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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Ich erinnere mich noch genau daran, als ich das erste Mal während meines Studiums von den Auswirkungen der Werbung auf unsere persönliche Motivation hörte. Ich dachte mir: „Was wäre, wenn ich die Macht der Werbung zu meinem eigenen Vorteil einsetzen könnte? Wenn ich mich dazu bringen könnte, etwas zu tun, was ich tun will, anstatt dessen, wozu der Werber mich verleiten will?“

Werbung und Marketing sind sehr machtvolle kulturelle Einflüsse. Neue psychologische Erkenntnisse werden laufend von Verkäufern, Werbetextern und Marketingfachleuten überall eingesetzt. Unglücklicherweise trifft das auch auf 2 meiner Lieblingsbereiche „NLP und Coaching“ zu, welche ursprünglich von großartigen Therapeuten praktiziert wurden, um die Menschen zu Glück und geistiger Gesundheit zu führen. Üblicherweise wird diese Verwendung der Psychologie im Marketing als positiv oder neutral betrachtet: „Menschen müssen Sachen kaufen, um ihren Bedarf zu decken, wir helfen ihnen lediglich zu erkennen, was sie dazu benötigen.“

Dennoch haben wir das Gefühl, dass wir von den Werbern belogen werden. Den Werbesprüchen, Versprechen und Slogans der großen Unternehmen fehlt es an Bedeutung oder Glaubwürdigkeit oder sonst etwas. Wir sind daran gewohnt, dass die Produkte nicht halten, was die Werbung verspricht, oder nicht einmal so aussehen, wie auf der Verpackung.

Die Produkte, die wir aufgrund dieser Werbungen kaufen, scheinen unseren Bedürfnissen nicht wirklich zu dienen. Das Budget steigt jedesmal an, wenn ein Elternteil zu beschäftigt ist, um sich um die Kinder zu kümmern, und deshalb ein Kindermädchen engagiert. Dient diese Nanny unseren Bedürfnissen? Gewissermaßen schon, aber wir wären wirklich lieber bei unseren Kindern, anstatt so viel arbeiten zu müssen. Wir roden Wälder um Bauland zu schaffen. Dient das unserem Bedarf nach Lebensraum? Irgendwie natürlich schon, doch nun fühlen wir uns der Natur noch fremder und müssen für etwas zahlen, was früher umsonst war: exotische und wilde Orte, an denen das Leben noch frei verläuft.

Meine Fachgebiete Beratung und Coaching sind in vielerlei Hinsicht eine Auslagerung von Freundschaft, Familie und Gemeinschaft. Was will ich damit sagen? Nun, wir sind doch alle mittlerweile viel zu beschäftigt damit, zu arbeiten um genug Geld zu verdienen, um uns Sachen kaufen zu können und um unser „Traumleben“ finanzieren zu können. Also verflüssigen wir unser soziales Kapital, stellen unsere Freundschaften wieder hinten an, und nennen das tatsächlich einen Fortschritt. Sehr paradox!

Eigenmotivation vs. Marketing

Genau wie Marketing unsere Begierde nach Produkten verstärkt, die nicht wirklich unsere tiefsten Bedürfnisse erfüllen, verstärkt Eigenmotivation üblicherweise unsere Begierde nach Zielen, die nicht mit unseren eigentlichen Bedürfnissen übereinstimmen.

Bereits Napoleon Hill sagte einst, dass intensive Begierde zu intensiven Resultaten führt. Er sprach von der Entwicklung einer intensiven Begierde, in Verbindung mit einer positiven Sicht auf die Zukunft. Aber ist das eine gute Idee?

Begierde ist ein Resultat aus unerfüllten Bedürfnissen. Begierde neigt dazu, sich naturgemäß zu verstärken, wenn man die Signale ignoriert oder falsch deutet, und dadurch das Bedürfnis nicht erfüllen kann. Wenn du zum Beispiel hungrig bist, isst du einfach und dein Verlangen ist gestillt. Wenn du am Verhungern bist, weil du auf Frühstück und Mittagsessen vergessen hast, und es jetzt 8 Uhr abends ist, dann ist es dazu gekommen, weil du das Bedürfnis deines Körpers für Nahrung ignoriert hast.

