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Bildquellen: CC0 Public Domain pixabay.com/pexels.com/unsplash.com

Ein Feierabendbier, gemeinsame Ausflüge oder sogar eine Freundschaft fürs Leben: Wenn Kollegen zu Kumpeln werden, fällt das Arbeiten leichter. Vorausgesetzt, man beachtet ein paar Grundsätze.

Nach zehn Jahren Zusammenarbeit gab’s zum Abschied Tränen. Nämlich bei der Premiere des achten und letzten Harry-Potter-Filmes vor einem Monat. „Wir haben zehn Jahre unseres Lebens miteinander verbracht“, sagte Hauptdarsteller Daniel Radcliffe über die Freundschaft mit seinen Kollegen Emma Watson und Rupert Grint. Und die drei Jung­schauspieler schworen, auch weiterhin Kontakt zu halten, auch wenn sie sich keinen Arbeitsplatz mehr teilen. Aber ist das überhaupt realistisch?

Laut einer Studie des Onlinekarriereportals Monster unternehmen 42 Prozent der befragten österreichischen Arbeitnehmer ab und zu etwas mit ihren Kollegen. Fast ein Drittel der Umfrageteilnehmer versteht sich mit den eigenen Kollegen sogar so gut, dass sie diese zu ihrem Freundeskreis zählen. 28 Prozent der Österreicher trennen Berufs- und Privatleben strikt und verbringen keine Freizeit mit den Arbeitskollegen.

„Ein Betrieb ist ein soziales System, in dem sich die Menschen sympathisch oder unsympathisch sind“, sagt Arbeitspsychologe Arthur Drexler. „Und natürlich entwickeln sich da Bekanntschaften, man geht miteinander auf ein Bier, segeln oder lädt sich zum Essen ein.“ Das kann völlig problemlos und sogar förderlich fürs Arbeitsklima sein. „Denn Kollegen, die sich mögen, unterstützen sich gegenseitig und sind loyal. Eine Anweisung von einem Freund wird lieber befolgt als von einem ungeliebten Vorgesetzten. So fällt die Arbeit dann leichter“, weiß Drexler. Zu dem Ergebnis kommt auch Barbara Wiesinger, Country Manager & Sales Director bei Monster Worldwide Austria: „Gelegentliche private Treffen mit Kollegen können das Gefühl der Teamzugehörigkeit stärken und so die Motivation der Mitarbeiter am Arbeitsplatz erheblich fördern.“

Schwierig wird es aber, wenn die Freundschaft nicht auf gleicher Hierarchie-Ebene­ geknüpft wird. „Freundet sich ein Chef mit einem Mitarbeiter an, können sich Probleme ergeben“, so der Milser­ Arbeitspsychologe. Denn treffen sich Vorgesetzer und Untergebener auch privat, wird natürlich auch Privates ausgetauscht. Bevorzugung, Freunderlwirtschaft oder der Kollege sei das Sprachrohr zum Chef – das sind nur einige­ der Vorwürfe, die das privat-berufliche Hierarchie-Gefälle mit sich bringen können. Der Vorgesetzte hat in diesem Fall eine Fürsorgepflicht, so Arthur Drexler: „Er muss sich überlegen, was eine­ Freundschaft für ihn und seinen Untergebenen bedeutet.“ Denn immerhin sei dieser abhängig von ihm.

Auch eine Versetzung in eine andere Abteilung oder Filiale oder eine Kündigung können Auswirkungen auf Kollegen, aus denen Kumpel wurden, haben. Denn auch wenn im Betrieb eine vermeintliche Freundschaft fürs Leben geschlossen wurde – fehlt die gemeinsame (Arbeits-)Zeit, kann aus einer Freundschaft rasch eine Bekanntschaft werden.

Ebenfalls aufpassen sollte man, wenn sich die Busenfreunde zu sehr von ihrem Umfeld abschotten und etwa­ nur zu zweit in die Kantine gehen. Das kann Neid und Missgunst schüren, weiß Drexler. „Im Grunde ist das aber nicht problematisch“, auch wenn man durch die strikte Zweisamkeit manche Informationen, wie auch Gerüchte, nicht erfährt.

Und was, wenn man zu den 28 Prozent gehört, die Berufliches und Privates strikt trennen wollen, ohne dabei aber die Kollegen vor den Kopf zu stoßen und das Klima zu vergiften? „Erzählt man gar nichts Privates, isoliert man sich zunehmend“, analysiert der Arbeitspsychologe Drexler. Denn wenn man etwas von sich preisgibt, fördert das natürlich auch die Arbeitsbeziehung. Man soll also nicht die oder der „große Unbekannte“ bleiben, so ein Rat. Erzählungen vom Urlaub oder auch Infos über das Privatleben sind durchaus auch am Arbeitsplatz angebracht, Intime Details aus Beziehungen oder Schattenseiten der Biographie sollen hingegen tabu bleiben. „Damit kann man ausgenützt oder erpresst werden“, so der Psychologe.

Übrigens arbeiten auch die Harry-Potter-Schauspieler inzwischen an neuen Projekten und wollen ihre Schauspielkarriere weiterführen. Es wird sich also erst weisen, ob Radcliffe, ­Watson und Grint auch abseits des Sets dicke Freunde bleiben können.

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