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Foto: Frei von Urheberrecht. (CC0) Lizenz.

Nichts weiter, als eine komplizierte Liebesromanze zwischen Erfolg und Rückschlag ist unser Leben. Untrennbar fahren die zwei Tandem. Erfolg tritt kräftig in die Pedale. Lässt sich vom dicklichen Rückschlag nicht beeindrucken, der seine Latschen erschwerend über den Asphalt schleifen lässt. Erfolg darf nicht schlapp machen, sonst schubst ihn Rückschlag vom Bike, übernimmt das Steuer und ändert die Fahrtrichtung.

Lernen heißt fallen und wieder aufstehen – die Lage analysieren und gleich darauf besser machen. Zehn versemmelte Pitches, 100 danebengegangene Korbleger oder 20 gähnend langweilige Blogposts sind die ersten Semester des Bachelors in mentaler Unverwüstlichkeit. Viel wertvoller, als ein perfektes Ergebnis ist der perfekte Fehlschlag.

Die Reaktion auf ein Ereignis ist Sache des über Jahre kultivierten Denkmusters. Zwischen „am Boden zerstört” und „wertvolle Lektion” entscheidet nur die persönliche Interpretation eines Umstands! Mach’s wie top Level Athleten, Künstler, die tatsächlich was reißen, oder 1%ler und verwandle vermeintliche Rückschläge in einen Turbo für deine Sache.

Die Kunst, über einen Rückschlag nachzudenken

Wem sich nicht einmal bei Titanic die Tränchen ein Wettrennen liefern, der ist emotional felsenfest. Ohne nach links und rechts zu schauen, kriegt ein Rückschlag die kalte Schulter. Und es wird weiter mit dem Kopf durch Wände in Richtung Ziel gestürmt.

Ein anderer wiederum, fürchtet sich vor Fehltritten und dem Versagen. So sehr, die Furcht lähmt ihn schließlich – verbietet ihm das Handeln. Für ihn ist ein negativer Umstand katastrophal, er sieht sich weit zurück katapultiert und ist schnell verloren in Hilflosigkeit.

Noch ein anderer hat’s durchschaut: Er geht den Weg, der unweigerlich zu persönlichem Wachstum führt, der die Lebensumstände verbessert und letztendlich erfolgreich macht. Jeder vermeintliche Verlust entpuppt sich für ihn als Boost für mentale Stärke und lässt wertvolle Erfahrungen schöpfen.

Niederlage für Niederlage gewinnen wir so an Kraft und genügend Widerspenstigkeit, um größere Hürden zu bestreiten. Den Unterschied macht nur das Mindset. Durchschauen wir jede Lektion, die sich als Fehlschlag verkleidet, dann geben wir uns die Chance, fast wie gedopt, das Lernen auf ein völlig neues Level zu befördern.

„Study after study shows that if we are able to conceive of a failure as an opportunity for growth, we are all the more likely to experience that growth.” – Shawn Achor

Henry Ford macht’s vor

Realisten hätten sich ins Fäustchen gelacht, bei Henrys Versuch, mit dem Prototyp seines ersten Fahrzeugs in das Kopf an Kopf Rennen der Automobil-Bauer einzusteigen.

Überzeugt davon, Pferde durch Verbrennungsmotoren ersetzen zu können, nahmen seine ersten Visionen jedoch Gestalt an: Das Qudricycle rollte aus der Erfinder-Garage.

Den Umständen entsprechend war das Fahrzeug nicht weniger, als ein Geniestreich. Es fuhr gut und war gar ansehnlich, ließ sich steuern und hatte nicht viel Masse. Nur zu klein und unvollständig war das Quadricycle – für eine Massenproduktion ungeeignet.

Schon jetzt hätte so mancher das triefend-geweinte Handtuch geschmissen. Für Henry war’s erst die Aufwärmübung. Er reevaluierte die Umstände und schwang den Schraubenschlüssel von Neuem. Einen präzisen Plan schuf Henry, mit Fokus auf Massenproduktion. William H. Murphy sah Hoffnung in Ford und sollte sein erster Geldgeber werden.