Solltest du ein intensives, brennendes Verlangen nach Essen entwickeln, stellst du dir dann ein riesiges, saftiges Schnitzel vor und sagst den Satz „Ich nehme jetzt ENORME Mengen an köstlichem Essen im Übermaß zu mir“ und wiederholst diesen auch noch immer wieder?

Also ich kenne niemanden, der das tut. Dennoch denken viele Menschen, dass es ihnen bei ihren finanziellen, beruflichen oder gesundheitlichen Zielen hilft. Warum versuchen wir, unsere Bedürfnisse durch diese Art der „Motivation“ zu erfüllen?

Genug ist Genug!

„Werbefuzis“ sind ja allgemein bekannt dafür, „Bedürfnisse“ herzustellen, welche mit unserem normalen Verlangen gar nicht übereinstimmen. Braucht tatsächlich irgendjemand hoch-kalorienhaltiges Birne-Melisse‑Sprudelwasser? Softdrinks sind ein enorm beliebtes Ziel in der „Bedürfniserzeugung“. Früher gab es gesundes Leitungswasser. Heute versucht uns die Werbung einzureden, dass Lemongrass Körper und Seele aktiviert und Brombeere den Verstand schärft. Effekte, die natürliches Quellwasser immer schon hatte. Interessant ist auch, das Jostabeere angeblich „die Innere Schönheit weckt“. Phänomenal. „Schönsaufen“ mal anders, oder wie?

Was für ein ausgemachter Schwachsinn! Diese künstlich erzeugten Bedürfnisse zeigen nicht, was wir wirklich brauchen. In diesem Fall erfüllt Limo nicht das Verlangen unseres Körpers nach Nahrung oder Hydration, also bleiben die Bedürfnisse unerfüllt und Hunger und Durst werden stärker, also trinken wir mehr, usw.

Vermarkter bringen auch gerne Dinge wie Sex, Macht, Ruhm und Zufriedenheit mit Produkten in Verbindung, welche in keinster Weise unser Verlangen nach sexuellem Ausdruck, Selbstverwirklichung, Anerkennung oder Wertigkeit erfüllen. Wir sind durch clevere Werbungen und Assoziationen wie z.B. von Bier mit Freiheit in einem unbewussten Grade verwirrt, obwohl wir wissen, dass Alkohol die Ursache von unerotischen Dingen wie Bierbauch, Erbrechen, Autounfällen, Abhängigkeit und Missbrauch ist.

Durch das verlinken von Softdrinks mit Lebensqualität, oder von Bier mit Freiheit, geben wir vor, unsere Bedürfnisse durch den Konsum von etwas zu erfüllen, das dafür gar nicht geeignet ist. Das treibt uns dazu, es weiter zu versuchen. Wir trinken sogar noch mehr Limo, Erfrischungsgetränke und Bier, um noch lustigere und freiere Zeiten zu erleben. Es funktioniert natürlich nicht, also strengen wir uns noch mehr an. Schon bald haben wir Diabetes und Leberversagen, sitzen vor dem Fernseher, schauen uns Reality-Shows an und wundern uns: „Was ist passiert?“.

Indem wir uns selbst pushen und nicht im Zusammenhang stehende Gefühle mit diversen Zielen assoziieren, versuchen wir uns selbst „anzutreiben“, um Großes zu erreichen, viel Geld zu verdienen, ein Unternehmen zu gründen, für den Marathon zu trainieren usw. Viel Geld zu verdienen, so denken wir fälschlicherweise, hilft uns Liebe, Anerkennung oder die Fähigkeit, anderen zu helfen, zu gewinnen. Ein Unternehmen zu gründen beschert uns unserer Meinung nach Spaß und kreative Arbeit. Wir denken, dass das Laufen eines Marathons uns fit hält, und wir uns dadurch als etwas Besonderes fühlen. Aber plötzlich holt uns die Realität wieder ein. Wenn wir das Geld verdient haben, fühlen wir uns trotzdem leer. Wenn wir ein Unternehmen gründen, fühlen wir uns überfordert und fehl am Platz. Wenn wir für den Marathon trainieren, schmerzen unsere Gelenke und fühlen uns ständig müde.

