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Effectuation – Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln

Submitted by on September 18, 2014 – 06:29No Comment | 2,246 views

Dieses Buch kann man einfach so durchlesen; besser jedoch ist, es als eine Art Übungsbuch zu betrachten. Die so genannten Toolboxen erklären Schritt für Schritt, was zu tun ist, und die Arbeitsfragen regen zum Nachdenken an. Beides hilft dem Leser herauszufinden, wo er beim Thema Effectuation steht und wie er mit dieser Methode dem Unternehmenserfolg näherkommt.

Aber was ist Effectuation eigentlich? Es ist, so der Unternehmensberater und Autor Michael Faschingbauer, das Gegenteil von linear-kausalem Denken. Und damit ist es besonders geeignet für die Planung von Projekten mit vielen unbekannten Faktoren. Am Ende wir jeder Leser zu ganz individuellen Schlussfolgerungen kommen, in welchen Situationen Effectuation für ihn brauchbar ist. Die Frage stellt sich, inwieweit es hier vielleicht doch nur um neuem Wein in alten Schläuchen geht und ob Effectuation nicht anderes ist als Improvisation – auch wenn der Autor diesen Verdacht entschieden von sich weist.

Selbst wenn man nicht alle vorgeschlagenen Übungen mitturnt: Eine Wissensgrundlage über diese spannende Methode liest man sich dank zahlreicher Beispiele allemal an. Besonders knifflige Inhalte hat der Autor zudem mit Grafiken unterlegt oder in Tabellen zusammengefasst.

Wir empfehlen das Buch Effectuation: Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln allen Unternehmensgründern, aber auch Projektleitern und Managern, die zu neuen Ufern aufbrechen wollen.

Vier Grundprinzipien

Effectuation beruht auf vier Prinzipien: Mittelorientierung, leistbarer Verlust, Umstände und Zufälle sowie Vereinbarungen und Partnerschaften.

  • Bei der Mittelorientierung stehen die Fragen im Vordergrund, wen der Effectuator kennt, was er weiß und wer er ist. Er legt sich die zur Verfügung stehenden Mittel zurecht  und denkt darüber nach, welche Ergebnisse er damit erzielen kann. Mittelorientierung handelt beispielsweise, wer seine Berufung zum Beruf macht, wer etwas aus persönlicher Überzeugung und nicht des Geldes wegen tut oder wer zuerst den Kleiderschrank öffnet und dann erst entscheidet, was er tragen wird. Manchen wird das planlos oder unstrukturiert vorkommen, sie vermuten hinter dieser Art des Handelns vielleicht Esoterik oder Intuition. Doch das ist ein Trugschluss: Vielmehr ist der Effectuator vielen Zielen gegenüber offen. Seinen Weg bestimmt er anhand der Mittel, die ihm begegnen. Er legt fixe Ziele nur in Arbeitsetappen von Tagen oder Wochen fest. Kausale Denker, die ein festes Ziel im Auge haben, obwohl die Rahmenbedingungen höchst vage sind, setzen sich dagegen großem Stress aus. Die damit verbundene Hormonausschüttung geht zulasten der Kreativität und kostet unnötig Kraft. Sie sollten nie vergessen, dass es grundsätzlich zwei Arten von Fehlern im Leben gibt: Sie tun etwas, was Sie erfolgreich gemacht hätte. Den ersten Fehler werden Sie und vielleicht auch andere zu spüren bekommen. Aber Sie nie herausfinden, was Ihnen entgeht, wenn Sie etwas gar nicht erst tun.
  • Nach dem Prinzip des leistbaren Verlustes handeln Leute, die eine machbare Lösung suchen – selbst wenn die nicht perfekt sein sollte. Solche Menschen haben für den Notfall einen Plan B parat. Wer nach der Prämisse des leistbaren Verlustes handelt, überlegt sich, was alles schiefgehen könnte, was das Allerschlimmste wäre. Wenn Sie feststellen, dass die Konsequenzen selbst dann nicht so dramatisch sind, dass Sie nicht damit leben könnten, dann sollten Sie loslegen. Sind die möglichen Konsequenzen jedoch unerträglich, greifen Sie zu Plan B. Ein Vorteil dieser Methode: Entscheidungen fallen schneller als mit kausalen Denkwegen.
  • Eins schönes Beispiel für das Beispiel für das Prinzip der Umstände und Zufällebot der Italiener Mario Moretti Polegato: Seine Schuhe waren nicht gemacht für einen Spaziergang in der Mittagshitze von Reno, Nevada. Kurz entschlossen bohrte er darum Löcher in die Sohlen, um seine Füße zu belüften. Das Ergebnis dieses Handelns ist das Schuhunternehmen Geox, das heute weltweit 3500 Mitarbeiter beschäftigt.
  • Beim vierten Prinzip geht es um Vereinbarungen und Partnerschaften. Die Kooperation zwischen zwei Effectuators funktioniert dann am besten, wenn beide ein Eigeninteresse verfolgen. Außerdem ist es sinnvoll, wenn sie lernbereit, kreativ und überzeugend sind. Letzteres erreichen Sie vor allem, indem Sie selbst von Ihrer Sache begeistert sind. Sind Sie zudem offen für neue Ideen und Vorschläge, dann sollten Sie versuchen, Ihre Gedanken mit denen anderer zu kombinieren. Bleibt die Frage: Wo finden Sie den passenden Partner? Effectuators sprechen in diesem Zusammenhang von Stakeholdern, also von an eine Sache Beteiligten. Behalten Sie im Hinterkopf, dass eine lange Suche nach einem passenden Stakeholder teuer  werden kann. Schließlich können Sie, während Sie suchen, nicht an Ihrem Projekt weiterarbeiten. Dadurch entstehen die so genannten opportunitätskosten. Oft ist es sinnvoller, die Ziele den Menschen anzupassen, die mit Ihnen kooperieren wollen. Geben Sie darum möglichst viele Informationen preis. So erhöhen Sie die Zahl derer, die mit Ihnen zusammenarbeiten werden. Je dichter Ihr Netzwerk geknüpft ist, desto höher werden die Eintrittsschranken für Ihre Konkurrenten.