Henry war vernarrt in sein Ideal vom perfekten Design, schraubte und schraubte. Er zog die feinsten Schräubchen so lange an, bis seinen Business-Partnern die Kragen platzten. Das Unternehmen löste sich auf. Der zweite Versuch scheiterte.

Nicht kleinzukriegen, packte Henry einen frischen Plan. Er würde nun nicht mehr versuchen, alle Bedürfnisse der zukünftigen Autofahrer decken zu wollen. Und startete das Projekt. Murphy konnte er noch ein letztes Mal für eine gemeinsame Mitarbeit gewinnen.

Murphy pushte Henry unter Druck zu Ergebnissen. Doch Henry verweigerte sich der Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, die einfach keinen Plan von Design hatten, die seinen hohen Standards schlicht nicht gerecht wurden.

Als Murphy schließlich jemanden ins Boot holte, der ein Auge auf den Fortschritt des Projekts werfen sollte, stieg Henry aus. Der Bruch war final. Im Automobil-Business schrieb jeder Henry ab. Und in dieser Welt bekam niemand eine dritte Chance.

Fanatisch seinem Ziel entgegenpreschend, bezeichnete er seinen erneuten Rückschlag als unbezahlbare Lektion, während andere bei WikiHow schon den Henkersknoten lernen. Alles, was ihn vom Erfolg abhielt, war ein Arbeitsklima, dass ihm nicht genug Zeit ließ, jedes noch so kleine Problem des Designs auszumerzen.

Wollte er das alles revolutionierende Automobil vom Stapel lassen, musste er unabhängig von Einflüssen der Geldgeber arbeiten können. Alleinige Verantwortung würde Henry nicht vor neuen Herausforderungen verschont lassen, dennoch nahm er die Hürde.

Alexander Malcomson verpasste Henry die Finanzspritze, die er brauchte und ließ ihn von der Leine. Henry schuf das Model A – ein Produkt, aus Durchhaltevermögen und einem Kopf voller Erfahrungen. Nicht nur das Fahrzeug, sondern auch die Produktion beförderte die Menschen in ein neues, von Verbrennungsmotoren angetriebenes Zeitalter.

Auf dem Weg zum Model A testete er jede Abzweigung, die sich ihm bot, verlief sich in Einbahnstraßen, bis er endgültig die Route fand, die ihn seine Vision verwirklichen ließ. Die Ressource fürs Lernen waren seine zahlreichen Fehlschläge.

Legst du große Aufmerksamkeit auf deine Fehler, bekommst du einen ehrlichen Kritiker an deine Seite gestellt. Kaum wird dir jemand deine Fehltritte so sehr auf die Nase binden, wie der Rückschlag. Nicht einmal dein Kumpel wird sich freimachen von Netiquette.

Post Traumatic Growth: Lebenseinschnitte für psychologisches Wachstum

Man nehme eine Prise Grausamkeiten a la Steven King, ein paar aus final Destination und dazu noch ’ne handvoll Jackass – ein perfektes Horrorszenario. Und eine Hyperbel für den kräftigen rechten Haken des Schicksals. Die einen verfallen in psychische Störungen, die allermeisten jedoch – wie Forscher herausfanden – erleben durch einen deftigen Einschnitt ins Leben enorme psychische Weiterentwicklung – Post Traumatic Growth.

Auf dem Grabbeltisch der Zitate ganz oben liegend: „Was dich nicht umbringt, macht dich nur noch stärker.” Ein uralter Schnack, den schon unsere Vorfahren über sich ergehen lassen mussten, nachdem sie mit Bären rangelten oder sich von blutrünstigen Stammesgegnern bearbeiten ließen. Während wir heute aus dem Haus latschen können, ohne uns auf einen plötzlichen Säbelzahntiger-Angriff gefasst zu machen, sind wir hin und wieder noch immer am falschen Ort, zur falschen Zeit.