Wir denken, dass wir von Natur aus faul sind, aber in Wirklichkeit treiben wir uns dazu, Dinge zu tun, die nicht wirklich unsere Bedürfnisse erfüllen. Wir treiben uns sogar noch härter an, nur um noch mehr Probleme zu verursachen.

Es ist an der Zeit, mit dem Drängen aufzuhören, und mit dem Zuhören anzufangen

Die Geschichte des wohlhabenden, erfolgreichen und dennoch unglücklichen Mannes ist so häufig anzutreffen, dass es fast schon ein Urbild menschlicher Vorstellung ist. Doch keine noch so große Menge an Wohlstand, Macht, Berühmtheit und Erfolg wird jemals unser unerfülltes Verlangen nach Bindung, Liebe, Glück, Anerkennung, Freiheit, Friede und Freude stillen, da sie Zustände des Seins, nicht des Machens sind.

Warum denken wir, dass wir Motivation benötigen? Wenn wir tatsächlich unsere echten Bedürfnisse befriedigen wollen, dann funktioniert das immer noch am besten, wenn wir das direkt machen. Durch das einfache Befriedigen dieser Bedürfnisse, fühlen wir uns gut und glücklich. Wir denken immer, wir müssen motiviert sein. Wir beginnen bei einem Mangel an Motivation, sofort an uns zu zweifeln. Plötzlich kämpft unsere rechte Hand gegen die linke. Doch wenn wir den inneren Konflikt beenden, indem wir alle Teile unseres Wesens so akzeptieren wie sie sind, befriedigen wir auf natürliche Weise unsere Bedürfnisse und fühlen innere Ausgeglichenheit  auf eine komplett natürliche Art.

Ist Motivation nur etwas für Verlierer?

Im Kampf gegen dich selbst, verlierst du immer, egal wer gewinnt! Klingt verwirrend, oder? Indem du dich selbst künstlich mit Enthusiasmus, Inspiration oder Leidenschaft vollpumpst, bekämpfst und beherrschst du selbst andere, sanftere und sensiblere Teile von dir, welche sich gegen dein leeres Streben nach Erfolg auflehnen. Diese „Motivation“ verursacht einen inneren Konflikt, durch den du zweifellos verlieren wirst. Du kannst Glück, Freude, Frieden, Liebe oder Einheit nicht „erreichen“ – diese Zustände des Seins sind dein „natürlicher Zustand“, zu dem du nur zurückfindest, wenn du auf deine wahren Bedürfnisse hörst, diese befriedigst und so eine positive innere Einstellung wählst.

Die künstliche Ausweitung deiner Begierde kommt einem gezwungenen Einatmen gleich. Genau genommen stammt das Wort „Inspiration“ von dem lateinischen Wort inspirare ab, was so viel wie „einhauchen“ bedeutet und früher als eine Form „göttlicher Eingebung“ galt. Wie die meisten kreativen Menschen wissen, kannst du zwar Vorbereitungen treffen, um dich inspirieren zu lassen, du kannst eine neue oder bahnbrechende Idee jedoch nicht erzwingen.

Machen wir etwas!

Hier ist eine Aufgabe für dich, um diese Prinzipien praktisch umzusetzen.

Sagen wir, du verspürst den Drang, ein erfolgreiches Unternehmen zu starten. Du verstärkst dein Verlangen für gewöhnlich, indem du dir den extremen Erfolg täglich vorstellst, dir eine luxuriöse Megavilla ausmalst, einen Porsche, eine Segelyacht und Menschen, die dich mit Lob überhäufen, usw. Sogar wenn du all diese Dinge bekommst, wird das deine zugrundeliegenden Bedürfnisse nicht befriedigen, und du wirst dich immer noch leer fühlen. Warum erfüllst du deine Bedürfnisse nicht ohne Umweg, anstatt all diese Energie auf „Erfolg“ zu verschwenden?

