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Beruf, Familie und Privatleben in harmonischen Einklang miteinander zu bringen scheint für viele Berufstätigen ein erstrebenswertes Ziel. Der Begriff Work-Life-Balance steht stellvertretend für eine solche Art der Lebensführung. Die Gegebenheiten moderner kapitalistischer Gesellschaften rücken dies für viele Arbeitnehmer allerdings in weite Ferne. Ständige Erreichbarkeit, Sparkurse der Unternehmen und persönliche Zukunftsängste erhöhen den Druck auf das Individuum und können zu psychischen Erkrankungen führen. Einige Stimmen behaupten wiederum, dass Work-Life-Balance lediglich ein Mythos sei und der Mensch mit seinem Job zufrieden sein müsse, da Arbeits- und Privatleben nicht strikt voneinander zu trennen seien.

Ein individuelles Ziel

Die Frage, was denn genau eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben darstellt, ist eine ganz individuelle Frage und variiert je nach Lebenslage. Faktoren wie Alter, Familienstand, sozialer Status und die eigene Definition von Glück spielen hierbei eine große Rolle. Für Erwerbstätige mit Kindern wird es sicherlich wichtiger sein, ihre Zeit auch mit diesen zu verbringen, anstatt bis spät abends an einem Schreibtisch zu sitzen. Andere Menschen wiederum haben zeitintensive Hobbys, die sie ausmachen und neben der Arbeit einen Großteil ihrer Lebenszeit einnehmen. Diese Menschen würden sich daher nur ungern aufgrund eines Jobs dahingehend einschränken. Dann gibt es da aber auch noch die Workaholics, für die der Job ungemein wichtig ist und denen Überstunden vielleicht sogar Freude bereiten. Eine allgemein gültige Regel für die Work-Life-Balance lässt sich daher unmöglich aufstellen.

Was können Unternehmen tun?

Unternehmen können jedoch ihren Beitrag dazu leisten, um für ihre Mitarbeiter möglichst ideale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Diese geht am besten mit einer lebensphasenorientierten Personalpolitik, die auf die individuellen Bedürfnisse der Belegschaft eingeht. Dadurch werden die Angebote danach ausgerichtet, ob einem Mitarbeiter nun Karriere oder Erhalt der eigenen Gesundheit oder aber auch Familienplanung oder Altersvorsorge am Herzen liegen. Es ist jedoch eine schwierige Aufgabe, allen mit dem richtigen Mix aus weichen Faktoren wie Arbeitsklima, Sozialleistungen usw. und harten Faktoren wie Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten gerecht zu werden.

Daher müssen Personalverantwortliche jeden Einzelfall genau betrachten. Ein wunderbarer Anfang ist in jedem Fall ein betriebliches Gesundheitsmanagement, welches die Mitarbeiter bei einem ausgeglichenen Arbeitsalltag unterstützen soll. Dazu gehört der wöchentliche Obstkorb genauso wie kurze Pause mit sportlichen Aktivitäten, die einen zumindest für kurze Zeit aus dem Bürostuhl auf die Beine holen sollen.

Die Bedürfnisse der Mitarbeiter sind dabei nicht nur vielfältig, sondern sie wachsen auch stetig, so dass Unternehmensaktivitäten idealerweise über reines Gesundheitsmanagement hinausgehen sollten. Besonders die in den 60er und 70er Geborenen befinden sich häufig in einer Rolle, in der sie sich um die Versorgung von Kindern und Eltern kümmern müssen und dafür konkrete Unterstützung wie Pflegeberatung oder Zugang zu Haushaltshilfen benötigen. Für die Millenials wird es immer mehr von Bedeutung sein, Partnerschaft und Beruf unter einen Hut zu bekommen, weswegen sich viele mehr Unterstützung wünschen. Große Unternehmen bieten sogar betriebseigene Kitas an, aber auch flexiblere Arbeitszeiten, die sich mit denen des Partners vereinen lassen.

