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Bildquelle: CC0 Public Domain - pixabay.com

Täglich wird ein jeder von uns mit Stress und Wut konfrontiert, welche von anderen Menschen nach außen projiziert werden. Es beginnt schon am Morgen mit zornigen Autofahrern auf dem Weg zur Arbeit, weiter geht es mit dem gestressten, bissigen Boss, gefolgt von einer weiteren Welle Verkehrswahnsinniger auf dem Weg nach hause und gipfelt im schlimmsten Fall mit einem gestressten und erschöpften Partnern. Schlimm, oder?

Vor 2 Jahren entschloss ich mich, ein Experiment zu versuchen. Ich hatte vom Geheimnis des inneren Lächelns gelesen und wollte dieses unter dem Druck des modernen Lebens auf die Probe stellen.

Also legte ich voller Neugierde los. Wann immer ich im Straßenverkehr unterwegs war, behielt ich ein winziges Lächeln aufgesetzt, also nur ein leichtes Heben meiner Mundwinkel. Ich lächelte mir sozusagen selber zu. Die Energie meines Lächelns richtete sich auf mich selbst. Es funktioniert tatsächlich. So wie eine Art Rückkopplungsschleife. Wenn dir jemand zulächelt fühlst du dich besser und du verspürst den Wunsch zurückzulächeln. Indem ich mir selbst zulächelte, fühlte ich mich besser, wodurch ich sogar noch mehr lächelte, weshalb ich mich wiederum noch besser fühlte, und so weiter.

Mein Ziel war, es so rasch als möglich zu bemerken, wenn mir mein Lächeln entglitt, um es sofort wieder herstellen zu können. Allein schon das Aufrechterhalten meines Lächelns während der täglich einstündigen Fahrt zur Arbeit war keine leichte Aufgabe. Nimmt man noch langsame Fahrer bei schnell wechselnden Ampelphasen hinzu, und dass ich oft von anderen Fahrern geschnitten wurde, so ist es verständlich, dass es nicht einfach war, mit meinem Vorhaben erfolgreich zu sein. Mit der Zeit wurde es jedoch immer einfacher, und inzwischen, allgemein gesprochen, braucht es schon viel von irgendetwas um mich überhaupt irgendwie zu irritieren. Das bezieht sich auf das Fahren und auf mein Leben im Allgemeinen. Es gibt natürlich immer diese gewissen Tage, an denen mir die Dinge schließlich auf die Nerven gehen, aber diese Tage werden immer weniger und seltener.

Ich erlebte in der Zeit danach eine recht ironische Wendung. Als erst einmal der übliche tägliche Druck keinen so großen Einfluss mehr auf mich hatte, konnte ich erst die Ängste der anderen in ihrem vollen Ausmaß sehen. Wie schnell sich die Menschen über unwichtige Kleinigkeiten aufregten, oder wie eine Planänderung sie verärgerte, war plötzlich wirklich unübersehbar. Dadurch, dass ich mich selbst über solches Benehmen hinaus entwickelt hatte, war ich ironischerweise mehr und mehr gereizt von dem kindischen Benehmen der anderen. Da bemerkte ich, dass mich andere Menschen nervten, die lediglich nicht fähig waren, mit dem einfachen Druck im Alltag umzugehen, ohne unnötiges Drama daraus zu machen. Es wurde mir klar, dass ich in mir etwas entwurzelt hatte, dass offensichtlich ein widerlicher Level eines Problems war, nur um zu erleben, wie eine subtilere Wiedergeburt des genau gleichen Problems wieder zum Vorschein kam.