Nach Bombenanschlägen auf Bahnstationen in Madrid, 2004, beschäftigten sich Psychologen mit den Zeugen des Unglücks. Nicht nur hat es das Leben vieler Betroffener völlig auf den Kopf gestellt, es hat ihnen neue Blickwinkel verschafft: zu Post Traumatic Growth verleitet. Die plötzliche Konfrontation mit neuen Lebensumständen führte zu vielfältigem Wachstum. Von spirituellen Erkenntnissen, der Suche nach Antworten auf die Frage des Sinns, über das intensive Wertschätzen des Lebens, Bewusstwerdung der eigenen inneren Stärke bis zu ausgeprägten empathischen Fähigkeiten, erfuhren diese Individuen einen immensen Reifungsprozess. Auf der anderen Seite zerbrachen Menschen an den Folgen solcher Ereignisse. Was ist der Auslöser für Post Traumatic Growth?

Denk-Update

Optimismus ist ein Segen. Er gibt uns die Power, einen Weg bergauf zu finden, egal, wie tief die Misere ist, in der wir zu stecken scheinen. Wer Optimist ist, der schiebt Situationen in ein gutes Licht, schafft es, sich auf das Problem zu fokussieren, statt es zu leugnen. Ganz so, wie Henry Ford.

Das Leben kullert uns unvermeidliche Steine in den Weg. Wie eine tanzende Marionette führt’s uns zwei Schritte vor, einen Schritt zurück. Als wolle es uns auf die Probe stellen kichert es schelmisch: „Na, wollen wir doch mal sehen, wie er das wieder gerade gebogen kriegt!” Es weiß eines ganz genau: Wir schmieden quasi unsere eigene Realität durch die persönliche subjektive Beurteilung von Situationen, Augenblicken.

Wir müssen unsere eigene Passivität ablegen und sie mit dem nächsten Schiff per One Way Ticket nach ans Ende der Welt verbannen. Das Gegenteil von Passivität ist Verantwortung. Wir haben keine andere Wahl, als zu realisieren, dass die 80, 90 Jahre, die wir hier umherwandeln, nur uns gehören. Nicht alles können wir vorhersehen, doch ein glückliches Leben verpflichtet uns dazu, Verantwortung für jede Reaktion auf einen Moment zu übernehmen. Für unsere Gedanken, für unsere Handlungen, für unsere Emotionen – denn das ist das Einzige auf dieser Welt, dessen wir tatsächlich mächtig sind.

Um durch den Nebel eines Traumas oder den eines schwer zu bewältigenden Problems zu schauen, braucht’s einen Geist, der sich größtenteils der toxischen Negativität entledigt hat. Jeder Gedanke formt neurologische „Autobahnen”. Durch positives Denken, Dankbarkeit, Zuversicht, Optimismus und allem, was dazu gehört, verwandeln sich neurologische Verknüpfungen negativen Denkens in selten befahrene Feldwege. Mit ausreichend Bewusstsein über die Angewohnheiten unseres schwer zu bändigenden Verstandes, schlägt sich das Gehirn auf unsere Seite – ein Verbündeter, den wir nicht missen dürfen.

Die mächtigsten Hacks, um mit Situationen fertig zu werden

Schule, Eltern und Medien drücken uns einen fetten Stempel auf, mehr noch ein Tattoo direkt auf der Stirn. Glaubenssysteme, die wir kennen, die uns durch die Jahre bringen. Doch nicht immer sind sie die besten Blueprints, um das zu packen, worauf wir tatsächlich aus sind. Vielleicht brauchen wir davon ein paar neue, welche, die auf uns zugeschnitten sind, wertvolle Glaubenssysteme, Denkmuster.

