Bitte teile jetzt diesen Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Früher war ich ein sehr introvertierter Mensch. Ich war still, scheu und zurückgezogen. Während andere Menschen energisch ihre Meinung vertraten, bevorzugte ich eher die Welt in meinem Kopf aufzuarbeiten, Fragen in Gedanken zu beantworten und Lösungen für mich zu behalten. Diese Eigenschaften haben Vorteile und Nachteile.

Auf der positiven Seite, ist es eine Quelle der Kraft als analytischer Denker. Man besinnt sich mehr, arbeitet Dinge sorgfältiger auf und wenn man mal etwas sagt, dann meistens etwas Sinnvolles. Andererseits war jedoch diese Neigung, Dinge innerlich aufzuarbeiten, verantwortlich für eine meiner größten Schwächen – Schüchternheit.

Was ist Schüchternheit überhaupt

Die Wurzeln der Schüchternheit liegen in der Angst – eine irrationale Angst vor dem Sprechen, gedemütigt oder abgelehnt zu werden. Es ist ein Phänomen, dass sich gerade in der heutigen Zeit immer schneller verbreitet.

Warum haben so viele Menschen Angst zu sprechen? Ihre Meinung kund zu tun? In meinenen Augen sind die Hauptursachen Überempfindlichkeit und Unsicherheit. Wenn man öffentliches Sprechen automatisch mit Angst und Peinlichkeit verbindet, wird man fast alles tun, um ein Gespräch zu vermeiden. Leider ist Schüchternheit ein großer Stein auf dem Weg zu Spaß oder Erfolg. Für jene Menschen, die dieses Laster teilen, ist es wichtig, die Ursache zu erforschen und daran zu arbeiten, diese zu überwinden.

Es liegt nicht an dir

Normalerweise kommt die Angst vor dem Sprechen bei ruhigen Menschen durch schlechte oder sogar abschreckende Erfahrungen, vor allem wenn diese im Kindesalter gemacht werden. Wenn ein Erwachsener herablassend oder verärgert auf den Versuch von Selbstverwirklichung reagiert, dann ist es natürlich, dies persönlich  zu nehmen und schreckt von zukünftigen Versuchen ab. Selbst wenn dies nur einmal oder zweimal geschieht, neigen Menschen dazu, diese Vorfälle zu übertreiben, bis sie psychische Schäden davontragen. Als ich erwachsen wurde, hat es lange gedauert zu realisieren, wie selbstzentriert die Menschen sind. Die Art, wie jemand auf etwas reagiert, das du sagst, hat in der Regel nichts mit dir zu tun – meistens ist es eher ein Spiegelbild der Stimmung, in der sich die Person gerade befindet.

Ein Schlüssel zur Überwindung von Schüchternheit ist, diese Art der Reaktion als das anzusehen, was es ist – bedeutungslos. Wenn jemand negativ auf dich reagiert, dann nimm das niemals persönlich. Versetze dich kurz in die Lage der anderen Person oder nimm seine Sichtweise ein. Gibt es vielleicht etwas, was ihn in diese schlechte Stimmung versetzt hat? Wenn man die Perspektive der anderen Person besser versteht, wird einem auch oft die Reaktion klar.

Es ist ebenfalls wichtig, schlechte Erfahrungen loszulassen und zu vergessen. Wenn du das nicht schaffst, kann das oft zu einer absolut negativen Beeinträchtigung deiner Realität führen. Tu dir das nicht an! Je mehr man über schlechte Erfahrungen nachdenkt, desto mehr verstärkt man diese. Denke lieber an etwas Konstruktives. Je mehr du deinen Geist mit positiven Erinnerungen vergangener Situationen fütterst, desto leichter wird es dir fallen, ein Gespräch zu starten.

Andere Menschen sind gar nicht so anders

Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Überwindung von Schüchternheit ist zu erkennen, dass andere Leute im Wesentlichen dieselben sind wie du. Jeder ist irgendwann mal unsicher und hat Angst davor sich zu blamieren. Andere Menschen sind in der Regel nicht so smart, wie du vielleicht denkst. Wenn du eine Frage hast, stehen die Chancen ziemlich gut, dass sich jemand anders genau das gleiche fragt.

Lasse ein oder zwei schlechte Erfahrungen nicht gleich deine gesamte Einstellung gegenüber der Menschheit bestimmen. Im Großen und Ganzen, sind Menschen  freundlich und daran interessiert mit anderen zu kommunizieren. In den meisten Fällen freuen sich die Menschen, wenn jemand die Initiative ergreift, um das Eis zu brechen.

Erkenne deinen Selbstwert

Ein weiterer Grund für Schüchternheit ist Unsicherheit. Denkst du auch oft, dass dein Beitrag nicht so wichtig ist und dass du lieber nichts sagst, bevor du etwas Peinliches sagst. So darf man auf keinen Fall denken!

Um über dieses Verhalten hinweg zu kommen, musst du erkennen, wie wertvoll deine Gedanken sind und welchen Nutzen sie für andere haben. Es ist ironisch, dass die meisten Menschen, welche zur Schüchternheit neigen, meistens auch sehr nachdenklich sind. Um dein Potential zu zeigen, musst du das offen mit deiner Umwelt teilen. Deine brillanten Einsichten haben erst einen großen Wert, wen sie jemand anderen erleuchtet haben.