An diesem Punkt angelangt, musste ich an etwas denken, das Chang San-Feng, der legendäre Schöpfer von Tai Chi, sagte:
„Wenn du siehst, wie andere Böses tun, und du verspürt eine Abneigung ihnen gegenüber, dann ist das, als würdest du zusehen, wie sie ihren Hals dem Schwert entgegenstrecken, um sich selbst zu töten. Sie tun das Böse selbst, und es geht dich nichts an. Warum sollte man sie also verabscheuen? Das deutet auf eine eigene psychische Erkrankung hin.“

Ich denke, der Grund für die große Wirkung, die die Angst anderer auf mich hatte, ist etwas, das mit „anstecken lassen“ zu tun hat. Nachdem ich so fleißig daran gearbeitet habe, Gelassenheit zu bewahren, nachdem ich die Macht externer Faktoren über meinen inneren Zustand so stark reduziert habe, hat mich diese Ansteckungsgefahr wirklich überrumpelt. Die Bedeutung in diesem Zusammenhang hier im Artikel ist einfach zu erklären. Wenn jemand seinen Stress oder seine Wut durch Körpersprache und Tonfall auf dich projiziert, selbst wenn er nicht speziell auf dich wütend ist, wirst du anfangen, diese Laune zu übernehmen und den Stress und die Wut wieder auf die andere Person zurückzuwerfen. Du gleichst dich so sehr an ihren Energielevel an, dass du sogar das übernimmst, was sie selber projizieren. Es besteht eine sehr starke Verbindung zwischen dem und meinem Glauben, dass wir das ernten, was wir säen (sofort oder auch erst nach einiger Zeit).

Wir kennen es alle, wenn jemand wütend zu uns kommt und uns runtermacht. Sie bekommen ihre Wut sofort zurück, da wir meist nicht anders können, als diese greifbare Spannung und Wut selbst zu fühlen. Umgekehrt ist es natürlich dasselbe, wenn uns jemand zulächelt liegt es in unserer Natur, dass wir zurücklächeln.

Du wirst dich vielleicht wundern, warum ich eine Abkopplung meiner inneren Einstellung von dem Einfluss der Außenwelt erreichen will. Denke kurz mal darüber nach. Unser Universum ist in ständiger Bewegung. Nichts bleibt gleich. Alles verändert sich ständig. Der Geburt folgt der Tod, was wiederum einen Impuls für neues Leben gibt, und so weiter. Man kann dieses Prinzip unseres Universums „Unbeständigkeit“ oder „Wandel“ nennen.

Einerseits ist Unbeständigkeit etwas Wunderschönes. Es ermöglicht die beeindruckende Darstellung der Vielfalt unserer Welt. Andererseits ist es die Quelle großen Leids, da wir uns oft so verhalten, als gäbe es Unbeständigkeit überhaupt nicht. Viele streben zum Beispiel nach Gesundheit, Beziehungen und vielen anderen Dingen, im Glauben, dass uns diese Dinge, haben wir sie erst einmal erlangt, für immer glücklich machen werden. Unglücklicherweise wird uns aufgrund der Unbeständigkeit, alles, was wir heute besitzen, eines Tages wie Sand durch die Finger laufen. Wenn du für dein Glück auf externe Faktoren aufbaust, wird mit der Zeit auch Leid kommen. Viele von uns gehen freiwillig durch großes Leid, um dass zu erhalten, wonach wir uns sehnen. Wir ruinieren unsere Gesundheit, unsere Beziehungen und schließlich unsere Chance auf Glück und Zufriedenheit. Und wenn wir dann endlich das in Händen halten, wofür wir so lange und hart gearbeitet haben, dann neigen wir dazu, uns Tag und Nacht zu sorgen, ob es uns auch wirklich erhalten bleibt.

Daraus ergibt sich meiner Ansicht nach, dass man nur durch einen inneren Zustand der Zufriedenheit und dadurch, dass man die außen liegende Welt gelassen betrachtet, ein wirklich glückliches Leben führen kann.

