte um Verbesserungsvorschläge
  • Reagiere mit einer positiven Einstellung
  • Selbst bei persönlichen Angriffen, versuche besonnen zu bleiben und stehe über den Dingen

Ich weiß, dass es kein leichter Weg ist, Kritik zu akzeptieren, aber wenn man ernsthaft an sich arbeitet, ist alles möglich. Änderungen sind gut. Ich habe es geschafft mich zu ändern.

Und wie sieht es mit dir aus?

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