Der beste Weg, um sich an Kommunikation zu gewöhnen, ist Praxis. Zwinge dich selbst öfters zu sprechen, vor allem dann, wenn du überhaupt keine Lust dazu hast. Werde eine Person, die vorne sitzt oder in der ersten Reihe steht und sich sichtbar macht. Du musst verstehen, dass du durch das Teilen deiner Ansichten, anderen Menschen einen gefallen tust. Sobald du es dir angewöhnst, dass du dich anderen öffnest, wirst du feststellen, wie positiv Menschen darauf reagieren. Das wird dein Selbstvertrauen und deinen Glauben an das Gute im Menschen steigern.

Leiste unbedingt deinen Beitrag

Die Überwindung von Schüchternheit ist nicht nur etwas, das du für dich alleine tun solltest, es ist auch dein Teil, etwas für die Gesellschaft beizutragen. Wenn du einen Gedanken oder eine Idee hast, die es verdient, gehört zu werden, dann schadest du nicht nur dir selbst, wenn du diese zurückhältst, sondern in einer gewissen Weise auch den Menschen um dich herum.

Ein Fußball-Trainer hat mir einmal erklärt, warum „das Passen des Balles“ egoistisch sein kann. Wenn ein Spieler direkt vor dem Tor steht und eindeutig frei schießen kann, doch dann beschließt, stattdessen noch einmal einen Querpass zu einem anderen Spieler zu machen, ist das selbstsüchtig und kann dadurch das Team verletzen.

Wenn du die Chance nicht ergreifst, mit einer ausgezeichneten Idee hervorzutreten, auf Grund von Schüchternheit oder der Angst vor dem Scheitern, verletzt du somit auch dein Team, nur weil du dich selbst schützen willst.

Andere Menschen brauchen dich. Sie brauchen deine Intelligenz und Einsicht. Sie brauchen deine Hilfe in der Familie und bei der Arbeit, zum Finden von Lösungen und Ideen. Wenn du dich hinter deiner Schüchternheit versteckst, schränkst du die Hilfe ein, welche du deinen Freunden, Familienangehörigen und Kollegen geben könntest.

Aus Schüchternheit profitiert niemand. Sich selbst immer vor ein klein wenig Peinlichkeit im Leben schützen zu wollen, bringt auf lange Sicht nicht viel. Mit dem Überwinden deiner Schüchternheit gibst du dir selbst die Chance, erkannt und gefördert zu werden. Du schaffst neue Chancen und öffnest dich selbst gegenüber sinnvollen Beziehungen. Halte deine Talente nicht zurück, sondern setze sie bei jeder Möglichkeit ein, damit sie wachsen und gedeihen können.

Newsletter

Die beliebtesten und aktuellsten Beiträge kannst du ab sofort monatlich erhalten, indem du anschließend ganz einfach unseren Newsletter abonnierst.


Bitte teile jetzt diesen Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

2 Kommentare

  1. Ich war früher ebenfalls äußerst schüchtern, ja sogar von einer sozialen Phobie (die übersteigerte Form der Schüchternheit) betroffen.
    Wie viele andere auch, habe ich einige schlechte Erfahrungen mit Menschen in meinem Umfeld gemacht. Weil Vergleichsmöglichkeiten fehlten, war die logische Schlussfolgerung, dass alle Menschen so sind.

    Doch das ist die größte Täuschung (und eines der größten Hindernisse) auf die man hereinfallen kann. Denn ein sehr großer Teil der Menschen geht sehr höflich und respektvoll mit uns um. Daher ist es wichtig wieder die Hoffnung und den Glauben zu finden, dass sich etwas verbessern lässt und dass man selbst mehr wert ist als man selbst glaubt.
    Das zu begreifen ist eine der wunderbarsten und umwerfendsten Erfahrungen im Leben! Denn es sind immer(!) die Erfahrungen, die etwas in unserem Leben verändern!

    Ich habe meinen Blog dem Thema Schüchternheit und soziale Phobie gewidmet. Einer der interessantesten Artikel zum Thema ist http://www.soziale-phobie.at/blog/schuechternheit-ueberwinden/.
    Wer seinen eigenen wahren Wert erkannt hat, der hat auch keine Angst vor Ablehnung mehr und hat so die Möglichkeit mehr aus sich herauszugehen. Wer einmal diesen Schritt gewagt hat, der möchte dieses befreiende Gefühl gegen nichts mehr eintauschen.

  2. oh ja, gerade negative Reaktionen von anderen und Erfahrungen diesbezüglich sind ein zusätzlicher Katalysator für Schüchternheit. Leider gar nicht so leicht immer über allem zu stehen und sich Zurückweisungen nicht so zu sehr Herzen zu nehmen.
    Wer ernsthaft mit seiner Schüchternheit hadert dem empfehle ich einen Blick auf http://www.typentest.de/typentest_de_-_erklarung/schuechternheit.htm oder ein gutes Buch, z.B. „Erfolgreich Schüchtern“ Das hilft sich mal richtig damit auseinanderzusetzen und etwas dagegen zu unternehmen!

Kommentieren Sie den Artikel