Wie geht man also geschickt mit dem Stress und der Wut anderer um, ohne sich ihrer negativen Energie anzugleichen? Es erinnert mich an eine Geschichte des Buddha, die ich mal per mail erhalten habe. Ich hoffe sie ist inhaltlich richtig; ansonsten, liebe Buddhisten, bitte ich um Berichtigung:

Es war einmal ein Mann namens Akkosina, was so viel wie „nicht wütend werden“ bedeutet. Dieser Mann war das exakte Gegenteil seines Namens. Er wurde immer wütend. Als er hörte, dass der Buddha niemals auf jemanden wütend war, beschloss er ihn zu besuchen. Er ging zu ihm und schrie ihn für alles Mögliche an. Beschuldigte und beschimpfte ihn. Als er fertig war, fragte Buddha ihn, ob er Freunde und Verwandte hätte:

„Ja“, antwortete er.
„Nimmst du Geschenke mit, wenn du sie besuchst?“, fragte der Buddha.
„Natürlich“, sagte der Mann, „ich bringe ihnen immer Geschenke.“
„Was passiert, wenn sie deine Geschenke nicht annehmen?“, fragte der Buddha.
„Nun ja, ich nehme sie einfach wieder mit nachhause und genieße sie mit meiner eigenen Familie.“
„Bei mir ist es dasselbe“, sagte der Buddha, „du hast mir heute ein Geschenk gebracht, das ich nicht akzeptiere. Du kannst es also wieder mit zu deiner Familie nehmen.“

Durch Aufmerksamkeit können wir sehen, wie unsere Gedanken auf andere reagieren. Wenn man Augen und Ohren offen hält, kann man die Entstehung von Zu- und Abneigung sehen. In diesem Fall ist Aufmerksamkeit wie ein Sicherheitsnetz, das uns bei ungeschickten Aktionen auffängt. Aufmerksamkeit gibt uns Zeit, und Zeit gibt uns Wahlmöglichkeiten. Wir müssen nicht von unseren Gefühlen weggeschwemmt werden. Wir können mit Weisheit anstelle von Täuschung reagieren.

Deshalb arbeite an deiner inneren Einstellung und lasse nicht zu, dass sie von äußeren Einflüssen angesteckt wird. Akzeptiere Veränderungen und begrüße das Leben für das was es ist: Ein Prozess des Wandels wo nichts so bleibt wie es gerade ist!

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7 Kommentare

  1. Klingt sehr inspirierend, nur das von Chang San-Feng, den angeblich legendäre Schöpfer von Tai Chi, verstehe ich nicht???

  2. Ganz oft erlebe ich in meinem Leben, dass sich anfänglich in meinen Augen negative Ereignisse wenig später als ein Glücksfall erweisen. Ich habe mir deshalb angewöhnt, bei allem, was mich stört oder was meine Pläne durchkreuzt, zu sagen: „Wer weiß, wofür das gut ist“. Und schon fühle ich mich augenblicklich besser. Mein Frust ist gelindert, weil die Hoffnung durchblickt, dass der vermeintliche Störenfried in Wahrheit ein Glücksbringer ist.

  3. Das Dümmste, was du tun kannst, wäre, wenn du dich auf das besinnen würdest, was du hast, wenn du schätzen würdest, was du besitzt. Ohne dich allzu sehr von deinem Unglücklichsein abbringen zu wollen, hier eine kleine Aufzählung dessen, worüber du dich freuen und für das du dankbar sein könntest: du kannst lachen, gehen, denken, du bist vielleicht relativ gesund, kannst morgens aufstehen, bist frei von Schmerzen, hast eine Familie und Kinder, die dich mögen, hast vielleicht sogar eine Arbeit. Fallen dir noch weitere mögliche Besitztümer ein?

    Eine solche Aufzählung deiner Reichtümer würde deine Zufriedenheit steigern, dich dankbar und glücklich machen und dein Unglücklichsein wäre in weite Ferne gerückt.

  4. „Daraus ergibt sich meiner Ansicht nach, dass man nur durch einen inneren Zustand der Zufriedenheit und dadurch, dass man die außen liegende Welt gelassen betrachtet, ein wirklich glückliches Leben führen kann.“

    …dieser Satz bringt es auf den Punkt!

    Toller Artikel!

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