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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Viele Menschen haben gar keine Ahnung, was uns Blogger oft bewegt einen Artikel zu Schreiben. Ich höre jetzt gerade John Murphy – Surface of the Sun und bin gerade von Gefühlen geradezu überwältigt. Aus diesem Grund packt mich die Neugier, und habe spontan nach bewegenden und tiefgehenden Songtexten gegoogelt. Dabei bin ich in einem Forum auf das Lied „Praise Chorus“ von Jimmy Eat World aufmerksam geworden. Ein User meinte, bei diesem Lied dreht sich alles um das Thema „positive Gegenwart“.  Ich hatte es noch nie gehört, deshalb switchte ich sofort auf YouTube um mir selbst eine Meinung bilden zu können.

Nach 2 mal anhören, erkannte ich, dass es sich bei diesem Lied hauptsächlich darum dreht, für den Augenblick zu leben, jeden neuen Tag freudig zu begrüßen und jetzt hier zu sein. So schön sich das auch anhören mag, da gibt es eine Textzeile, die besonders meine Aufmerksamkeit erregte: „Things are never gonna be the way you want“. Warum mir gerade diese Zeile auffiel? Weil es wahrscheinlich die negativste Zeile im ganzen Lied ist! Es erinnert mich an eine sehr wichtige Tatsache, die mir leider nur zu oft entfällt, und zwar an folgende:

Ein glückliches Leben ist kein perfektes Leben

Klingt logisch? Vielleicht. Es ist aber nicht wirklich einfach, wenn du so ein Typ bist wie ich, sozusagen ein leicht neurotischer Perfektionist. Ich mag perfekte Sachen. Ich mag perfekte Ordnung. Ich mag perfekte Systeme. Ich mag es, wenn etwas ein perfektes (nicht notwendigerweise glückliches) Ende hat. Ich mag klar strukturierte Aufgaben bei der Arbeit. Ich erledige Dinge gern so gut wie möglich. Ich bin nicht überdurchschnittlich wetteifernd mit anderen, ABER mit mir selbst. Wenn ich mich zu etwas entschlossen habe, dann will ich es auch auf die bestmögliche Art und Weise erledigen. Ich will, sollte das überhaupt möglich sein, Perfektion.

Wie wir nur allzu gut wissen, ist Perfektion im Gesamtbild unseres Lebens nicht möglich. Egal wie wunderbar, glücklich oder friedlich dein Leben ist, es wird niemals perfekt sein. NIEMALS. Als Perfektionssuchender fällt es mir sehr schwer, das zu akzeptieren. Mein Leben wird niemals perfekt sein? Wirklich?! Ich muss zugeben, mein Herz macht einen ganz schön großen Hüpfer, wenn ich daran denke. Wir wollen doch alle ein perfektes Leben, oder etwa nicht? Die Frage jedoch ist … akzeptieren wir es alle, dass wir kein solches Leben haben können? Ich glaube, ich arbeite immer noch daran, mich damit abzufinden.

Wenn ich einen Artikel wie diesen schreibe, recherchiere ich üblicherweise ein paar Tage, und wie es der Zufall will, sah ich da den Film „Bride Wars – Beste Feindinnen“. Er lief nur nebenbei, aber zufälligerweise habe ich gerade kurz von meiner Online-Recherche aufgesehen und Kate Hudsons Filmcharakter sinngemäß folgendes sagen hören (1:1 kann ich es leider nicht wiedergeben): „Es ist anstrengend, die ganze Zeit versuchen zu müssen, perfekt zu sein. So mache ich das schon seit meiner Kindheit. Ich habe gedacht, nichts Schlimmes passiert mir, wenn ich aufpasse, dass ich allem und jedem immer einen Schritt voraus bin.“ Darauf erwidert ihr Verlobter:

Das Leben ist nicht perfekt. Es ist ziemlich chaotisch, du musst nicht perfekt sein.

Was, wenn wir uns das jeden Tag selbst sagen würden? Wenn wir uns mit Menschen umgeben würden, die uns diese Aussage, dass wir nicht perfekt sein müssen, bestätigen? Ich denke, dass ich auf diesem Gebiet mein schlimmster Feind bin. Ich glaube nicht, dass irgendjemand in meinem Leben von mir erwartet, perfekt zu sein. Der Einzige, der Perfektion erwartet, bin ich. Diese ständige Suche nach Perfektion hat einen hohen Preis: ständige Unzufriedenheit.

Das Problem zu erkennen ist der erste Schritt zur Besserung! Jetzt da ich weiß, dass ich immer danach strebe perfekt zu sein und tief in meinem Inneren glaube, eines Tages ein perfektes Leben zu haben, ist es an der Zeit, dieses Problem zu konfrontieren. Kein weiterer Perfektionismus in meinem Leben! Perfektionismus verursacht – wenig überraschend –  viele Ängste und Sorgen … und wer will das schon.

Wie man aufhört perfekt und anfängt glücklich zu sein

Hör auf zu kritisieren und zu verurteilen
Das ist natürlich ein großer und wichtiger Schritt. Wenn es dir gelingt, andere und dich selbst nicht mehr zu kritisieren, kommst du viel seltener in den Perfektionsmodus. Perfektion entsteht aus der Vorstellung, dass alles eine bestimmte Form haben muss. Aber wer sagt, dass es gerade so sein muss? Wer sagt, dass du genau so aussehen oder dich genau so verhalten musst? Ja gut, wir leben alle in Gesellschaften und Gesellschaftsgruppen in denen gewisse Standards vorherrschen, aber denen müssen wir doch nicht immer entsprechen. Im Gegenteil, wir können auch unsere eigenen Standards erschaffen!

