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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Ich möchte gleich zu Beginn dieses Artikels eine sehr provokante Frage stellen: „Gibt es so etwas wie richtiges lehren überhaupt?“

Einige Menschen präsentieren Informationen und Ideen, diese nutzen dem Schüler jedoch nur, wenn er interessiert daran ist zu lernen und das Gelernte anzuwenden. Andernfalls wird sich der Schüler bestenfalls an das, was er „gelehrt“ wurde, erinnern, eventuell von sich geben und dann vergessen.

Oscar Wilde sagte: „Wirklich Wissenswertes kann nicht gelehrt werden.“

Ich denke, unser Schulsystem ist veraltet, weil es sich fast nur auf das konzentriert, was GELEHRT werden sollte, und wie man kontrollieren kann, ob das erreicht wurde. Doch meines Erachtens, sollten Schulen und ihre Lehrer sich darauf konzentrieren, den Schülern dabei zu helfen etwas zu LERNEN, das ihren Interessen, Begabungen und ihrer persönlichen Motivation entspricht.

Es ist ja gut, dass die österreichische Regierung Bildung für alle Kinder frei zugänglich macht. Aber die Schule zur Pflicht zu machen und dann den Schulen nicht die nötigen Mittel zukommen zu lassen, so dass unsere einzigen Optionen mittelmäßige öffentliche Schulen, teure Privatschulen, oder wie in Österreich immer häufiger auffindbar, der Heimunterricht sind, kann nicht der richtige Weg sein.

Ganz hart formuliert, erinnert mich unser Bildungssystem etwas an unsere heftig diskutierte Wehrpflicht, die es unserer Regierung erlaubte, Individuen zum Militär zu verpflichten. Und dort passiert natürlich nur das, was das politische System für richtig hält. Nun .. unsere Regierung hat auch beschlossen, dass unsere Kinder zur Schule gehen müssen, und bestimmt, das was immer die von der Regierung eingestellten Lehr-Gurus beschließen. Im Wesentlichen sagen sie: „Du musst deine Kinder so ausbilden, wie wir es für angemessen halten (das heißt Auswendiglernen, Einteilung in Schulstufen, standardisierte Tests, Wettbewerb, Bestrafung, Einhaltung der Vorschriften, usw.) oder du wirst bestraft.“ Somit ist für mich das Gesetz der Schulpflicht genauso engstirnig wie die Wehrpflicht. Und eines haben diese 2 Systeme noch gleich: wer sich davon entziehen will, kann im schlimmsten Fall mit Freiheitsstrafe (also Gefängnis) rechnen.

Gott sei Dank, erkennt der österreichische Staat den Eltern das Recht an zu entscheiden, was für ihre Kinder am besten ist. Sie können sich für eine öffentliche oder private Schule entscheiden. Oder du kannst dein Kind zu Hause so unterrichten, wie du es für das Beste hältst (im Rahmen des vorgeschriebenen Lehrstoffs). Wenn du dich für Heimschulung entscheidest, musst du nur nachweisen, wie sich dein Kind bildungsmäßig im Vergleich zu den Altersgenossen in der Schule schlägt, und jährlich eine Prüfung machen.

Somit erlaubt uns zwar der Staat, dass du dein Kind zuhause unterrichten darfst, aber du musst ihm Großteils immer noch genau das beibringen, was es in der Schule lernen würde. Denn wie bereits schon erwähnt: am Ende des Jahres musst das Kind einen Test bestehen, um zu beweisen, dass es genau das weiß, was andere Kinder im selben Alter wissen.

Hm .. bin ich jetzt der Einzige der gerade denkt: „das macht doch ÜBERHAUPT KEINEN SINN. Das ist nur eine Veränderung der Örtlichkeit und keine komplett neue Bildungsmethode. Bringt den Kindern doch bei was angemessen ist, solang es im Endeffekt das lernt, was wir für wichtig halten.“

Mein Problem ist jedoch nicht die Entscheidung zwischen Heimunterricht und regulärer Schule. Mein Problem ist, dass das System, das sich unsere Vorfahren einfallen ließen, um ihre Kinder zu unterrichten, vor LANGER Zeit geschaffen wurde. Seit damals hat sich an unserem Bildungssystem nicht viel verändert, es wurde nicht signifikant überarbeitet, verbessert oder neu gestaltet. Den Inhalt der Lehrbücher regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen und Hefte durch Laptops zu ersetzen, verändert meiner Meinung nach nicht wirklich etwas. Das System ist immer noch dasselbe: „Lehrer“ bringen Kinder dazu, Informationen auswendig zu lernen, und das oft, ohne sie mit nützlichen oder relevanten Zusammenhängen in Verbindung zu bringen.

