Bitte teile jetzt diesen Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Ein Freund von mir – nennen wir ihn Herbert – sah ziemlich niedergeschlagen aus, als ich mich letzte Woche mit ihm auf einen Kaffee traf. Da er meine Qualitäten als Coach sehr schätzt, wollte er unbedingt mit mir reden. Etwas lag ihm schwer am Herzen.

Doch wie er so k.o. und total auf sein Smartphone fixiert dasaß, erkannte ich ihn kaum wieder. Er war nur noch ein Schatten des verdammt coolen Typen früherer Tage, als den ich ihn kannte.

Er sagte, er hätte nicht viel Zeit, also kam ich gleich auf den Punkt und fragte ihn: Herbert, sag was ist los? Ich erkenne dich kaum wieder!“

Zuerst redete er blos herum, doch dann teilte er mir endlich mit, dass er seinen Job nicht mehr machen will. Er war einige Jahre lang freiberuflich tätig gewesen und wurde dann von seinem derzeitigen „Auftraggeber“  gefragt, ob er nicht auf die Gehaltsliste gesetzt werden wollte. (Anm. Er arbeitete als Finanzberater, wo man ja „selbständig“ für ein Unternehmen arbeiten kann). Als er vor sechs Monaten anfing, erschien es ihm eine gute Idee, er dachte es würde ihm Sicherheit in der derzeitigen angespannten Wirtschaftslage bieten.

Als „Angestellter“ dieser Firma war er jedoch bald frustriert über die beschwerlichen Betriebsprozesse und er war die Firmenpolitik leid. Außerdem wurde ihm das blaue vom Himmel versprochen, was dann nicht einmal annähernd zutraf.

Er war total frustriert. So sehr, dass er darüber nachdachte, nach einem halben Jahr schon wieder zu kündigen. Für ihn untypischerweise, war er so mit der Problematik beschäftigt, dass er sich kaum noch um sein berufliches Networking gekümmert hat. Damit meine ich, dass er keine anderen Eisen im Feuer hatte, keine offenen Aufträge oder wartende Empfehlungen.

Doch das wahre Problem war, er konnte nicht einfach aufhören. Bei einem Haufen privater schulden, einer Frau, die nicht arbeitet, und zwei Kindern, ist er auf jeden Cent angewiesen.

Er fühlte sich, als säße er fest. Deprimiert. Traurig.

„Das sieht dir gar nicht ähnlich“, sagte ich.

Er lächelte.

Dadurch begann eine interessante Diskussion darüber, was wirklich an seiner beklemmenden Lage schuld war, und wie er seine für ihn sonst so übliche Kraft zurückbekommen könnte. Uns kamen vier Schlüsselgedanken, die ich nun mit seiner Erlaubnis mit euch teilen werde.

Es ist ein Auftrag

Herbert erzählte mir, dass er sich fühlte, als hätte er durch den Arbeitsvertrag etwas von seiner Handlungsfreiheit verloren.

„War das der Preis dafür, dass sie dir ein Gefühl der Sicherheit geboten haben?“ fragte ich ihn. Er dachte darüber nach und bejahte es dann. Er erkannte, dass er sich insbesondere dazu verpflichtet fühlte, ihre „24 Stunden Firmenkultur“ anzunehmen.

„Das hat es also mit dem Smartphone auf sich?“ sagte ich. Er hatte nämlich vor nicht all zu langer Zeit geschworen, nie eines zu benutzen. „Wenn du also deinen Job im Moment nicht ändern kannst“, fragte ich, „was kannst du dann ändern?“

Er lehnte sich in seinem Sessel zurück, und sagte: „Ich muss den Job als Auftrag betrachten. Die Firma wollte mich auf der Gehaltsliste, weil sie eine enge Bindung an die Firma als wichtig erachteten, deswegen musste es wie eine Festanstellung aussehen. Ich musste einer von ihnen sein. Sie mussten das Gefühl haben, dass ich wirklich irgendwie in die Firma gehörte. Aber ich muss mich deswegen nicht so fühlen. Mein Bedürfnis nach Sicherheit von der Firma stillen zu lassen, war ein Fehler meinerseits. Ich muss diesen Gedanken los werden und mich wieder als Freiberufler sehen.“

Der Boss als Kunde

„Wozu wärst du durch diese Änderung deiner Denkweise in der Lage?“, fragte ich ihn.