Schwimme mit dem Strom
Oh Gott, dieser Punkt fällt mir immer schwer! Das bin ich einfach nicht, ich war noch nie der Mann, der mit dem Strom schwimmt. Ich habe gerne alles unter Kontrolle, die Zügel in der Hand und gebe gerne das Tempo vor. Ich bin nur ungern der Beifahrer oder lehne mich zurück und entspanne. Aber wenn es um den Kampf gegen den Perfektionismus geht, ist es sehr wichtig zu lernen, wie man das Zepter auch mal aus der Hand gibt. Das Leben steckt voller Überraschungen. Es wird unerwartete Wendungen geben, und um ein glückliches Leben zu leben, muss man mit diesen Veränderungen umgehen können. Wir können nicht alles kontrollieren, daran muss ich mich jeden Tag aufs Neue erinnern.

Alles im Leben hat einen Grund
Vielen von euch teilen vielleicht nicht meine Meinung, doch ich bin wirklich der festen Überzeugung, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Selbst die furchtbarsten, erschreckendsten Vorfälle in meinem Leben haben mir etwas beigebracht und mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. In Zeiten von Krisen und Katastrophen fällt es einem schwer so zu denken, aber es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass das Leben ist was es ist. Einiges entzieht sich unserer Kontrolle, doch es ist wichtig daran zu glauben, dass sich uns der Grund für das Geschehene eines Tages offenbaren wird. Ich bemühe mich immer, aus allen meinen Fehlern und aus schlechten Situationen zu lernen. All diese kleinen Lektionen, haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt in diesem Moment bin.

Betrachte das Leben als großes Ganzes
Jedes Mal, wenn ich wegen etwas nervös oder genervt bin, weil es nicht so perfekt ist, wie es meiner Meinung nach sein sollte, versuche ich mich zu fragen: „Wird das in 6 Monaten noch wichtig sein? In 2 Jahren?“ Üblicherweise ist die Antwort auf diese Fragen: „Nein!“ Die meisten Dinge, die mich zum Grübeln bringen, beeinflussen mein Leben nicht langfristig. Emotionale Wunden heilen mit der Zeit. Auch wenn ich jetzt im Moment unruhig und genervt bin, so wird es mir doch in ein paar Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren überhaupt keine Sorgen mehr bereiten. Wenn ich merke, dass ich mich über Kleinigkeiten ärgere (was ich häufiger tue, als ich sollte), dann muss ich mich daran erinnern, das Leben als Gesamtes zu sehen, und mir die Frage stellen: „Wie wichtig ist das? Ist es all diesen Stress und die Sorgen wirklich wert?“

Nimm dir Zeit für eine Auszeit
Manchmal, wenn nichts so läuft wie ich es will, ist es das Beste, mir einfach mal eine Auszeit zu gönnen. Mich von einer Situation zu distanzieren hilft dabei, eine frische Perspektive zu gewinnen. Wenn ich hart daran arbeite, etwas Perfektes zu erschaffen fällt es mir schwer, davon Abstand zu nehmen. Ich bin beim Arbeiten, bin konzentriert und will keine Zeit verschwenden. Zwinge ich mich aber dazu, eine kurze Pause einzulegen, gehe ich üblicherweise mit neuen Ideen und einer neuen Perspektive frisch ans Werk, was mir wiederum dabei hilft, nicht so perfektionsgesteuert zu sein.

Schätze aufrichtig, was in deinem Leben gut ist
Damit kehre ich zu einem Gedankengut zurück, von dem ich oft spreche – liebe dich selbst. Dir passieren bestimmt viele großartige Dinge, die du nicht einmal bemerkst, weil du so darauf versessen bist, alles perfekt zu machen. Wenn ich nach Perfektion suche, nehme ich mir nicht die Zeit, mein eigenes Leben zu betrachten und zu erkennen, was darin alles gut ist. Aus diesem Grund zeige ich viel zu wenig Dankbarkeit. Es ist wirklich wichtig zu erkennen, was an meinem Leben so großartig ist und für all das und die Dinge, Menschen und Erfahrungen darin dankbar zu sein. Dir wird Perfektion sofort viel weniger wichtig erscheinen.

Diejenigen unter euch, die keine Perfektionisten sind, können vielleicht nicht richtig nachvollziehen, was für eine schwere Bürde es sein kann, immer nach dem unerreichbaren Ziel zu streben. Wie ich bereits sagte, so etwas wie ein perfektes Leben gibt es nicht.

Du hast vielleicht ein großartiges Leben. Du lebst vielleicht ein glückliches Leben. Aber niemand – egal wie sehr er oder sie sich anstrengt – wird jemals ein perfektes Leben haben. Diese Tatsache muss ich akzeptieren. Zu wissen, dass das Leben niemals perfekt sein wird, dass ich niemals perfekt sein werde, nimmt viel Druck weg. Wenn du weißt, dass du nicht perfekt sein kannst, musst du auch nicht mehr danach streben. Und das hört sich in meinen Ohren ziemlich gut an.

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7 Kommentare

  1. Hallo, bin auch so eine Perfektionistin. Als ich das eben gelesen habe, musste ich lächeln. Sehr gute Argumente, wirklich. Aber ganz ehrlich, ein Perfektionist lässt sich davon nicht (lange) beeindrucken. Ich versuche immer wieder nicht perfekt zu sein aber es steckt in Einem und treibt an. Da einen gesunden Weg zu finden ist vielleicht das Geheimnis.

  2. Schön zu lesen, dass es noch mehr Perfektos da draussen gibt, die mit ihrer Lebenseinstellung zu „kämpfen“ haben. Kann wirklich vieles hier nachvoll ziehen. Da haben Sie mir richtig was von der Seele gelesen :)

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