Albert Einstein sagte einmal: „Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung.“

Es sind andere Zeiten angebrochen, welche ganz neue Fertigkeiten erfordern. Auswendiglernen (die Säule unseres jetzigen Systems) hat keinen Sinn in einer Welt, in der jeder mühelos auf Google und Wikipedia zugreifen kann, um benötigte Informationen schnell und einfach abzurufen. Kreativität, Problemlösung, Konfliktbewältigung und globales Bewusstsein sind nur einige der Fähigkeiten, die unsere Kinder heutzutage in der Schule erlernen sollten … tun sie aber nicht.

Ich behaupte, der Großteil aller Eltern liebt seine Kinder und will nur das Beste für sie. Also wenn WIR unsere Kinder lieben, wollen wir sie doch nicht so schlecht auf die Zukunft vorbereitet, in die Welt hinaus lassen, oder? Wenn wir unsere Kinder lieben, wollen wir sie doch nicht absichtlich länger wie Schafen behandeln, die stumpfsinnig in Schulstufen zusammengeherdet werden.

Ich würden sie stattdessen lieber als Individuen behandeln, um zu erkennen, dass Kinder unterschiedliche Interessen haben, unterschiedliche Begabungen, unterschiedliche Arten zu lernen und dass nicht jedes Kind auf jedem Gebiet ein Experte sein muss.

Obwohl ich studiert habe, war ich nie der perfekte, vielseitige Schüler. Ich hatte meist durchschnittliche Noten in den unterschiedlichsten Gegenständen. Meine Ausbildung war aber sehr abwechslungsreich. Zuerst war ich auf einer Gesamtschule, dann Hotelfachschule, anschließend Touristiklehrgang und studiert habe ich dann in Führungswissenschaften. All das heißt, dass ich ein „Kenner vieler Handwerke, aber Meister von KEINEM“ war. Ich habe mich in vielem versucht, aber mich nie auf etwas spezialisiert. Ich hatte keine besonderen Fähigkeiten auf einem Gebiet, das ich genug liebte oder auf dem ich gut genug war, um mich ihm ganz zu widmen. Erst das herumprobieren im Berufsleben und das viele Selbststudium, haben mir den Job gebracht, den ich jetzt gerade mit voller Leidenschaft ausübe.

In der Schule wurde ich nie dazu ermutigt, selbstständig zu denken oder zu erkennen, was ich mehr als alles andere liebe. Die Schule hat mich nicht darauf vorbereitet, in der echten Welt bedeutungsvolle Arbeit zu finden. Sie hat mir willkürliches Zeug beigebracht und sie hat mich gelehrt, Anweisungen zu folgen. Ich wusste, wie ich jedes Spiel gewinne, bei dem die Regeln genau vorgegeben sind und sich jeder Spieler an sie halten muss. So ein Spiel ist das Leben aber nicht.

Warum machen wir es immer noch so? Wenn wir unsere Kinder auf das Erwachsenendasein vorbereiten, egal ob im Heimunterricht oder in regulären Schulen, sollten sie natürlich nach wie vor ein bestimmtes Maß an Allgemeinwissen erhalten, um die Welt verstehen zu können. Natürlich muss auch jede Art der Grundausbildung wie Rechnen, Lesen und Schreiben weiterhin unterrichtet werden. Aber unter der Idee der Erziehung (das heißt: Persönlichkeitsentwicklung) und unter der Idee der Brüderschaft/Solidarität aller Menschen (Einheimischen und Heimatlosen) und mit Ehrfurcht vor dem Leben (ökologisches Denken) sollten wir in einer modernen Schule mit den Prinzipien des modernen Unterrichts auch folgendes unseren Kindern lehren:

· Wie sie Arbeit finden, die ihnen etwas bedeutet und einen positiven Einfluss hat.

· Mitgefühl und Respekt für andere zu empfinden, egal wie verschieden sie erscheinen.

· Wie man sich gesund und ganz fühlt, damit sie sich selbst und andere, ihre Lebenspartner und Kinder mit eingeschlossen, lieben können.