Du kannst beginnen, indem du lernst, welche Bedürfnisse das wirklich sind. Dazu musst du zuerst deine Sehnsüchte und dein Verlangen anerkennen. Sag: „ein Teil von mir will wirklich eine luxuriöse Megayacht in der Südsee haben“. Heiße diesen Teil willkommen, und sei dir darüber im Klaren, dass der Wunsch, das für dich zu haben, einen sehr positiven Zweck hat.

Dann atme tief durch, entspanne dich, schließe deine Augen und geh tief in dich. Stelle fest, wo dieser Teil von dir lebt: fühlst du ihn an einem bestimmten Ort deines Körpers, oder siehst du dich selbst in deiner Yacht zu deiner linken Seite, oder hörst du jemanden „Coole Yacht!“ in dein rechtes Ohr sagen?

Frage dich: „Was willst du?“, und warte auf deine Antwort. Wenn du mit „Erfolg“ antwortest, frage dich nochmal: „Wenn du Erfolg hast, was willst du durch diesen erreichen, was ist dir sogar noch wichtiger als die Yacht?“

Es ist wichtig weiter zu fragen. Du musst ganz tief in dich gehen um deinen wahren Antriebsgrung zu finden. Mache es so lange, bis du die wahren Bedürfnisse dieses Wunsches entdeckt hast.

Wenn du so weitermachst, und noch tiefer in dich gehst, wirst du das Kernbedürfnis finden, welches dich tatsächlich „motiviert„. Es wird vermutlich ein Zustand des Seins wie Friede, Einheit, Liebe, Freiheit oder Freude sein. Zustände die wir viel einfacher erreichen können, als mit einer Yacht.

Denkt darüber nach!

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8 Kommentare

  1. Nur kann ich mir nicht vorstellen, dass Werbung meine Bedürfnisse verändert, oder?

    Oder doch?

    Finde das echt interessant.

    Andi

  2. Ja gerne. Mir ist bewusst, das der Text etwas spaltet. Aber so war das auch geplant. Schliesslich will ich damit etwas aufzeigen!

    Lg
    Rainer

  3. Sorry, ich wollte mich nicht mit dem Meister anlegen *sich hauptsenkend zurückzieht*

    Also jetzt mal Scherz beiseite. Danke für die tolle Stellungnahme. Das macht Sinn.

    Gruß
    Harald

  4. Lieber Harald,

    prinzipiell gebe ich dir NICHT Recht. Wenn du dir den Artikel genau durchliest, handelt er doch gerade davon.

    Unsere innere Einstellung, die Freiheit jederzeit eine Wahl treffen zu können, ist zweifelsohne das bedeutendste und wichtigste in unserem Leben. Diese Fähigkeit unterscheidet uns unter anderem von Tieren. Menschen können ihr Leben lenken, sie agieren. Tiere reagieren.

    Also abgesehen vom Leben selbst, würde ich behaupten ist diese Fähigkeit, dass größte Geschenk überhaupt. Vor allem steht sie im krassen Gegensatz zu einem schlimmen Phänomen unserer Zeit: der Opfermentalität. Etwas auf das die Werbung eben abzielt.

    Im Grunde sind wir ein Produkt unserer Entscheidungen, doch die Werbung möchte, das wir ein Produkt unserer Kultur werden, und wenn ihr das gelingt, treffen wir unsere Entscheidungen nicht mehr auf Grund unserer Bedürfnisse sondern auf Grund kultureller Vorgaben. Wir reagieren und werden somit zu einer Art Roboter.

  5. Aber die Aussage: Marketing macht krank, passt irgendwie gar nicht zu deinen anderen Artikeln, wo du über inner Einstellung schreibst. Wenn deine innere Einstellung stimmt, kann dir doch Marketing egal sein, oder?

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