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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Wir schreiben das Jahr 2008. Es war das Jahr, an dem ich unbedingt eine Auszeit von meinem normalen Leben machen wollte. Ich habe meinen lukrativen Managementjob gekündigt um etwas völlig Neues zu probieren. Ich wollte die Welt bereisen, und wenn möglich mein Glück im Ausland versuchen.

So geschah es, dass ich im Jänner nach Florida auswanderte, und so den Start für eine tolle Zeit legte. Ich habe im Anschluss die USA bereist und es folgten der Südpazifik und schließlich Australien. In Australien landete ich im November und hatte dort tolle Freundschaften geknüpft und bereits eine richtig familiäre Lebenssituation aufgebaut. Doch so schön es auch war, etwas fehlte: Meine Familie. Ich spürte ich muss wieder zurück, doch es sollte etwas Besonders und eine richtige Überraschung werden. Natürlich werden jetzt viele denken, na er ist halt zu Weihnachten nach Hause gekommen und hat seine Familie überrascht … aber das wäre zu banal. Ich hatte wirklich eine geniale Idee, und was ich dafür tun musste ist schon eine etwas andere Geschichte.

Es war eigentlich Ende Oktober, als ich mit meinem Cousin und Businesspartner Chris noch mitten im Südpazifik auf der Inselgruppe Vanuatu war. Wir beide beschlossen, dass wir auf Grund unserer großen Sehnsucht nach unseren Familien einen Überraschungsbesuch in Österreich planen sollten. Das war jedoch nicht ganz einfach, da wir immer noch viele Sachen in Amerika hatten und außerdem Australien fix geplant war. Es kam auch noch dazu, dass wir so viel Gepäck hatten, dass wir einen Teil in Vanuatu lassen mussten. Doch zu viel denken führt meist zu keiner Lösung und so flogen wir einfach einmal nach Australien zu unseren Freunden und deren Familien.

Die Zeit verging und Weihnachten kam immer näher. Mein Cousin Chris musste auf Grund seines Greencard-Antrages bereits Anfang Dezember wieder zurück nach LA und so blieb ich alleine zurück in „Down Under“. Chris und ich beschlossen aber noch, dass wir ganz sicher zu Weihnachten unsere Familien überraschen werden und buchten auch noch alle 7 Flüge die dazu für uns beide notwendig waren.

Dann kam was kommen musste. Meine Mutter rief mich eines Tages an und wollte wissen, was wir eigentlich zu Weihnachten machen. Nun, wurde es eng. Ich erzählte ihr, dass wir hier in Australien total familiär aufgenommen wurden und Weihnachten bei einer Gastfamilie verbringen würden. Außerdem sagte ich, dass ich vor März einfach nicht nach Österreich zurückkommen könnte, da wir noch einige Termine hier erledigen müssten.

Natürlich war meine Mama traurig, da wir bisher jedes Weihnachtsfest zusammen gefeiert hatten, aber sie verstand es. Meine Mama, wäre aber nicht sie, wenn sie nicht auf jeden Fall ein Weihnachtsgeschenk für mich hätte. Darum brauchte sie auch eine Adresse um das Geschenk zu übermitteln. Um den Plan perfekt zu halten, gab ich ihr natürlich eine Adresse und um es vorwegzunehmen: das Geschenk kam genau punktgleich an, als ich mich auf den Weg zum Rückflug nach Österreich machte. Und das möchte ich jetzt wirklich hervorheben. Wir stiegen ins Auto ein, um nach Sydney zum Flughafen zu fahren, und genau in diesem Moment bog der Postbote in die Einfahrt ein, mit meinem Weihnachtspaket. Fast schon unheimlich.