· Ein grundlegendes Wissen darüber, was früher war (die Umstände), damit sie das zu schätzen wissen, was sie jetzt haben, und darauf aufbauen können, um eine bessere Zukunft zu schaffen.

· Wie man selbstständig denkt, kreativ und einfallsreich ist.

· Wie man mit Enttäuschungen, Reinfällen und Stress gesund und produktiv umgeht.

Du denkst das sind Luftschlösser? Es ist zu schwierig oder vielleicht unnütz? Jaa…vielleicht hast du recht. Wir sollten einfach aufgeben. Lassen wir doch alles so, wie es immer schon war. Wir sollten einfach dabei bleiben, unseren Kindern beizubringen, wie man sich dieselben, nutzlosen, langweiligen Fakten merkt, und das 12, 16, 18 oder 20 Jahre lang, weil das so viel einfacher für uns ist, als uns etwas Neues einfallen zu lassen.

Wir sind immerhin auch Produkte dieses Systems. Der Großteil von uns hinterfragt prinzipiell nichts. Viele denken sowieso nicht selbstständig. Und die meisten lassen sich ganz bestimmt keinen besseren Weg einfallen, etwas zu erledigen. Wir bleiben einfach bei dem, was wir kennen…wir erledigen die Dinge, wie sie schon immer erledigt wurden. Am besten keine Wellen schlagen, nicht in Schwierigkeiten geraten.

Wenn unsere Kinder erst einmal aus der Schule draußen sind, können sie alle für sich selbst versuchen, eine Menge Sachen wieder zu vergessen und sich das beizubringen, was sie wirklich interessiert. Warum würden wir sie um die Erfahrung bringen wollen, das Rad neu zu erfinden? Am Ende werden sie alles wirklich Wichtige lernen, auf das sie schon die ganze Zeit zugreifen hätten können, wären sie nicht zu beschäftigt damit gewesen, Fakten auswendig zu lernen und durch Reifen zu springen. Am Ende werden sie sich wieder selbst finden, so wie wir alle.

Ist das wirklich das Beste, was wir für unsere Kinder tun können?

Wenn wir wissen, dass das System nicht funktioniert, aber nichts deswegen tun, was „lehren“ wir unsere Kindern dadurch?

Viele tolle Ansätze habe ich auf der Informationsplattform der berühmten Bodensee-Schule gefunden. Sehr schön klingt auch ihr Willkommenstext:

Die Bodensee-Schule St. Martin gibt mit ihrem Gesamtkonzept Antworten auf Anforderungen unserer heutigen Zeit und unserer Gesellschaft. Wir sind sicher, dass wir in vielen Bereichen unserer täglichen Arbeit mit Kindern Innovatives geleistet haben und auch weiterhin tun werden.

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9 Kommentare

  1. Hmm .. also beim ersten Durchlesen dachte ich mir: „was sind denn das für komische Ansichten“. Beim 2ten mal jedoch ist mir ein Licht aufgegangen. Und je mehr ich jetzt darüber nachdenke, muss ich diesen Artikel zustimmen.

    Vielleicht geht es aber auch genau so den Verantwortlichen in unserem Land, und vielleicht brauchen Sie mehr von diesen Ansichten, bis es auch bei Ihnen „klick“ macht!

  2. Natürlich habe ich Einblick. So wie jeder Österreicher der Kinder hat. Das es nicht leicht umsetzbar ist, ist mir auch klar. Aber verrückt … wirf doch mal einen genauen Blick auf das Schulsystem in Skandinavien, und dann reden wir weiter. Ich kenne auch Privatschulen in Amerika die bereits in diese Richtung tendieren.

  3. Dieser Ansatz ist schicht weg verrückt und nicht umsetzbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie Einblick in das österreichische Bildungssystem haben, sonst würden Sie nicht so einen utopischen Artikel schreiben!

  4. Also ich bin selber eine junge Lehrerin und finde den Gedankenansatz interessant … gleichzeitig denke ich aber auch, dass das in Österreich unmöglich zum Umsetzen ist!

  5. Ich denke nicht, dass wir dazu mehr Lehrer brauchen. Die Ausbildung müsste sich nur komplett verändern.

    Ich weiß natürlich, dass dieser Artikel sehr visionär ist, aber große Dinge brauchen zuerst einmal große Visionen ;)

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