Wissenswerte Notizen aus dem Buch:

  • Effectuation kommt dann zum Einsatz, wenn man trotz Ungewissheit Pläne erstellen und Entscheidungen treffen muss.
  • Effectuation ermöglicht es Ihnen, die ungewisse Zukunft mitzugestalten.
  • Je kleiner ein Unternehmer ist, desto besser ist Effectuation geeignet.
  • Erfolgreiche Effectuation erfordert ein dichtes Netzwerk von Mitstreitern.
  • Viele Geschäftserfolge sind auf Experimentierfreude zurückzuführen.
  • Effectuation soll kausales Denken nicht ersetzen, sondern je nach Situation sinnvoll ergänzen.
  • Die Logik der Effectuation ist die exakte Umkehr kausaler Logik.
  • “Das Ergebnis eines Fußballspiels zwischen Österreich und Deutschland ist nicht ungewiss, bloß unsicher.”
  • Handeln im Sinne von Effectuation bedeutet mit anderen kommunizieren und diese durch Vereinbarungen ins Boot holen.
  • Das zyklische Grundmuster von Effectuation, dass in kleinen Schleifen wiederholt wird, lautet: denken, tun, tun, tun.
  • Effectuators besinnen sich auf ihre Mittel, nutzen ihre Vorstellungskraft, verhandeln mit Stakeholdern, treffen Vereinbarungen und kreieren so in vielen kleinen Schritten die Zukunft.
  • Mittelorientierte Effectuators haben einen entscheidenden Vorteil, wenn ihre Ziele dem Unerwarteten zum Opfer fallen. Sie hängen nicht so stark an ihren Zielen und passen diese daher rascher an die neuen Möglichkeiten an.
  • Nicht entscheiden kostet Zeit, Geld und Nerven, und oft sind andere dann einfach schneller.
  • Effectuators kommen leichter ins Tun, weil sie sich nicht durch Ertragsaussichten motivieren.
  • Effectuators steuern die Zukunft, indem sie Unerwartetes in Innovatives und Nützliches verwandeln.
  • Wenn Unternehmen reifen, dann bewegen sie sich in der Regel weg von Effectuation hin zu linear-kausalem Vorgehen.

Dieses Buch gibt es auch als Zusammenfassung bei “getAbstract“, der weltgrößten Bibliothek von Buchzusammenfassungen. Für HaFAWo Leser gibt es hier einen Link zu zwei GRATIS-Abstracts

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