Nachdem ich das Geschenk angenommen hatte ging es ab zum Flughafen. Jetzt mussten aber noch ein paar Dinge organisiert werden. Erstens musste ich 2 weitere Cousins in meinen Plan einweihen. Einer der mich vom Flughafen in München abholt und einer als Kontaktmann bei der Bescherung. Schließlich wollte ich alles perfekt machen. Er war dafür zuständig, Fotos und Videos aufzunehmen, die er mir anschließend per mail zu schicken sollte *zwinker*. Außerdem sollte er mich am laufenden halten, wann die Bescherung losgeht zu der ich pünktlich erscheinen wollte. Dann musste ich auch noch eine Tante von mir einweihen, den sie hatte ein Nikolauskostüm, dass die Überraschung perfekt machen sollte. Es war jedenfalls eine Menge zu Organisieren und es stand noch eine gewaltige Reise vor mir. Es war schon ziemlich spannend, und nichts durfte schiefgehen, damit ich am 24. Dezember pünktlich um 20 Uhr bei meiner Oma als Weihnachtsmann zur Bescherung anwesend sein konnte.

Aber nun zurück zu Australien. Es war der 22. Dezember als ich von Sydney wegflog. Zuerst musste ich noch einmal in die Südsee nach Vanuatu, wo ich noch immer einen Koffer zwischen gelagert hatte. Da die Flüge auf dieser Insel sehr rar sind, konnte ich erst am 23. Dezember weiterfliegen. Von Vanuatu, ging es über Fiji weiter nach Los Angeles. Dort traf ich mich mit meinem Cousin Christoph und seiner Frau. Auch sie wollten ihre Familie in Österreich überraschen. Von Los Angeles flogen wir weiter nach München, wo ich dann nach 38 Stunden Flugzeit total „durch den Wind war“. Aber das erstaunliche war, dass bis dahin alles nach Plan lief. Um 18 Uhr holte uns unser 1. Cousin vom Flughafen ab und um 19.30 Uhr waren wir in Ort im Innkreis. Dann holte ich noch geschwind mein Kostüm ab und kurz vor 20 Uhr stand ich perfekt maskiert als Weihnachtsmann mit Geschenken aus der halben Welt vor dem Haus meiner Oma.

Jetzt hieß es aber warten. Die gesammelte Verwandtschaft scherzte, lachte und hatte Spaß, während ich bei Minusgraden vor dem Haus wartete. Schließlich wollte ich pünktlich zur Bescherung einmarschieren und nicht 1 Minute früher. Ich rief meinen 2ten Verbündeten Cousin an. Ich erklärte ihm, dass ich schon da war, und damit ich nicht erfriere, sollte er massiv auf die Bescherung hin drängeln. Nach 20min Wartezeit war es dann endlich soweit. Die gesammelte Verwandtschaft pilgerte ins Wohnzimmer zum Christbaum. Dachte ich jedenfalls, denn genau in dem Moment, wo ich durch die Garage ins Haus einstieg, kam plötzlich mein Vater aus der Toilette. Ich versteckte mich wie ein Blitz hinter der Tür und es war fast unglaublich, aber er sah mich nicht.

1 Minute später hörte ich aber schon „Stille Nacht, Heilige Nacht“-Gesänge aus dem Wohnzimmer, und als der Chor verstummte betrat ich den Raum. „Ho Ho Ho“ posaunte ich. „Ho Ho Ho“. Genial, alle sahen mich an, aber keiner erkannte mich. „Ja, ho ho ho“ raunzte meine Oma „nix ho ho ho, wer bist den du?“. Dann konnte ich nicht mehr, ich riss mir den falschen Bart vom Gesicht, lüftete die Kapuze und rief: „Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich zu Weihnachten nicht nach Hause komme“ .. und dann ging es los. Viel Geschrei und noch mehr Tränen.

Es war geschafft. Nach einem Jahr Abenteuer und einer 41stündigen Heimreise um die halbe Welt, konnte ich endlich wieder meine Eltern umarmen. Dieses Weihnachten werde ich bestimmt nie vergessen (und vermutlich auch die gesamte Verwandtschaft nicht), vor allem deshalb, weil ich die nächsten 2 Tage fast durchgeschlafen habe.

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2 Kommentare

  1. Mah wie cool … das nennen ich mal eine Weihnachtsüberraschung. Dieses Jahr hättest du es aber vermutlich nicht rechtzeitig geschafft mit dem Schneechaos, oder?

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