Diese Systeme, oder auch Modelle spalten sich auf in optimistisch und pessimistisch. Die Optimisten gehen aus einer Schießerei und tragen ein breites Grinsen, nicht, weil sie die Killer sind, sondern weil sie getroffen wurden.

Sie wurden getroffen und haben überlebt, wenn das kein Grund zum Lächeln ist? Sie wurden getroffen und haben die Kugel überlebt, die einen anderen hätte töten können. Der Pessimist findet, das ist’n richtiger scheiß Tag. Was beide unterscheidet ist die Kreation eines alternativen Szenarios. Der Optimist realisiert, dass er wesentlich schlechter hätte dran sein können. Der Pessimist ist stinkig, weil er die Freitagabend-Show verpasst, während sie ihm die Kugel aus dem Arm pulen. Wissenschaftler behaupten, alternative Szenarios seien der einzige entscheidende Faktor für Erfolg.

Die ABCD-Methode

Eine Schritt für Schritt Anleitung für Dummies quasi, die in schwierigen Zeiten beiseite steht, liefert Shawn Achor. Wenn einer weiß, wie glücklich wirklich geht, dann er.

In ABCD steckt ein Akronym. A = Adversity, B = Belief, C = Consequence, D = Disputation. Adversity ist der Umstand, der uns widerfährt, nicht zu verändern und bereits erlebt. Er ist abgehakt, gegessen, Affe tot. Keine Chance, an ihm herum zu schrauben und nicht in unserer Verantwortung, im Gegensatz zu Folgendem. Belief ist die Art, wie wir auf dieses Event reagieren, das Erklärmodell gewissermaßen. Gesegnet mit positivem Belief wird realisiert, von welch kurzer Dauer der unangenehme Umstand tatsächlich ist. Und Augen offen halten nach neuen Möglichkeiten ist angesagt – Optimismus steigert die Chance aufs C, die Consequences.

Sind wir auf Hilf- und Hoffnungslosigkeit programmiert, dann ist’s Zeit, die Disputation-Karte zu spielen und Consequences eines pessimistischen Beliefs verhindern. Wir müssen uns in diesem letzten Schritt also klar werden, dass unser Erklärmodell – das Belief – nichts anderes, als genau das ist: ein Modell. Und es dann umkrempeln. Shawn Achor meint, wir sollten mit uns sprechen, wie mit einem Kumpel, der an unserem Wohlergehen interessiert ist.

Würden wir einen Freund mit unserer Lagebeschreibung davonkommen lassen? Stecken wir, ganz nüchtern betrachtet, ohne Ego, noch immer so tief in der Klemme? Kann das Ereignis anders interpretiert werden? Und ist da ein alternatives Erklärmodell möglich? Natürlich ist es das!

Also, lassen wir uns nicht unterkriegen. Packen wir das Problem am Schopf und verpassen uns selbst die Gehirnwäsche, die frei macht. Die Gedanken stehen in unserer Verantwortung – alles steht in unserer Verantwortung.

Hi, lieber Leser
Ich – der Texter – bin Merlin Lauert. Und wenn du auch so’n Artikel von mir möchtest, hit me up: lauertmerlin@googlemail.com. Wenn du noch mehr von mir lesen willst, dann solltest du das hier auschecken: https://merlinlauert.contently.com/. Und wenn nicht, dann nichts wie weiter durch hafawos Blog klicken!

Beste Grüße!

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1 Kommentar

  1. Hi,
    ein super Artikel. Oft sind es die Gewohnheiten, die uns Probelme machen. In der Schule haben wir leider nie gelernt negative Gewohnheiten aufzulösen und positive zu installieren.
    Eine sehr nützliche Gewohnheit für schwierige Situation ist die Gewohneit die Sichtweise zu verändern. Frage dich nach einer schweren und schmerzhaften Niederlage: „Wie könnte ich das noch sehen?“ bzw. „Was kann ich daraus lernen?“
    Danke für diesen großartigen Artikel.
    Liebe Grüße,
    Christian

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