Work-Life-Balance im deutschsprachigen Raum – Österreich vs. Deutschland

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Der OECD Better Life Index soll anhand mehrerer Faktoren – wie Bildung, Wohnverhältnisse, aber auch Work-Life-Balance usw. – einen internationalen Referenzrahmen schaffen, mit dem sich das gesellschaftliche Wohlergehen einzelner Länder vergleichen lassen soll. Hinsichtlich der Work-Life-Balance ergab sich, dass in Österreich 7,3% der Beschäftigten sehr lange Wochenzeiten – 50 oder mehr Stunden pro Woche – haben, weniger als im OECD-Durchschnitt (13,0%). Im Schnitt 14,6 Stunden verwenden Vollzeitbeschäftige für Grundbedürfnisse (Essen und Schlafen) und Freizeitaktivitäten (Familie, Freunde, Hobbys, Unterhaltung, Kultur), womit Österreich jedoch auch hier unter dem OECD-Durchschnitt liegt.

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Österreich investiert allerdings viel Geld in eine gute Kinderbetreuung, um eine möglichst ausgewogene Balance zwischen Arbeits- und Familienpflichten zu finden. Zwischen 2014 und 2017 hat die österreichische Regierung zu diesem Zweck 440 Euro bereitgestellt. Dadurch wurde bereits jetzt die Kinderbetreuungsquote von Kindern bis drei Jahren um 25% gesteigert.

Im Nachbarland Deutschland liegt der Anteil von Beschäftigten mit sehr langen Wochenarbeitszeiten nur bei 5,0% der Erwerbstätigen – also weit unter dem OECD-Durchschnitt. Auch verwenden deutsche Vollzeitbeschäftigte mit durchschnittlich 15,6 Stunden mehr Zeit auf Grundbedürfnisse und Freizeitaktivitäten.

Deutschland ist in der OECD eines der Länder mit der geringsten Geburtenrate. Mit einer Geburtenrate von 1,41 Geburten pro Frau liegt sie nicht nur unter dem OECD-Durchschnitt mit 1,7 Geburten pro Frau, sondern auch seit 1983 konstant unter einer Geburtenrate von 1,5. Zudem bekommen Frauen ihr erstes Kind im Durchschnitt erst mit 30 Jahren, wodurch Deutschland zusammen mit dem Vereinigten Königreich Rekordhalter ist, was späte Geburten angeht. Eine Verringerung der Ungleichheit zwischen Mann und Frau kann jedoch zum Familienwachstum beitragen.

Besonders Frauen mit hohem Bildungsstand schieben den Kinderwunsch länger auf. Dadurch steigt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, überhaupt keine mehr zu bekommen. Die Kinderlosigkeit in Deutschland ist ohnehin schon hoch. Im Jahr 2013 lebten 28% der deutschen Frauen zwischen 40 und 44 in kinderlosen Haushalten. Ein-Kind-Familien sind mit 52% der vorherrschende Familientypus. Zudem verbringen Mütter doppelt so viel Zeit mit der Kinderbetreuung wie Väter. Die deutsche Berufs- und Familienpolitik muss effektiver werden, wofür allerdings ernsthafte Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Nicht nur, dass die Gender-Pay-Gap verringert bzw. geschlossen werden muss, auch die Beteiligung der Väter an der Kindererziehung muss erhöht werden, um Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die OECD lobt jedoch Deutschland für seine Bemühungen und die jüngste Elternzeitreform, die jetzt in Bezug auf kinderbezogene Urlaubsansprüche, die ausschließlich Vätern zustehen, zu eine der großzügigsten OECD-Systeme gehört.

Ausgewogene Lebensbereiche für Familien von oberster Priorität

Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass vor allem für Familien eine ausgewogene Work-Life-Balance oberste Priorität besitzt. Auch Kritikern des Work-Life-Balance-Ansatzes bietet diese Argumentation kaum Angriffsfläche, da Arbeitszeit, so sehr sie zum Leben dazugehören mag, schlichtweg nicht mit Partner und Kindern verbracht werden kann. Ambitionierte Single-Menschen mag ein sinnstiftendes Berufsleben hingegen so erfüllen, dass für sie eine Unterteilung in Arbeits- und Privatleben obsolet erscheint.

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