„Nun, ein wesentlicher Faktor ist, dass ich meinen Boss wieder als Kunden sehen würde, und so würde ich auch mit ihm umgehen.“

„Hmmmmm“

„Ja ich weiß, dass es mir zu wichtig wurde, was er von mir hält. Ich bin nicht so direkt zu ihm, wie ich es sein könnte. Ich glaube ich habe Angst, dass es mein Image gefährden könnte.“

„Wenn ich ihn als meinen Kunden betrachte, wird sich meine Beziehung zu ihm grundlegend verändern. Ich werde mich viel mehr auf meine eigentlichen Aufgaben konzentrieren; ich werde es auf diese einschränken und mit ihm über Zahlen, zeitliche Rahmen etc. diskutieren. Ich werde mich nicht mehr so sehr um seine Spielchen kümmern.“

„Spielchen?“

„Ja, er genießt es meine Vorschläge abzulehnen und mich dann dabei zu beobachten, wie ich deswegen wütend werde. Oder in meiner Arbeit herumzupfuschen. Ich muss meine Rolle so spielen, als wäre ich ein Berater. Ich muss meine Meinung und meinen Rat richtig stark zum Ausdruck bringen. Ich muss seine Spielchen auffliegen lassen. Entscheidend ist, dass es mir egal sein kann, ob er mit mir einer Meinung ist oder mich mag. Das ist seine Entscheidung. Inzwischen konzentriere ich mich einfach ganz auf das, wofür ich eingestellt wurde, und bleibe in Bewegung.“

„Und das Ergebnis kann dir egal sein!“ sagte ich.

„Genau“, antwortete er.

WIFMD

Als Herbert davon sprach, sich auf seine eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren, bot ich ihm einen weiteren Gedanken an. So wie er darüber nachdachte, was er für seinen Job zu erreichen hat, sollte er auch darüber nachdenken, was der Job ihm bieten sollte.

Der „Was Ist Für Mich Drin“ Faktor.

„Willst du damit sagen, ich brauche persönliche Ziele, die sich über den Job hinauserstrecken?“, fragte er.

„Ja“, sagte ich. „Zum Beispiel kannst du dein Wissen noch um Kenntnisse über die globale wirtschaftliche Entwicklungen erweitern. Was brauchst du sonst noch, um zwischenzeitlich mit dem Gefühl dazustehen, dass er für dich sehr wertvoll war?“

Er dachte darüber nach als ich noch hinzufügte: „Und dabei muss es sich nicht um etwas Arbeits- oder Geschäftsbezogenes handeln, es können auch ein persönliches Anliegen sein.“

„Ich muss wieder mit dem Networking anfangen“, sagte er schließlich. „Und ich muss mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Dieses Smartphone hat einfach die Macht an sich gerissen.“

Mit diesen Worten nahm er es und steckte es in die Tasche.

Eine Frist setzen

„Was würde sonst noch helfen?“, fragte ich ihn.

„Ich glaube, ich muss dem, was ich jetzt tue, eine Frist setzen.“

„Du meinst, du wirst dann aufhören?“, fragte ich.

„Nicht unbedingt“, sagte er. „Ich werde mich vielleicht dazu entschließen, einen Auftrag von derselben Firma anzunehmen, je nachdem wie es zu dieser Zeit dann gerade aussieht. Ich will mir nur das Gefühl geben, wieder eine Wahl zu haben. Wenn ich wieder mit dem Networken anfange, werden sich mir mehr Möglichkeiten eröffnen. Ich bleibe vielleicht hier, aber nicht weil ich keine andere Wahl habe.“

„Klasse“, sagte ich.

„In der Tat“, antwortete er. Er lächelte wieder und sah schon viel besser aus. Ich sagte ihm das auch sofort, und er nickte in Übereinstimmung.

„Noch einen Kaffee?“, fragte er.

„Ich dachte du hättest nicht viel Zeit“, meinte ich.

„Die Arbeit kann warten“, sagte er. „Und was gibt es im Endeffekt wichtigeres als die Familie und Freunde die einem mit guten Rat zur Seite stehen!“

Diese vier Ideen halfen Herbert dabei, wieder Spaß an seiner Arbeit zu empfinden, ohne seinen Job kündigen zu müssen oder das Gefühl zu haben, dass er es sollte.

Kannst auch du etwas von Herberts Erfahrungen nachempfinden? Was hat dir dabei geholfen, deine Meinung zu ändern, sodass du nicht deinen Job ändern musstest?

Newsletter

Die beliebtesten und aktuellsten Beiträge kannst du ab sofort monatlich erhalten, indem du anschließend ganz einfach unseren Newsletter abonnierst.


Bitte teile jetzt diesen Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

6 Kommentare

  1. „Den Boss als Kunden sehen“ das ist wirklich eine gute Perspektive, hätte mir so manches Jahr als Angestellter sicher auch einfacher gemacht.

Kommentieren Sie den Artikel