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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Wer in die Kreativbranche drängt, rechnet mit einem harten Einstieg in den Arbeitsmarkt, glaubt trotzdem an seine Fähigkeiten und muss sehr flexibel sein – bis zur Selbstaufopferung.

Sie sind jung, kreativ – und realistisch genug, um eines zu wissen: Es wird nicht leicht für sie, einen Job zu finden. Und erst recht, ihren Traumjob zu finden. Mit dem großen Geld rechnen sie ohnehin schon lange nicht mehr.

Das sind, kurz zusammengefasst, die Ergebnisse einer Studie, die der „Presse“ vorab vorliegt. Erstellt hat sie das Institut für Jugendkulturforschung gemeinsam mit der Jugendpresse Deutschland. Befragt wurden junge Menschen (14 bis 25 Jahre), die in der Medien- und Kreativbranche tätig sind oder es einmal sein wollen.

Die Studie wurde in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse, sagt Studienleiter Philipp Ikrath, seien aber aufgrund der ähnlichen Situation fast 1:1 auf Österreich umlegbar.

Ein langer Weg

„Das ist eine Generation“, sagt Jugendforscher Ikrath, „die weiß, dass sie nach dem Studium nicht mit offenen Armen auf dem Arbeitsmarkt begrüßt wird. Ihnen ist bewusst, dass das ein langer und schwieriger Weg wird.“ Was sich auch in der Studie widerspiegelt: Nur drei Prozent glauben, dass ihr Berufseinstieg „gar nicht schwierig“ wird, fast drei Viertel der Befragten schätzen den Einstieg als „sehr schwierig“ oder „eher schwierig“ ein.

Eine weitgehend realistische Generation also, die den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten aber dennoch nicht verloren hat: Fast 70Prozent der Befragten gaben an, dass sie „sehr“ oder „eher“ optimistisch sind, in den nächsten Jahren genau den Job zu bekommen, den sie anstreben. „Das ist typisch für die höher gebildeten Jugendlichen“, sagt Ikrath. „Die sehen zwar die Zukunft der Gesellschaft eher pessimistisch, bewerten aber ihre eigenen Zukunftschancen deutlich positiver.“

Und das trotz der vielen Negativmeldungen vom Arbeitsmarkt und trotz der oft gehörten Aussagen, dass es „die Jungen“ heute viel schwieriger hätten als früher. „Sie haben dennoch ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und wissen, dass sie gut gebildet sind und viele Kompetenzen mitbringen.“ Nur drei Prozent der jungen Kreativen sehen ihr eigenes berufliches Fortkommen „gar nicht“ optimistisch.

Rund ein Viertel bewertet die eigenen Jobchancen als „eher nicht“ optimistisch. In niederen Bildungsschichten, sagt Ikrath, sei der Anteil der Pessimisten deutlich höher. Noch etwas fällt bei den jungen Kreativen auf: ein hohes Maß an Flexibilität. So sind mehr als neun von zehn Befragten bereit, in eine andere Stadt oder Region zu ziehen, um einen Job in der angestrebten Branche zu bekommen.

Je jünger, desto flexibler

Diese Bereitschaft ist bei den ganz Jungen (14 bis 19 Jahre) noch höher als bei den über 20-Jährigen. Flexibel heißt aber auch: sich alle Optionen offenlassen. Wenn man die Jugendlichen fragt, wo sie sich in fünf oder zehn Jahren sehen, sagen sie: „Keine Ahnung, ich muss flexibel sein.“ „Flexibel“ ist diese Generation aber auch insofern, als sie bereit ist, am Anfang der Karriere prekäre Arbeitsverhältnisse einzugehen.

Das heißt: sich von einem schlecht (oder gar nicht) bezahlten Praktikum zum nächsten durchzuschlagen. Allerdings ist laut Ikrath die Bereitschaft, unbezahlte Praktika zu machen, unter Österreichs Jugendlichen nicht so ausgeprägt wie in Deutschland, „wo das schon gang und gäbe ist“.

Aber auch hierzulande sei „der Wille zur Selbstaufopferung groß“. Freilich mit einem Ziel: „Früher oder später wollen sie natürlich auch Geld verdienen.“ Vorerst gehe es aber um das Prestige, das ein Job im Kreativ- und Medienbereich mit sich bringt – und um Selbstverwirklichung.

Geschickte Netzwerker

Oder schlicht darum, überhaupt im Berufsleben Fuß zu fassen. Dabei sehen die Jungen Volontariate und Praktika für wichtig an, um ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen: „Berufserfahrung“ steht da an erster Stelle, gefolgt von „guten Beziehungen“.

Damit meinen Jugendliche nicht nur das viel zitierte „Vitamin B“ (wer „jemanden“ kennt, bekommt leichter einen Job). Sie sind auch bemüht, ihre eigenen Netzwerke aufzubauen: „Die jungen Leute sagen ganz offen, dass sie versuchen, Beziehungen zu knüpfen, die ihnen später in der Karriere nützen können.“ Also jung, kreativ- und berechnend.

(Quelle: Die Presse, Print-Ausgabe)

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